Verein ohne Kapital spendet 150.000 Euro an die NPD

Mehr als 150.000 Euro hat der „Verein zur Pflege nationaler Politik“ der NPD als Spende zukommen lassen. Ein bemerkenswerter Vorgang, denn vor dem Hintergrund einer drohenden Strafzahlung in Höhe von 1,27 Mio. Euro an die Bundestagsverwaltung wegen eines falschen Rechenschaftsberichts soll die NPD im Mai 2009 laut Spiegel versucht haben, “das knappe Restgeld der Partei in Sicherheit zu bringen.” Mutmaßlicher Empfänger: Der “Verein zur Pflege nationaler Politik”. Der ist unter der Adresse eines gewissen Rolf Kossiek zu erreichen. Kossiek wiederum ist laut Wikipedia ein deutscher Publizist, Politiker der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) und Multifunktionär des rechtsextremen Spektrums. Eines seiner Pseudonyme ist demnach „Rudolf Künast“. Weiter heißt es:

Rolf Kosiek gehört dem Führungskreis der im Jahr 2000 von bekannten Rechtsextremisten gegründeten „Deutschen Studiengemeinschaft“ (DSG) an. Vorsitzender der mit der DSG eng vernetzten Gesellschaft für freie Publizistik (GfP), die nach Einschätzung des Bundesamtes für Verfassungsschutz „die mitgliederstärkste rechtsextremistische Kulturvereinigung in Deutschland“ ist, war er von 1991 bis 2005. Seit 2005 ist er stellvertretender GfP-Vorsitzender.

Im „Grabert/Hohenrain-Verlag“ ist er als Lektor und im Vertrieb tätig. Er setzt sich seit 2006 für die rechtsextreme NPD-Denkfabrik Dresdner Schule ein, die sich in Abgrenzung zur Frankfurter Schule um Max Horkheimer und Theodor W. Adorno versteht und „den Multikulturalisten und Umvolkern den politischen Kampf ansagt“.

Er ist Vorstandsmitglied des von Walter Staffa geführten „Deutschen Seminars“ und seit 2001 Vorsitzender des „Deutschen Kreises von 1972“, der in der Druckschrift „Rechtsextremismus“ des baden-württembergischen Landesamts für Verfassungsschutz als Vereinigung rechtsextremistischer Bestrebungen aufgeführt ist[1]. Beide Vereinigungen haben ihren Sitz in Nürtingen. Er ist im Beirat der rassistischen, von Jürgen Rieger geführten Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung (GbfAEV), ist Mitglied des „Witikobundes“, des „Aktionskreises des Witikobundes“ (Sitz: Nürtingen), ist aktiv tätig im revisionistischen Verein Kultur und Zeitgeschichte – Archiv der Zeit.

Kosiek war von 1968 bis 1972 Landtagsabgeordneter der NPD in Baden-Württemberg, ab 1968 bis 1973 für die NPD Mitglied des Gemeinderats von Heidelberg, von 1973 an im NPD-Bundesvorstand und 1977 stellvertretender NPD-Vorsitzender in Baden-Württemberg. Kosiek galt als einer der Chefideologen der Partei. Seit Ende der 1970er Jahre hatte er enge Verbindungen zum Deutschen Kulturwerk Europäischen Geistes (DKEG), bei dem er mehrfach als Referent auftrat.

Als Referent trat Kosiek für den Verein Dichterstein Offenhausen, die Deutsche Liga für Volk und Heimat und beim Schutzbund für das deutsche Volk auf. Kosiek arbeitet eng mit Walter Staffa und anderen Repräsentanten der DSG sowie mit den anderen Vorstandsmitgliedern der GfP zusammen und hat immer noch große Bedeutung als Stratege und Ideologe der NPD und ähnlicher Gruppierungen.

Offensichtlich handelt es sich bei dem Verein, der nun die Großspende an die NPD überwies, also um einen Verein, der äußerst enge Kontakte zur NPD hat. Zudem hat der 1972 gegründte Verein, welcher nun mehr als 150.000 Euro locker machen konnte, laut einer aktuellen Registerauskunft ein Kapital von 0 Euro. Der Verdacht des Spiegel, die NPD habe bei dem Verein Geld in Sicherheit gebracht, scheint also naheliegend.

Siehe auch: NPD streicht 150.000-Euro-Spende ein