DVU-Mitgliederkartei an NPD-Zeitung ausgeliefert

Die Verschmelzung von DVU und NPD ist hinter den Kulissen deutlich weiter vorangeschritten, als den Mitgliedern beider Parteien bisher bekannt sein dürfte: Die NPD-Parteizeitung „Deutsche Stimme“ ist seit neuestem im Besitz von Datensätzen der rund 4000 DVU-Mitglieder. In jedem „normalen“ Zeitungsverlag dürften die Sektkorken knallen bei solch einem Zuwachs im Adressenbestand – womit die Führungsetage im DS-Verlag in Riesa angestoßen hat, ist unbekannt.

Von Stefan Schölermann, NDR Info

NPD-Chef Udo Voigt und DVU-Chef Matthias Faust nach dem NPD-Bundesparteitag 2010. (Screenshot YOUTUBE)
NPD-Chef Udo Voigt und DVU-Chef Matthias Faust nach dem NPD-Bundesparteitag 2010. (Screenshot YOUTUBE)

Fakt ist: In diesen Tagen erhalten bundesweit DVU-Mitglieder einen Umschlag aus Riesa: Darin findet sich die aktuelle Ausgabe der NPD- Parteizeitung „Deutsche Stimme“ und ein Schreiben von DVU-Chef Matthias Faust aus Hamburg. Darin heißt es: „Damit Sie umfangreich über den weiteren Weg des Verschmelzungsvorganges informiert werden, erhalten Sie kostenlos die nächsten Ausgaben der Monatszeitung „Deutsche Stimme“.

Doch nicht jedem DVU-Mitglied ist diese „aufgedrängte Bereicherung“ willkommen. So beklagt ein bayerischer DVU-Funktionär die Zusendung der NPD- Postille so: „Als Mitglied ohne meine Zustimmung in deren Verteiler – das ist nicht gut.“

Juristisch dürfte gegen die Datenverschiebung aber kaum etwas einzuwenden sein. Die DVU hat nach eigenen Angaben mit dem DS- Verlag einen Vertrag über eine sogenannte „Auftragsdatenverarbeitung“ abgeschlossen. Er sieht vor, dass die Daten ausschließlich für den Versand der „Deutschen Stimme“ verwendet werden dürfen und nach Gebrauch zu vernichten sind. Das gelte für insgesamt 3 Ausgaben, erklärte dazu DVU-Chef Matthias Faust auf Anfrage.

Er gerät in dem Schreiben an seine „Lieben Parteifreunde“ ins Schwärmen: „Sie haben es in der Hand, unseren gemeinsamen Traum in die Tat umzusetzen“. Für andere DVU-Mitglieder aus Norddeutschland ist die Adressweitergabe an den DS-Verlag eher ein Alptraum. Einer beklagt: “Meine Frau ist nie als DVU- Mitglied öffentlich in Erscheinung getreten. Jetzt weiß sogar der Briefträger, von wem sie Post bekommt.“

Die DVU legt derweil Wert auf die Feststellung, dass Ausbildung und Beruf der Mitglieder nicht an die „Deutsche Stimme“ übermittelt worden sind.

Siehe auch: Millionenspende macht Weg für NPDVU-Fusion frei

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