Der Club der braunen Damen

Das Erscheinungsbild der Neonazi-Szene ist männlich geprägt. Frauen spielen in den Führungszirkeln kaum eine Rolle. Doch hinter den Kulissen sieht das anders aus. Zuletzt war die HNG-Voristzende Ursel Müller in den Schlagzeilen. Im Jahr 2009 wunderte sich die Öffentlichkeit über eine ältere Damen namens Ursula Haverbeck, die das „Collegium Humanum“ – ein Netzwerk von Holocaust-Leugnern – betreute. Und auch hinter der NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“ steht indirekt eine Frau, die öffentlich kaum bekannt ist. 
Von Patrick Gensing

Braune Witzbolde: "Adolf Hitler lebt!"
Braune Witzbolde: "Adolf Hitler lebt!"

Bei der NPD ist das Geld knapp – daher ist es für die Neonazi-Partei äußerst wichtig, finanzielle Mittel zu besorgen. Beispielsweise durch den Verkauf von Tonträgern im „nationalen Warenhaus“ der Deutschen Stimme. Hier wird dem braunen Nachwuchs aktuell die neue CD von „Gigis braunen Stadtmusikanten“ empfohlen. Titel: „Adolf Hitler lebt!“ Doch lustig wie die Neonazis heutzutage versuchen zu sein, soll es sich gar nicht um den Führer handeln, der lebt, sondern um „einen kleinen Bub aus New Jersey / USA (siehe CD-Titelbild) – was ihr aber auch wieder alle denkt!?!“ Welch ein Schenkelklopfer. Mit solch billigen Zweideutigkeiten lässt sich aber offenbar durchaus Geld verdienen, so dass der Deutsche-Stimme-Versand für die Partei eine wichtige Einnahmequelle darstellt.

Eine Gesellschafterin der Deutschen Stimme ist dabei bislang kaum in Erscheinung getreten. Es handelt sich dabei um die Steuerberaterin Nathalie Müller aus Baden-Württemberg. Vom Stammkapital der 1986 gegründeten Deutschen Stimme GmbH hält sie den Großteil, (Stand April 2010). Die restlichen Anteile, welche deutlich kleiner ausfallen, liegen beim NPD-Parteivorstand. Die „Deutsche Stimme“ erwirtschaftete in den vergangenen Jahren rund 1,4 Millionen Euro Umsatz. Die GmbH verfügt über ein Betriebsanwesen in Riesa, welches mit einem Verkehrswert von 420.000 Euro angegeben wird.

Nathalie Müller hatte nach dem Tod von Eberhardt Müller im November 2009 offenbar dessen Anteile übernommen. Eberhardt Müller hatte an den Rechenschaftsberichte der NPD für die Jahre 1997 bis 2004 mitgewirkt – also auch mit dem mittlerweile verurteilten Erwin Kemna zusammengearbeitet. Kemna sitzt im Knast – wegen Untreue, Müller verstarb im Mai 2009. Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft Münster laut einem Bericht des Spiegels im Zuge der Kemna-Affäre auch gegen Müller Ermittlungen eingeleitet. Neben Eberhardt Müller war auch Wolfgang Schüler als Teilhaber ausgeschieden, Schüler hatte bereits mehrfach größere Summen an die Partei gespendet.

Welche Rolle Nathalie Müller in dem braunen Netzwerk spielt, ist bislang unklar. Sie wollte sich auf Anfrage nicht zu CDs im DS-Versand wie „Adolf Hitler lebt!“ und ihrer Rolle im Neonazi-Geschäft äußern, möglicherweise will sie weiterhin im Hintergrund bleiben. Bei Fragen zur „Deutschen Stimme“ verwies sie darauf, dass dies Sache des Vorstands sei. Die Geschäftsführung besteht übrigens aus den einschlägig bekannten Neonazis Patrick Wieschke aus Eisenach sowie Henrik Ostendorf aus Bremen.

Siehe auch: Sorge vor Finanz-Chaos: Auch NPD-Wirtschaftsprüfer Müller gestorben, Kemna-Skandal: Ermittlungen gegen Wirtschaftsprüfer der NPD, Kemna-Skandal: Razzia beim Deutsche-Stimme-Verlag

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