Großer Bahnhof für die NPD? Von wegen!

In Niedersachsen war es nach dem Tod von Jürgen Rieger vor einem Jahr ruhig geworden um die Immobilien-Projekte von Neonazis. Nun äußert die NPD aber Interesse am Kauf eines leerstehenden Gebäudes – mal wieder an einem Bahnhof, dieses Mal in Laatzen bei Hannover. Ein Sprecher der NPD in Hannover erklärte laut Welt-Online, man beabsichtige, in dem Gebäude ein Schulungszentrum einzurichten. Es gebe eine Bauvoranfrage zu dem ehemaligen Bahnhof im Stadtteil Rethen von der NPD, sagte ein Sprecher der Stadt.

Von Patrick Gensing

Die Stadt kündigte an, alles dafür zu tun, um diese Pläne zu verhindern. Der Eigentümer hatte den Bahnhof 2008 ersteigert und wollte ihn für Musikveranstaltungen nutzen.

Bahnhof und Bahnhofsgebäude sind nicht mehr in Betrieb Quelle: Clemensfranz
Bahnhof und Bahnhofsgebäude sind nicht mehr in Betrieb Quelle: Clemensfranz

 

Stadt, Land, Bahnhof

Allerdings hatte die NPD bereits mehrere Immobilien-Pläne angekündigt, die sich später als Bluff herausstellten, zuletzt beispielsweise in Aachen, wo die Partei angeblich ein Hotel kaufen wollte. In Tuttlingen (Ba-Wü) sorgte die Partei wenige Monate vor der Landtagswahl für Aufsehen mit der Ankündigung, ihre Landesgeschäftsstelle dort eröffnen zu wollen.  Rieger selbst wollte auch bereits eine Bahnhofsimmobilie in Niedersachsen erwerben – doch der Kauf wurde „rückabgewickelt“, da die Stadt Melle angeblich den Bebauungsplan geändert hatte – das schrieb Rieger zumindest auf seiner Homepage. Dies schien allerdings vorgeschoben. Diverse Hinweise deuten darauf hin, dass Rieger nie ernsthaftes Interesse an der Immobilie hatte. So soll der von Rieger gezahlte Preis von 700.000 Euro vollkommen überhöht gewesen sein. Außerdem hatte Rieger offenbar keine wirklichen Kenntnisse über die Immobilie.

Gleichzeitig werden auch aber Immoblien-Projekte realisiert: In Thüringen erwarb die NPD ein Bürohaus, in Wöhrden (Niedersachsen) kaufte ein NPD-Kandidat einen Gasthof, genau wie im oberfränkischen Dorf Oberprex. Auch in Mecklenburg-Vorpommern baut die Partei ihre Infratstruktur aus, dort eröffnete die Partei das „Thing-Haus„. In Sachsen-Anhalt nutzen Neonazis zudem seit dem Frühjahr ein Schloss als Treffpunkt. Die Neonazis Thomas Wulff und Axel Schunk hatten dort das alte Schloss Trebnitz ersteigert.

Bluff oder nicht Bluff?

In Laatzen weist aber alles auf einen Bluff hin. Denn  die NPD sagte laut Hannoversche Allgemeine Zeitung, man habe bereits einen Termin mit der Maklerin gehabt – und es sei „alles durch“. Man wolle nur noch das Ergebnis der Bauvoranfrage bei der Stadt Laatzen abwarten. Näher wolle man sich nicht zu dem Thema äußern.

Eine Maklerin von First-Immobilien bezeichnete die Äußerung der NPD hingegen als „absoluten Humbug“. Es habe lediglich einen Besichtigungstermin gegeben. Alle vorangegangenen Anfragen hätten sich aus verschiedenen Gründen bereits erledigt. Bei dem Termin vergangene Woche habe der Interessent sich nicht als NPD-Anhänger zu erkennen gegeben, sondern angekündigt, ein Musikzentrum mit Proberäumen einrichten zu wollen.

„Bis jetzt gibt es keinen Kaufinteressenten, nur Besichtigungstermine“, betonte Prange. Außerdem habe sich der Mann noch nicht zurückgemeldet. Von einer Einigung könne daher keine Rede sein. Das letzte Wort bei einem anstehenden Verkauf habe zudem der Eigentümer der alten Rethener Bahnhofsimmobilie. Dieser versicherte laut HAZ, das Gebäude keinesfalls an die NPD verkaufen zu wollen.

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von Patrick Gensing

5 thoughts on “Großer Bahnhof für die NPD? Von wegen!

  1. Da die NPD durchaus ein paar Häuser nutzt, obwohl sie chronisch nah an der Pleite spaziert und die Mitgliedsbeiträge nicht überragend sein dürften, frage ich mich, wieviel Steuergeld der Verfassungsschutz wohl insgeheim in die Strukturen pumpt und damit die Staatsquote der NPD-Finanzen von etwa 50% weiter steigert?
    Von nichts kommt nichts…

    Für den Bluff deutet übrigens wie immer die vorherige Ankündigung. Ernsthafte Käufe wurden stets insgeheim abgewickelt.

    Übrigens muss ein Kauf auch nicht unbedingt ein Problemm sein. In Hameln kann das ehemalige Kino wegen Baufälligkeit nicht genutzt werden. Das Schloss Trebnitz sieht nicht besser aus:

    http://www.leerstehende-baudenkmale.de/baudenkmale/sachsenanhalt/bernburg/trebnitzschloss/startschlosstrebnitz.htm

    Diese Ruinen binden aber gleichzeitig Geldmittel der Szene, die an anderer Stelle nicht ausgegeben werden können. Oder man müsste weitere größere Beträge investieren, um eine Nutzung zu ermöglichen. Woher jenes Geld kommen soll, weiß wohl niemand.

  2. …seit die Regio-Bahn die Ansagen von der Zentrale aus tätigt und die Fahrscheine im Zug gelöst werden, stehen viele Bahnhofshäuschen leer und sind aufgrund der Baustruktur schwer nutzbar. Ich meine: das war bestimmt nicht das letzte mal, daß die NPD „nur Bahnhof versteht“.

    Was man mit solchen erhaltenswerten Häusern alles machen könnte… Die Jugendlichen hätten eine schöne Aufgabe und müssten nicht mehr zur nächsten Nazirock-Feierlichkeit nach Karnickelbumms pilgern.

  3. Proberaum, Siebdruckwerkstatt, Partyraum, Mini-Bibliothek, Gender-Debatier-Club, Internet, Küche und einmal in der Woche aufs Dach klettern und unter Anleitung Ziegel auswechseln. Das Leben kann so schön sein…

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