NPDler schreibt Klartext: „Den rechten Arm zur Sonne“

In einem sächsischen Kreistag gibt sich NPDler Tino F. bieder. Im Internet breitet er hingegen seine Gewalterfahrungen und -fantasien aus. Das hat die Antifa Freiberg durch einen Hack herausgefunden. Sie hat umfangreiche Daten über den Neonazi aus dem Thiazi-Netz veröffentlicht, wo F. demnach unter dem Namen „Saxus“ schrieb, den Holocaust leugnete und auch spannende Einschätzungen zur NPD abgab.

Von Patrick Gensing

Der Antifa zufolge erzählte „Saxus“ genüsslich im Naziforum eine rassistische Episode aus einer Zeit, als es noch die DDR gab – und die er so sehr vermisst. Und das geht so:

„Ein Mosi [Mosambikaner] wurde direkt bei einer Vergewaltigung erwischt (Nachtschicht). Das Vieh wurde unter Schlägen, Tritten und liebevoller Unterstützungen durch den Teleskopi Richtung Wache geführt (ca. 300 Meter – die können ewig lang sein).“

Sichtlich Stolz auf seine Brutalität und den Korpsgeist fährt F. fort:

„Der Schmarotzer sah aus wie Jesus auf dem Kreuzgang. 😀 Alle diensthabenden Kameraden dieser Nachtschicht schilderten einstimmig die ‚tatkräftige Gegenwehr gegen polizeiliche Maßnahmen‘ durch den Festgenommenen! :) Herrliche Zeiten, heute undenkbar.“

 

Aber auch mit dem eigenen Landesverband der NPD geht „Saxus“ hart ins Gericht. So schrieb er den Angaben zufolge

„Wer wirklich Verantwortung fürs Vaterland in den Reihen der NPD tragen will, der muss schleimen, anderen zu Munde reden und darf niemanden in der Führung kritisieren!“ Wem dies nicht gelingt, der landet bei der Aufstellung der KandidatInnen zur sächsischen Landtagswahl 2009 auf Listenplatz 25 und sieht „im internen Parteigeschehen keinen Unterschied zu den Systemparteien“.

Dabei bezieht sich „Saxus“ explizit auf den NPD-Landesverband Sachsen:

„Ich sprach auch nicht vom ‚Rest‘ oder von anderen KV’s. Sondern von Dem, was sich so alles in unserem und angrenzendem LV darbietet. Für mich kann daher die Pertei unter der jetzigen ‚Führung‘ keine führende Rolle in nationalen Kampf einnehmen- auch wenn sie diesen so gern für sich in Anspruch nimmt. :D“

Zynisch und herablassend spottet er über „seine“ NPD:

„Der schlimmste Schlag, der uns passieren könnte, wäre bei einer Wahl z.Bsp 30-35% zu erreichen, oder gar ‚die Macht zu übernehmen‘! Weil derzeit unsere Personalsubstanz so erschreckend kläglich ist, das wir die Positionen mit fähigen und erfahrenen/gestählten Kameradeinnen oder Kameraden nicht annähernd besetzen könnten. Es käme zu einer einzigartigen, nationalen Lachnummer!“

Dennoch empfiehlt „Saxus“ ein harmloses Profil vorzutäuschen und die Demokratie von innen heraus zu zerstören:

„Den rechten Arm zur Sonne ist schön, aber im Volke unangebracht. Lernen wir, die ‚Demokratie‘ für uns zu nutzen! Wir haben nicht die Möglichkeiten der Kampfjahre, wir müssen uns den heute gegebenen Umständen anpassen und sie für uns nutzen. Und dazu gehört es, ‚Wolf im Schafspelz‘ zu sein.“

Der Neonazi bezieht sich damit auf eine vom späteren Propagandaminister Joseph Goebbels am 30. April 1928 in der Zeitung „Der Angriff“ formulierte Strategie: „Wir gehen in den Reichstag hinein, um uns im Waffenarsenal der Demokratie mit deren eigenen Waffen zu versorgen. […] Wir kommen als Feinde! Wie der Wolf in eine Schafherde einbricht, so kommen wir.“

„Saxus“ leugnet im „Nationalsozialisten Privatforum“ wiederholt den Holocaust. Am 31. Oktober 2008 bemerkt er den Angaben der Antifa Freiburg zufolge:

„Für mich ist der Holocaust existent – der Bombenholocaust von Dresden!“

Am 6. November 2008 schreibt er:

„Fragen, die sich kritisch auf den Holowitz beziehen, werden mit an Frechheit grenzender Selbstherrlichkeit durch ‚unsere Kanzlerin‘ abgeschmettert und sie formuliert es so, das es als Dogma für unser gesamtes Volk zu gelten hat. […] Aber leider lesen die Wenigsten in unserem Volk ‚zwischen den Zeilen‘, dann könnten sie die Lügen erkennen und eventuell entsprechend handeln! Was sagte Beispielgebend ein Werbeplakat der Lea Rosh aus: ‚Den Holocaust hat es nicht gegeben…‘!“

Und am 23. August 2010 empfiehlt F. sarkastisch: „glaube weiter an die Erde als Scheibe und renne weiter dem Lügengespinst HOLO hinterher. Und immer schön dran denken: stets bereit zur Betroffenheit! :):):)“ Die Antifa Freiburg listete zahlreiche weitere antisemitische Aussagen des NPD-Abgeordneten auf.

Doch nicht nur auf thiazi.net leugnete F. demnach den Holocaust. Auf nationales-netz.com, wo er und seine engsten MitschreiberInnen mit den gleichen Pseudonymen wie auf thiazi.net angemeldet sind, schreibt er am 16. August 2010:

„Wenn Du guterlernter Holowitzgläubiger mal nur die ‚Zeugenaussagen‘ richtig lesen würdest, dann müsstest Du selbst auf die Lügen stoßen. […] Denk mal darüber nach, warum der ‚Holo‘ so sehr seit 65 Jahren dem Volk vorgebetet wird- weil er die beste Geldanlage für die Juden ist!“

Im Kreistag hingegen zeigt sich der NPDler laut taz weniger engagiert. „Er hat keine Anträge gestellt und auch keine schriftlichen Anfragen an die Verwaltung“, sagte ein Landratssprecher dem Blatt. „Er ist eine typisch graubraune Maus“, kommentierte Kerstin Köditz von der sächsischen Landtagsfraktion Die Linke gegenüber dem Blatt. Köditz zeigte sich wenig vom „Doppelgesicht“ des NPDlers überrascht. In der NPD gäben sich viele „bieder, haben aber das Feuerzeug zum Zündeln schon in der Hand“.

Siehe auch: “Die aggressiv-kämpferische Haltung der NPD ist offensichtlich”, Serie von Brandanschlägen in Sachsen

7 thoughts on “NPDler schreibt Klartext: „Den rechten Arm zur Sonne“

Comments are closed.