CDU bestätigt: Rechtsextremer Referent in Weikersheim

Das CDU-nahe Studienzentrum Weikersheim hat wie berichtet erneut einen rechtsextremistischen Referenten zu einer Veranstaltung geladen. Auf Antrag des SPD-Landtagsabgeordneten Stephan Braun musste die Landesregierung bestätigen, dass der Russe Wjatscheslaw Daschitschew auf einer Veranstaltung der Einrichtung Anfang November referieren soll. Laut Auskunft der baden-württembergischer Landesregierung ist Daschitschew Vorstandsmitglied der rechtsextremistischen „Stiftung Kontinent Europa“. Der Hamburger Verfassungsschutz hatte Daschitschew als eine internationale Größe des Rechtsextremismus eingestuft.

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Daschitschew ließ sich 2006 von der „Gesellschaft für freie Publizistik“ und ihrem damaligen Vorsitzenden, den zu diesem Zeitpunkt hochrangigen NPD-Funktionär Andreas Molau, mit der „Ulrich-von-Hutten-Medaille“ auszeichnen. Die GfP wurde 1960 von ehemaligen Angehörigen der NSDAP und der SS gegründet.

Braun kommentierte: „Das CDU-nahe Studienzentrum Weikersheim hat nichts aus vergangenen Skandalen gelernt und verweigert nach wie vor eine klare Abgrenzung zum Rechtsextremismus, indem es noch nicht einmal vor der Zusammenarbeit mit einem international bekannten Rechtsextremisten zurückschreckt.“ Daschitschew unterhalte ein enges Verhältnis zur rechtsextremen Deutschen Volksunion (DVU) und sei mehrfach, zuletzt beim Jahreskongress 2004, bei der „Gesellschaft für freie Publizistik (GfP)“, räumt die Landesregierung in der Antwort ein. Die von ehemaligen NSDAP-Funktionären und SS-Offizieren gegründete GfP wird im aktuellen baden-württembergischen Verfassungsschutzbericht als „mitgliederstärkste rechtsextremistische Kulturvereinigung in Deutschland“ beschrieben.

„Die CDU sucht ihr konservatives Profil. Ist es etwa das, was sie damit meint?“, fragte Braun. Die CDU, allen voran ihr Landesvorsitzender Stefan Mappus, müsse nun ein klares Zeichen setzen und sich glaubhaft vom Studienzentrum Weikersheim distanzieren, forderte Braun. Schließlich sei die CDU mit zahlreichen aktuellen Präsidiumsmitgliedern im Studienzentrum Weikersheim vertreten. „Die CDU muss Konsequenzen ziehen. Ich halte einen Unvereinbarkeitsbeschluss zwischen CDU-Mitgliedschaft und Mitgliedschaft im Studienzentrum Weikersheim für unabdingbar“, so der Abgeordnete abschließend.

Das Studienzentrum wies Brauns Kritik zurück. Präsident Bernhard von Diemer sagte laut SWR, der Referent habe einmal in einem rechtsextremen Umfeld einen Vortrag gehalten. Dies sei unbestritten. Im November solle er über den Ablauf der Wiedervereinigung aus russischer Sicht berichten. Daschitschew habe bereits im Frühjahr 1989 einen Vortrag bei dem Studienzentrum gehalten.

Siehe auch:  “Dem Konservatismus fehlt es an klugen Denkern”, Getrennt marschieren oder den rechten Flügel stärken?

8 thoughts on “CDU bestätigt: Rechtsextremer Referent in Weikersheim

  1. Der Artikel scheint mir etwas unausgewogen zu sein. Immerhin war er Gastprofessor an der Universität Mannheim, der LMU München und der FU Berlin, er scheint also durchaus über enorme wissenschaftliche Kompetenzen zu verfügen. Abgesehen davon scheinen seine Einschätzungen zum Thema Wiedervereinigung ohnehin sehr gefragt gewesen zu sein. Hier ein Artikel dazu:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Wjatscheslaw_Iwanowitsch_Daschitschew

    Sicherlich kann man das Wirken des Mannes in Weikersheim, auf Grund seines politischen Engagements, ablehnen. Nur sollte man in einem Artikel auch darauf achten, dass relevante Daten die zur Meinungsbildung beitragen mitgeliefert werden. Vielleicht wäre es auch sinnvoll gewesen, die andere Seite etwas mehr zu Wort kommen zu lassen – oder wollte sich das Studienzentrum nicht weiter dazu äußern?

  2. Allmählich macht sich der NPD-Blog lächerlich. Dass auch die Presse auf Stephan Braun hereinfällt macht das nicht besser.

    Nachfolgend ein paar Informationen über den bösen, bösen Russen (jeweils mit Quellenangabe im Internet):

    Wjatscheslaw Iwanowitsch Daschitschew (russ. Вячеслав Иванович Дашичев; * 9. Februar 1925 in Moskau) ist ein russischer Politologe und Historiker.
    Daschitschew nahm 1943-45 am an der 4. Ukrainische Front als Erkundungsoffizier am Zweiten Weltkrieg teil. 1945-49 studierte er an der Lomonossow-Universität Neuere Geschichte und lehrte zugleich an der Militärakademie „M.W. Frunse“. Bis 1953 studierte er um dann bis 1959 als Editor der Abteilung für ausländische Militärtheorie des Magazins Militärwissenschaft zu arbeiten. 1959-1968 leitete er die Abteilung Ausländische Militärgeschichte des Militärhistorischen Magazins.
    1973 als Historiker promoviert, leitete er bis 1990 die Abteilung für außenpolitische Probleme am Institut für internationale wirtschaftliche und politische Studien (ИЭМСС) der Russischen Akademie der Wissenschaften. Zu Beginn der Perestroika war er auch Professor der Diplomatischen Akademie des sowjetischen Außenministeriums. Er fungierte für Michail Sergejewitsch Gorbatschow als außenpolitischer Berater und galt als Wegbereiter von Ost-West-Entspannung, der Deutschen Einheit und ganz allgemein für Menschenrechte, Demokratie und Marktwirtschaft.
    1991 lehrte er als Gastprofessor an der FU Berlin, 1992 an der Ludwig-Maximilians-Universität München und 1996 an der Universität Mannheim. Mit dem Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien wurden zu dieser Zeit Pläne wirtschaftlicher Zusammenarbeit für Kaliningrad entwickelt. 1995 erhielt er den Friedrich Joseph Haass-Preis zur deutsch-russischen Verständigung. 1998 kehrte er nach Russland zurück und arbeitete bis 2006 am Zentrum für internationale ökonomische und politische Studien des Institutes für Wirtschaft der Russischen Akademie der Wissenschaften.
    Daschitschews Beitrag zur deutschen Wiedervereinigung und zur Beendigung des Kalten Krieges wurde von Gorbatschows Hauptberater, Anatolij Tschernjajew, 1999 so bewertet:
    „Aus der Vielzahl der wissenschaftlichen Quellen, die Gorbatschow zur Information über die deutschen Angelegenheiten und auch über die des ,sozialistischen Lagers‘ dienten, wären die analytischen Notizen von Wjatscheslaw Daschitschew zu nennen. Seine Einschätzungen der Vorgänge in Deutschland und seine Empfehlungen wiesen – im Gegensatz zur Mehrheit der anderen – in die richtige Richtung.“
    Daschitschew hat dem Verleger Gerhard Frey (DVU) einige Interviews gegeben und publizierte Artikel in der Nationalzeitung. Er ist Vorstandsmitglied der Stiftung Kontinent Europa und diskutierte in der Körber-Stiftung. Nach einem wegen dieser Aktivitäten von der Zeitung „die tageszeitung“ im Mai 2008 lancierten Artikel wurde Daschitschew als Referent vom Marinebund ausgeladen.

    Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Wjatscheslaw_Iwanowitsch_Daschitschew

    Über die Deutschen informiert ihn (Anmerkung: Gemeint ist Gorbatschow) ein anderer seiner Schüler, Professor Wjatscheslaw Daschitschew. Der hörte auf einem Seminar im schwäbischen Schloß Weikersheim am 27. Mai die Beschwerde, wenn es kein neues Versailles geben solle, müsse Moskau den US-Standpunkt einer vollen Souveränität für Deutschland übernehmen.
    Daschitschew notierte sich die Formel, die sich Gorbatschow dann zu eigen machte: „Das vereinigte Deutschland wird in eigener, souveräner Entscheidung darüber befinden, ob und welchem Bündnis es angehört.“

    Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13507185.html

    „Immerhin hat Gorbatschow in seinem Geleitwort von dem „intellektuellen Anteil“ des Verfassers an der Wende gesprochen und Hans-Dietrich Genscher davon, daß der „unabhängige Denker“ Wjatscheslaw Daschitschew als „mitagierender Berater“ (ohne freilich eine solche Stellung offiziell im Apparat bekleidet zu haben) früh die verderbliche Entwicklung seines Landes klarer erkannt hätte als andere. (…) Daschitschew, der Einzelgänger, ein Freund der Deutschen, zählt zu den wenigen ebenso couragierten wie unermüdlichen „Rufern in der Wüste“, die ungeachtet von Rückschlägen und Pressionen unbeirrbar an ihrem Ziel festgehalten haben, nämlich im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles zu tun, um mitzuhelfen, das sowjetkommunistische totalitäre System in ihrem Lande durch eine Herrschaft des Rechts und der Freiheit zu ersetzen, zugleich die maßlose messianistische Hegemonialpolitik der alten Nomenklatura friedlich zu überwinden und Weichen für die Einheit Deutschlands zu stellen.“

    FAZ, Volltext abrufbar unter: http://www.buecher.de/shop/berichte–erinnerungen/moskaus-griff-nach-der-weltmacht/daschitschew-wjatscheslaw/products_products/content/prod_id/10941962/#faz

  3. „Es ist bekannt, wie die transatlantischen und englischen
    Finanzeliten Hitler finanzierten, um im kontinentalen Europa Gegensätze und Kriege zu schüren. Und sie erreichten ihr Ziel.“
    (Wjatscheslaw Daschitschew)

    Schon erstaunlich, wer „dank“ der russischen Wende-Wirren deutschen Politikern die Hand schütteln konnte und anschließend für Aussagen „gefeiert“ wurde, die jeder drittklassige Diplomat zur Wiedervereinigung hätte treffen können. – Nur dass eben Diplomaten ansonsten nicht in den Kreisen von Herrn Daschitschew verkehren, wo dann vollkommen andere Reden geschwungen werden …

    Näheres zu Daschitschew`s „Wirken“ und seinem eigentlichen Umfeld:

    http://www.tribuene-verlag.de/T195_Maegerle_Achse_Berlin-Moskau.pdf
    http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2008/05/14/distanzprobleme-zu-rechtsextremen_306
    http://books.google.de/books?id=gTYRWkZ_-r0C&pg=PA465&lpg=PA465&dq=wjatscheslaw+daschitschew&source=bl&ots=xEQnHxJen-&sig=PYfN-l7FCUfD30nqJA_4e5T1O_s&hl=de&ei=cg24TKWUPNGRswabltSpDQ&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=3&ved=0CCQQ6AEwAjgU#v=onepage&q=wjatscheslaw%20daschitschew&f=false
    http://www.gew-hamburg.de/hlz/0606/tamm.htm

    Der „arme mißverstandene“ ältere Herr hat einfach immer nur „Pech“ und verirrt sich quasi nach Rechts, daher hat er schon 2008 nicht verstanden, was der VS eigentlich hinsichtlich eines Vortrages bei der „Staats- und Wirtschaftspolitischen Gesellschaft e.V.“ von ihm wollte … „natürlich“ wieder via, Zitat: „aufgehetzter Medienlandschaft“. – Erstaunlich, dass der VS einmal (lobenswerter Weise) „das Maul“ aufbekommen hat. *lol* 😉

    Und Weikersheim … was soll`s. – Weiß` doch eh` jeder: Referenten von Horst Mahler bis Jörg Schönbohm. – Und alle „engagieren“ sich gegen die „Auswüchse der p.c.“, daher hat sich ja Schönbohm in Weikersheim auch schützend vor Jenninger gestellt, der ein „Opfer“ der politischen Korrektheit gewesen sei und „…ein Lied davon singen“ könne …

  4. Wenn wirklich alles so harmlos ist und das SZW so unschuldig, wie hier in den Kommentaren getan wird, warum sind dann aktuell die ehemaligen Präsidenten Wolfgang Freiherr von Stetten und Prof. Bernhard Friedmann ausgetreten?
    Diese Info kam gestern direkt aus dem aktuellen Präsidium des SZW.
    Weiterhin haben bereits in den letzten Wochen viele Mitglieder fluchtartig den Verein verlassen und viele weitere werden sicher noch folgen.

  5. @Axel Mylius

    „Weiß` doch eh` jeder: Referenten von Horst Mahler bis Jörg Schönbohm.“

    genau das ist das Problem! Sie nehmen Lügen unreflektiert auf und verbreiten diese ungeniert weiter.

    Horst Mahler war niemals als Referent bei Weikersheim. Was Stephan Braun immer anführt ist, dass Mahler bei einer privaten GeburtstagsfeierMahler war damals noch als Journalist für namhafte Zeitungen (u.a. die Süddeutsche) tätig. Zu der Geburtstagsfeier erschien er in Begleitung des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenden und späteren Bundeskanzlers Gerhard Schröder mit dem er (damals) eng befreundet war und der auch als Anwalt für ihn tätig war.

    „Weiß doch eh jeder“ – oder eben gerade nicht!

  6. @Thorsten

    Das ist ja dann sehr löblich für die „SZ“ und Herrn Schröder … das mit Herrn Mahler …

    Da werde ich mich ja wohl Endschuldigen müssen, oder?

    p.s. war Herr Mahler „damals“ NOCH als RAF-Anhänger, ODER schon als Berufsantisemit „überall“ gern gesehen? *ganz doll lieb` frag`* 😉

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