Fahrende Gesellen: Kontakte ins rechtsradikale Milieu

Am 23. September 2010 hat ein Termin vor dem Landgericht Berlin stattgefunden. Kläger waren „Die Fahrenden Gesellen – Bund für deutsches Leben und Wandern e.V.“ (FG). Diese hatten beanstandet, dass in einem Artikel geschrieben wurde, sie seien „verbandelt mit führenden Rechtsradikalen“ . Ein Europa der Vaterländer, eine Europäische Neuordnung werde propagiert, verschwiegen werde aber, dass diese Neuordnung unter Federführung der germanischen Heilsbringer und in den Grenzen von 1939 angedacht sei. Beklagte waren die Autorin des Beitrags, der Redakteur der Zeitschrift und der herausgebende „Verlag der Jugendbewegung“.

Der folgende Beitrag ist auf dem Blog „Rechte Jugendbünde“ erschienen und wird auf NPD-BLOG.INFO in Teilen dokumentiert, den gesamten Beitrag können Sie hier lesen. 

Die Bundeszeitschrift der Fahrenden Gesellen berichtet über das 100-jährige Jubiläum (Quelle: Archiv der Jugendbewegung)
Die Bundeszeitschrift der Fahrenden Gesellen berichtet über das 100-jährige Jubiläum (Quelle: Archiv der Jugendbewegung)

Die Fahrenden Gesellen wurden 1909 als Jugendorganisation für männliche Lehrlinge des völkisch-antisemitischen „Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbandes“ (DHV) gegründet. 2009 feierten sie ihr 100-jähriges Bestehen auf der hessischen Burg Ludwigstein. Schon früh wurde in das „Bundesgesetz“ ein „Arierparagraph“ aufgenommen, der festlegte, dass jüdische Menschen von der Mitgliedschaft ausgeschlossen waren. Heute besagt das Bundesgesetz, dass „jeder unbescholtene Deutsche“ Mitglied des Vereins werden könne. Auch sonst scheinen viele Traditionen innerhalb des Vereins, der sich selbst als „Lebensbund“ versteht, ungebrochen. 2008 schrieb ein Mitglied der FG in der Bundeszeitschrift:

„Nach dem ersten Weltkrieg (…) wurde nicht nur gewandert, sondern auch marschiert. Es galt, Körper und Geist zu stählen; wo sonst als auf Fahrt konnte das geübt werden! Das durch den Versailler „Vertrag“ gebeutelte und unterdrückte Volk und damit auch die Fahrenden Gesellen wollten wehrhaft bleiben. Natur und Fahrtenerlebnis dienten also auch in starkem Maße der Körpereertüchtigung, nicht nur der Erholung. Eigentlich wurde dieser Faden auch nach dem zweiten Weltkrieg aufgenommen.“

Ein anderer Autor schrieb 2004, der Blut-und-Boden-Schriftsteller Hans Grimm „war schon im Vorkriegsbund einer der von den FG bevorzugten Dichter, nicht nur wegen seines aufrüttelnden Buches ‚Volk ohne Raum’“.

Verbindungen der Fahrenden Gesellen zu extrem rechten Gruppierungen und Personen bestehen offenbar bis in die jüngste Vergangenheit. Bundesführer der FG war 2007 Peter B. aus Mössingen-Belsen. Ihm wurde 1994 in der Zeitschrift des rechtsextremen Witikobundes als Mitglied zu seinem 55. Geburtstag gratuliert. Auch wurde in einer Zeitschrift der Fahrenden Gesellen anlässlich des Todes des bekannten Holocaustleugners Werner Georg Haverbeck 1999 dieser „als dem Bund besonders verbunden“ geehrt.

Zeitschrift der Fahrenden Gesellen "Gau Rhein-Ruhr" mit einem Gedicht von Franz Peter Kürten, der seit 1932 der NSDAP angehörte und dort im Bereich der Organisation „Kraft durch Freude“ tätig war. (Quelle: Archiv der Jugendbewegung)
Zeitschrift der Fahrenden Gesellen "Gau Rhein-Ruhr" mit einem Gedicht von Franz Peter Kürten, der seit 1932 der NSDAP angehörte und dort im Bereich der Organisation „Kraft durch Freude“ tätig war. (Quelle: Archiv der Jugendbewegung)

Seine Witwe, Ursula Haverbeck-Wetzel, die nach dessen Tod die Leitung des 2008 verbotenen „Collegium Humanum“ übernahm, steht den Fahrenden Gesellen ebenfalls nahe. Nachdem sie sich in der Monatsschrift  des „Gau Rhein-Ruhr mit Gruppe Köln“ der FG „für die Worte der Anteilnahme und hilfreichen Spenden“ bedankte, wird Haverbeck über mehrere Jahre als regelmäßige Teilnehmerin und Referentin der zweimal jährlich stattfindenden Treffen eines „Überbündischen Kreises“ (ÜK) genannt. Im ÜK treffen sich seit Jahrzehnten Angehörige völkischer und dem Nationalsozialismus zugeneigter Vorkriegsbünde, wie den „Artamanen“ oder dem „Bund der Geusen“ mit den älteren Fahrenden Gesellen. […]

Kontakte der FG mit der „Heimattreuen Jugend“ sind bereits seit Beginn der 1990er Jahre belegbar. So heißt es in einer Ausgabe der Bundeszeitschrift von 1996, dass sich bereits seit drei Jahren „jährlich Sturmvogel, Freibund, Niedersächsische Volkstumsjugend, Die Heimattreue Jugend und die Fahrenden Gesellen“ treffen, „um sich in einem gemeinsamen Lager kennenzulernen, Kameradschaften zu schließen und Gedanken auszutauschen.“ Diese treffen wurden kontinuierlich forstgesetzt und um Tanztreffen ergänzt. Noch 2008 ist im Terminkalender der FG-Bundezeitschrift ein Tanztreffen aufgeführt, an dem nachweislich die HDJ teilgenommen hat. 

Taktieren vor Gericht

Für das aktuelle Urteil dürfte es auch eine Rolle gespielt haben, dass die Fahrenden Gesellen versucht hatten, die Argumentation der Beklagten anzugreifen, indem sogar Selbstverständliches in Frage gestellt wurde. So wurde zwischenzeitlich bestritten, dass das langjährige Vereinsemblem überhaupt den Fahrenden Gesellen zuzuordnen sei. Der Prozessvertreter der Beklagten, Rechtsanwalt Alexander Hoffmann hierzu:

„Die Kläger haben sich mit diesem Verhalten in bedenkliche Nähe zu einem versuchten Prozeßbetrug gegeben. Es fehlte nur noch, dass sie bestritten hätten, dass die Fahrenden Gesellen überhaupt existieren.“

Das Emblem war auf der Brusttasche eines Teilnehmers des „Treffens volkstreuer Verbände“ des rechtsextremen „Freundeskreises Ulrich von Hutten“ 1988 erkennbar gewesen. An dieser Veranstaltung hatten zahlreiche extremistische Personen und Organisationen aus dem gesamten Bundesgebiet teilgenommen, darunter Jürgen Rieger, die „Wiking-Jugend“ und die „Nationalistische Front“ (NF)

Fraglich ist, ob das Urteil rechtskräftig wird, oder ob das Kammergericht über eine Berufung zu entscheiden haben wird.

Anmerkung: Die „Fahrenden Gesellen“ bezeichnen die bislang veröffentlichten Berichte über Kontakte ins extrem rechte Milieu als eine Diffamierungs- bzw. Hetzkampagne von „zwei offensichtlich extrem linke[n] Autoren“. Der Verein schreibt auf seiner Homepage, er sei „gewerkschaftlich und parteipolitisch ungebunden und überkonfessionell“. Die Fahrenden Gesellen stehen demnach „ein für die Prinzipien der freiheitlichen Demokratie, die Grundrechte und für die Menschenwürde“.

Weitere Informationen zum Thema:

Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der PDS im Jahr 1995 zu einer Jugendtagung der Witikonen

Antwort der Bundesregierung auf eine SPD-Anfrage zur Organisation „Sturmvogel“

Rechte Jugendbünde über “Die Fahrenden Gesellen” und der “Deutsche Mädelwanderbund” 

3 thoughts on “Fahrende Gesellen: Kontakte ins rechtsradikale Milieu

  1. m.w. haben DHV & FG nicht nur früh sondern gleich bei ihrer Gründung in ihre Satzungen aufgenommen, dass Juden, Frauen und Sozialdemokraten nicht Mitglieder werden können …

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