Neonazi-Kader wegen Angriffs auf Schüler verurteilt

Zwei einschlägig vorbestrafte Neonazis aus dem Raum Hannover sind am 28. September 2010 zu mehrmonatigen Haftstrafen verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die beiden jungen Männer gemeinschaftlich in einer größeren Gruppe von Neonazis in der Nacht zum Neujahr dieses Jahres in der U-Bahnstation Kröpcke einen Schüler angegriffen und verletzt haben. Passanten hatten Schlimmeres verhindert.

Von monitorex

So hatte sich der betroffene Gymnasiast den Jahreswechsel nicht vorgestellt: Das neue Jahr hatte gerade begonnen, und der Jugendliche befand sich in der U-Bahn auf dem Weg zu einer Sylvesterparty in einem Jugendzentrum. Beim Umstieg in der U-Bahnstation Kröpcke kreuzte sein Weg zufällig eine größere Gruppe von Neonazis, die ihn als politischen Gegner identifizierten und ihn sogleich als „Antifa-Zecke“ beschimpften. Er wurde von den Neonazis umringt und aus der Gruppe heraus angegriffen. Der jüngere der beiden Angeklagten, der Neonazi Christian W., ging dabei besonders aggressiv vor. Er schlug dem Schüler mit der Faust mehrfach mitten ins Gesicht, woraus nicht nur Verletzungen resultierten, sondern auch dessen Brille beschädigt wurde.

Weitere Schläge gegen den Kopf folgten von anderen der Gruppe. Dem Schüler gelang es, sich in Panik aus der Mitte der Angreifer zu befreien und in eine wartende Straßenbahn auf einem anderen U-Bahnsteig zu fliehen. Die Gruppe der angreifenden Rechtsradikalen verfolgten den flüchtenden Schüler jedoch. Mindestens drei von ihnen, darunter auch der Angeklagte Christian W., drangen bei ihrer Verfolgungsjagd sogar noch in die Straßenbahn ein, um ihrem Opfer erneut habhaft zu werden.

„Ungebremste Aggressivität“

Der Kröpcke in Hannover (Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/User:Heidas)
Der Kröpcke in Hannover (Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/User:Heidas)

Mehrere Zeugen schilderten in der Verhandlung diesen weiteren Angriff: Nachdem sich die Neonazis Zutritt in die Straßenbahn verschafft hatten, ging Christian W. erneut auf den bereits verletzten Schüler los und schlug ihn nochmals mehrfach ins Gesicht. Eine schockierte Zeugin beschrieb das als völlig ungebremste Aggressivität, die sie bis dato noch nicht erlebt habe.

Dem couragierten Einschreiten mehrerer Zeugen war es zu verdanken, dass hier nicht noch Schlimmeres geschah. Es gelang einigen Fahrgästen, Christian W. aus der Straßenbahn heraus zu drängen und ihm die Tür zu versperren. Doch auch jetzt hatte der Neonazi noch nicht genug: Erneut versuchte er an den Helfern vorbei in die Bahn einzudringen, die das jedoch verhindern konnten. Dabei redete er auf die couragierten Fahrgäste ein und versuchte seine Tat sogar noch zu rechtfertigen. Er forderte die Zeugen auf ihn gewähren zu lassen und begründete seinen Angriff mit der politischen Einstellung des Schülers, der durch seine politische Haltung Deutschland diffamieren würde.

Beide Täter einschlägig bekannt

Das Gericht folgte den Schilderungen der Zeugen und des Betroffenen und verhängte aufgrund gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung mehrmonatige Freiheitsstrafen. Der Haupttäter Christian W. wurde als Heranwachsender zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt, die jedoch auf Bewährung ausgesetzt wird, zuzüglich einer Geldstrafe von 800 Euro. Hier wurde vor allem der zweite Angriff als vorsätzlich und damit als schwerwiegend bewertet.

Dem anderen Angeklagten, Patrick H., konnten zwar keine direkten Schläge zugeordnet werden, das Gericht sah es aber erwiesen an, dass er Teil der angreifenden Gruppe war und damit ebenso gemeinschaftlich gehandelt habe. Er bekam nach Erwachsenenstrafrecht acht Monate Freiheitstrafe, die dem bereits mehrfach vorbestraften Neonazi jedoch nicht zur Bewährung ausgesetzt werden konnte, da er noch unter der Bewährungsfrist eines anderen Körperverletzungsdelikts stand. Die Urteile sind jedoch noch nicht rechtskräftig.

Aktive Neonazi-Kader

Beide Täter sind bekannte Aktivisten der hannoverschen Neonazi-Szene und einschlägig wegen Körperverletzungsdelikten vorbestraft. Sie verkehren regelmäßig auf Aufmärschen und anderen Versammlungen der Naziszene. Christian W. gilt als einer der Anführer der Nazi-Kameradschaft „Freie Kräfte Hannover Umland“, Patrick H. wird der Kameradschaftsstruktur „besseres Hannover“ zugordnet, die eng mit der hannoverschen NPD verbunden ist. Gegen Christian W. wurden in den vergangenen Monaten mehrere Urteile gesprochen, darunter auch zu Körperverletzungsdelikten mit rechtsextremem Tathintergrund, die jedoch wegen eingelegten Widersprüchen noch nicht rechtskräftig sind.

Patrick H. musste sich nur einen Tag zuvor ebenfalls am Amtsgericht Neustadt wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verantworten. Ihm wurde vorgeworfen, auf einer Party ein Hakenkreuz-Tattoo auf seinem Rücken zur Schau gestellt zu haben. Auch hier das Urteil noch nicht rechtskräftig.

Ermittlungspanne bei der Polizei

Obwohl die Tat in der Nacht zu Neujahr mitten in der U-Bahnstation Kröpcke (dem Hauptnahverkehrsknotenpunkt Hannovers) passierte, waren Videoaufzeichnungen als Beweise nicht Gegenstand der Verhandlung. Auf Nachfrage beim Anwalt des betroffenen Schülers stellte sich heraus, dass die Polizei diese nicht gesichert hatte. Nach Angaben des Anwalts hätten die Gewalttat und die anschließende Hetzjagd von sieben bis acht Videokameras aufgezeichnet werden müssen. Sowohl der Schüler wies noch in der Nacht beim Stellen der Strafanzeige auf die Videoüberwachung hin, als auch sein Vater, der am Neujahrstag mit der Polizei telefonierte. Doch trotz der mehrfachen Hinweise wurde die Sicherung der Videoaufzeichnungen der hannoverschen Verkehrsbetriebe durch die Polizei nicht veranlasst.

Damit ist es den aufmerksamen und couragierten Zeugen in der Straßenbahn nicht nur zu verdanken, dass nicht noch Schlimmeres passierte, sondern auch, dass der Haupttäter Christian W. zweifelsfrei identifiziert werden konnte.

3 thoughts on “Neonazi-Kader wegen Angriffs auf Schüler verurteilt

  1. Mein damals 24 mal vorbestrafter Frustschläger wurde nicht einmal angeklagt, für die nachhaltigen Verletzungen, wegen derer ich heute völlig erwerbsunfähig bin. Verurteilt wurde ich, für meine instinktive und reflexartige Notwehr gegen den 95 kilo Intensivtäter. Ich (60 kilo) war niemals vorbestraft, beim 4. Angriff innerhalb von 20 Stunden bereits wehrlos geschlagen.
    Auch hier hat die Polizei die wahrheitsgemäße Ermittlung sabotiert. So die Knastärztin, welche jegliche Diagnosebehandlung zur Beweisführung meiner Wehrlosigkeit, verweigert hatte.
    Zeugen wurden nicht vernommen, Alkoholwerte vom Frustschläger wurden nicht festgehalten/genommen. Tatortaugenschein wurde verweigert.
    Durch Straf- und Zivilverfahren. Obwohl ich mittlerweile die Akte habe, die meine Unschuld 100%ig beweist – habe ich keinen Weg mehr, mich zu rehabilitieren.

    Wenn Sie helmuitkarsten googeln, nehmen Sie sich Zeit. Übrigens, ich bin niemals vorbestraft gewesen, 47 jahre alt und habe zwei deutsche Eltern Auch die Rubrik „Folterzelle 222“ ist interessant.

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