Preußentag: NPD setzt auf Thema „Teilwiedervereinigung“

Ursprüngliches Wappen des Königreichs Preußen und der späteren Provinz Ostpreußen. (Quelle: David Liuzzo)
Ursprüngliches Wappen des Königreichs Preußen und der späteren Provinz Ostpreußen. (Quelle: David Liuzzo)

Die NPD versucht immer wieder, mehr oder weniger geschickt, sich als moderne Partei darzustellen – und sucht daher weiterhin nach den Themen, mit denen sich Wählerstimmen gewinnen lassen. Vermutlich gewinnen lassen, muss man schreiben. Zuletzt hatte die NPD – wahrscheinlich dem anstehenden 20. Jahrestag der Wiedervereinigung geschuldet – vermehrt auf das Thema „Teilwiedervereinigung“ gesetzt.

Von Patrick Gensing

Und auch der NPD-Landesverband Brandenburg schickt nun einen abgehalfterten Trakehner ins Rennen um die Gunst der Bürger, indem man am 02. Oktober 2010 den „ersten Preußentag“ plant. Die Veranstaltung werde unter dem Motto „Für eine echte Wiedervereinigung!“ stattfinden. „Wir wollen unseren Protest dagegen zum Ausdruck bringen, daß die Spaltung in den Köpfen der Deutschen in Ost und West von den Herrschenden systematisch aufrechterhalten wird“, so die NPD in gewohnt allgemein gehaltenen Verschwörungsformeln. Auch wolle man daran „erinnern, daß am 03. Oktober 1990 nur eine Teilwiedervereinigung stattgefunden hat, denn Schlesien, Pommern, Ostpreußen, Westpreußen, Böhmen, Mähren, das Sudetenland und Danzig befinden sich noch immer unter fremder Verwaltung.“ Nun, vergessen hat die NPD dabei auch noch Gebiete beispielsweise in Belgien oder Dänemark, welche einst zu Preußen gehörten.

Nur existiert Preußen aber gar nicht mehr – und das nicht erst seit gestern. Schon zu Beginn der NS-Zeit wurde der Staat entmachtet. Denn der nationalsozialistische Einheitsstaat schaltete alle Länder gleich. Das Gesetz über den Neuaufbau des Reichs vom 30. Januar 1934 und das Reichsstatthaltergesetz vom 30. Januar 1935 lösten Wikipedia zufolge die Länder zwar nicht formell auf, beraubten sie aber ihrer Eigenständigkeit. Die Landesregierungen wurden von Reichsstatthaltern kontrolliert, die vom Reichskanzler ernannt wurden. Parallel dazu erlangte die Einteilung in (Partei-)Gaue zunehmend Bedeutung, deren Gauleiter wiederum vom Führer und Reichskanzler ernannt wurden, der zugleich Parteichef der NSDAP war. In Preußen ging diese anti-föderalistische Politik noch weiter: Seit 1934 wurden nahezu all seine Landes- mit den entsprechenden Reichsministerien zusammengelegt. Nur das preußische Finanzministerium, die Archivverwaltung und wenige andere Landesbehörden blieben bis 1945 eigenständig. Reichsstatthalter für Preußen wurde formell Adolf Hitler selbst. Seine Funktionen wurden von Hermann Göring als preußischem Ministerpräsidenten ausgeübt. Nach der totalen Niederlage des Deutschen Reichs verfügte 1947 der Alliierte Kontrollrat der vier Besatzungsmächte in Deutschland die formelle Auflösung Preußens, das als Staat bereits mit dem Kriegsende 1945 de facto aufgehört hatte zu bestehen.

Der Neonazi Ralph Tegethoff (Foto: Marek Peters)
Der Neonazi Ralph Tegethoff (Foto: Marek Peters)

Im Jahr 2010 will also eine ostdeutsche Regionalpartei das Thema Preußen und weitere Wiedervereinigungen als Thema setzen. Dabei scheint vielen Bürgern bereits eine Wiedervereinigung gereicht zu haben. Damit dies nicht so bleibt, bietet die NPD ein „reichhaltiges Programm“. Als Redner werden aufgeboten: Ralph Tegethoff (Ex-Wiking-Jugend, Ex-FAP, Kameradschaftsaktivist, später auch NPD-Kader), Klaus Beier (NPD-Bundespressesprecher, Landeschef in Brandenburg, Ronny Zasowk (NPD-Kandidat in Cottbus bei der BTW 2009), Manuela Kokott (NPD- und RNF-Aktivistin) sowie „diverse nationale Musikgruppen“ – also ein ganz „buntes“ Programm…

Siehe auch: 60. Internationaler Menschenrechtstag: Sind “Volkstum und Kultur” die Grundlagen für die Würde des Menschen?,  

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12 thoughts on “Preußentag: NPD setzt auf Thema „Teilwiedervereinigung“

  1. @Quarktasche

    Bei dem “Mischmasch” aus Nockern und Razis (und hinsichtlich “NNN”) kann es natürlich auch eine sozialbedingte Phobie sein. *grööööl* 😉

  2. Hmmm… wie nützlich. Wer sagt denen, dass die Annexion Tschechiens und halb Polens letzten Endes auf 30 Millionen Ausländer in Deutschland hinausläuft?

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