Spuk vorbei: Auch NPD-Hotel in Aachen war ein Bluff

Wie bereits vermutet scheint sich auch der Immobilien-Deal der NPD in Aachen als Bluff herauszustellen. Die Aachener Nachrichten berichten, eine regionale Neonazigruppe habe aus dem Nähkästchen geplaudert. NPD-Kreischef Willibert Kunkel habe den Deal vorgetäuscht, heißt es. Er hätte Provision einstreichen können, wenn die Stadt einen überhöhten Preis gezahlt hätte, um das NPD-Hotel zu verhindern. Eine Masche, welche schon bei zahlreichen anderen Projekten vermutet wurde.

Von Patrick Gensing

Dieses Hotel wollte die NPD in Aachen angeblich kaufen. Viele Beobachter hatten schnell einen Bluff vermutet.
Dieses Hotel wollte die NPD in Aachen angeblich kaufen. Viele Beobachter hatten schnell einen Bluff vermutet.

Hintergrund der Äußerungen aus der Kameradschaftsszene über das angebliche Immobilienprojekt dürfte ein tiefes Zerwürfnis innerhalb der Neonazi-Szene in NRW sein. Schon nach der Wiederwahl des Landeschefs Cremer hatten Neonazis geätzt, die Abkürzung für den Landesvorsitzenden (Lavo) stehe für Landesvollpfosten. Nun war es laut Aachener Nachrichten die Neonazi-Bande „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL), die verbreitet, dass der Hoteldeal vorgetäuscht sei. Man selbst habe Kunkel dabei geholfen, den Bluff als wahr darzustellen. Freilich könne und wolle Kunkel das Hotel nicht kaufen. Der Stolberger habe «bloß einen Handel mit dem Hotelbesitzer gemacht. Beide hoffen darauf, dass die Stadt Aachen oder private Käufer einen viel höheren Preis für das Hotel bezahlen, als es eigentlich wert ist,» so die KAL. Kunkel und der KAL seien wegen ihrer Mühen nach erfolgreichem Verkauf Provisionen in Aussicht gestellt worden.

Kunkel hatte im Mai 2010 behauptet, das am Bahnhof gelegene Hotel kaufen zu wollen, um dort Schulungen durchzuführen. Später hieß es lat Aachener Nachrichten, ausländische Investoren wollten das Haus zwecks „Vernetzung mit Nationalisten aus dem europäischen Ausland“ fördern.

Spuk vorbei

Ein Sprecher der Stadt sagte dem Blatt, einen „Verdacht in diese Richtung hatte die Stadt von Anfang an. Wenn es stimmt, was man auf der Homepage der KAL lesen kann, dann hat sich dieser Verdacht jetzt bestätigt.“ Die Stadt selbst hätte überdies das Hotel nie gekauft. Man hätte „allerdings alle rechtlich zur Verfügung stehenden Mittel eingesetzt, um das zu verhindern, was angeblich dort geplant war. Es ist gut, wenn der Spuk nun vorbei ist“, so der Sprecher.

Ohnehin war selbst dieser offensichtliche Bluff amateurhaft eingefädelt. Auffallend war beispielsweise, dass der stellvertretende Vorsitzende der Bundes-NPD, Frank Schwerdt, am 13. Mai dem Portal tagesschau.de sagte, er habe erst durch dessen Recherchen von dem angekündigten Kauf in Aachen erfahren. Kunkel selbst will schon Anfang Mai „den Landesverbänden“ seine Pläne vorgestellt haben, „um die Finanzierung zu sichern“. Schwerdt ist nicht nur Vizechef der NPD, sondern auch NPD-Landeschef in Thüringen und müsste Kunkels Vorhaben daher eigentlich gekannt haben.

Siehe auch: Alle Meldungen aus der Rubrik ImmobilienHotel-Pläne der NPD: Schlechte AbsprachenNPD will mal wieder ein Hotel kaufen