Der bürgerliche Schein und die „nazistische Kampfpartei“

Das Angebot lässt an menschenverachtender Deutlichkeit nicht zu wünschen übrig: „Arbeit macht frei“, „Deutsche wehrt Euch, kauft nichts vom Weltfeind“ oder „No grace“ (keine Gnade), dazu das Bild eines Strichmännchens mit jüdischer Kippa, das hingerichtet wird – Buttons mit solchen Nazi-Parolen und Illustrationen soll Marcus G. via Internet angeboten haben.

Ab dem 27. Oktober 2010 muss sich der 26-Jährige aus Sotterhausen (Mansfeld-Südharz) einem Bericht der Mitteldeutschen Zeitung zufolge dafür vor dem Amtsgericht Halle verantworten. Mit ihm auf der Anklagebank: Matthias B., von 2006 bis 2008 Betreiber einer regionalen rechtsextremen Internet-Plattform. Dort solle in einem Beitrag Gewalt gegen die Zivilbevölkerung in der von Hitler-Deutschland besetzten Tschechoslowakei als „Befriedung“ bezeichnet worden sein, berichtet das Blatt.

Völkische Propaganda gegen die USA (Foto: Marek Peters)
Völkische Propaganda gegen die USA (Foto: Marek Peters)

Es sei mehr als einer von vielen Prozessen gegen Rechtsextremisten wegen Volksverhetzung und Propagandadelikten, kommentiert die Zeitung. Denn „beide Angeklagten sind nach wie vor Führungsfiguren der rechten Szene in Sachsen-Anhalt“, sagt David Begrich, Rechtsextremismus-Experte beim Verein „Miteinander“ gegenüber der MZ, „immer an der Schnittstelle zwischen den freien Kameradschaften und der NPD.“ Jener rechtsextremen Partei also, die 2011 in den Landtag einziehen wolle und sich deshalb gerne betont bieder und bürgerlich gebe, wie die Zeitung treffend bemerkt.

Das Verfahren gegen die beiden Männer zeige, was die NPD wirklich sei, sagte Begrich der MZ: eine „nazistische Kampfpartei“, deren Akteure sich wenn immer möglich auf den Nationalsozialismus beziehen würden. G. ist demnach stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbandes Mansfeld-Südharz der Partei und gehört laut Begrich auch dem bundesweiten NPD-Ordnungsdienst an, der bei Veranstaltungen oder Parteitagen eingesetzt wird. Bis 2008 saß er den Angaben zufolge zudem im NPD-Landesvorstand. B. leitete zeitweise eine Gruppe der NPD-Nachwuchsorganisation Junge Nationaldemokraten. Im vergangenen Jahr wollte er für die NPD in den Stadtrat von Halle, verpasste aber den Einzug.

Siehe auch: NPD träumt von der Achse Dresden-Magdeburg-Schwerin