Rechtsextremer Referent im „Studienzentrum Weikersheim“

Stephan Braun, SPD-Agsabgeordneter im baden-württembergischen Landtag, hat scharfe Kritik am CDU-nahen „Studienzentrum Weikersheim“ (SZW) geübt. Der Anlass: Wieder einmal offenbare das SZW Schwierigkeiten mit einer klaren Abgrenzung zum extremen rechten Rand, so Braun, indem es Wjatscheslaw Daschitschew als Referenten geladen habe. Der Hamburger Verfassungsschutz stuft Daschitschew Braun zufolge als eine internationale Größe des Rechtsextremismus ein.

Logo des SZW
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Braun kommentierte, das Studienzentrum Weikersheim habe „anscheinend nichts aus den vergangenen Skandalen gelernt und ist offenbar nicht willens, eine klare Grenze nach Rechtsaußen zu ziehen. Die Landesregierung und auch Ministerpräsident Mappus müssen nun klar Stellung beziehen und sich eindeutig und glaubhaft vom Studienzentrum Weikersheim distanzieren.“

Auszeichnung der GfP

Nach Brauns Informationen habe Daschitschew in der Vergangenheit nicht nur mehrfach bei Veranstaltungen der rechtsextremen DVU gesprochen. Er trat auch bei der „Gesellschaft für freie Publizistik“ auf, die im Verfassungsschutzbericht des Landes Baden-Württemberg als „mitgliederstärkste rechtsextremistische Kulturvereinigung in Deutschland“ bezeichnet wird und ihren Sitz in Oberboihingen bei Nürtingen hat. Eindeutiger noch: Daschitschew ließ sich 2006 von der „Gesellschaft für freie Publizistik“ und ihrem damaligen Vorsitzenden, den zu diesem Zeitpunkt hochrangigen NPD-Funktionär Andreas Molau, mit der „Ulrich-von-Hutten-Medaille“ auszeichnen. Die GfP wurde 1960 von ehemaligen Angehörigen der NSDAP und der SS gegründet.

Die Einladung Daschitschews ist nach Brauns Angaben „kein einmaliger Ausrutscher des Studienzentrums Weikersheim“. Bereits in der Vergangenheit war die CDU-nahe Denkfabrik wiederholt in die Kritik geraten, weil sie Referenten aus dem extrem rechten Spektrum geladen hatte. Auch strukturell gebe es immer noch Verbindungen zwischen dem so genannten Studienzentrum und der organisierten extremen Rechten, so Braun. Er verweist darauf, dass dem Präsidium des Studienzentrums Weikersheim aktuell Andreas Graudin angehöre, der auch den Internetauftritt der Einrichtung presserechtlich verantworte. Der „Junge Freiheit“-Autor Graudin ist auch Schriftführer des Berliner Landesverbands der rechtspopulistischen Partei „Pro Deutschland“.

Öffentliche Gelder fürs Studienzentrum

Laut einem Bericht von Spiegel Online vom 25. Mai 2007 erhielt das Studienzentrum Weikerheim doch noch Geld aus öffentlichen Mitteln. Zuvor hatte die Netzeitung berichtet, die Unterstützung werde eingestellt. Dies triftt aber offenbar nicht zu, die Netzeitung hatte möglicherweise eine Quelle falsch interpretiert. Übereinstimmend berichten Spiegel Online und Netzeitung, dass das Studienzentrum nur noch eine geringe Summe von der Bundeszentrale für politische Bildung erhalten soll.

Das Zentrum selbst bezeichnet sich als ‘christlich-konservative Denkfabrik’. Es wurde 1979 von Hans Filbinger gegründet, der im Jahr zuvor als Ministerpräsident zurücktreten musste, weil bekannt wurde, dass er als Marine-Richter zu Kriegsende an NS-Todesurteilen beteiligt war.

Siehe auch: “Dem Konservatismus fehlt es an klugen Denkern”,

5 thoughts on “Rechtsextremer Referent im „Studienzentrum Weikersheim“

  1. Erstaunliche Anforderungen. Neuerdings muss man also Nachweise beifügen.

    Na denn: Gleicher Text mit Nachweisen und Zitaten:

    Ausgerechnet Stephan Braun

    Stephan Braun bildet in Baden-Württemberg eine wichtige Scharnierstelle zum Linksextremismus. Autoren, mit denen er zusammenarbeitet, sind fest im linksextremen Spektrum verwurzelt, die Zusammenarbeit von Jusos mit gewalttätigen linksextremistischen Gruppen bezeichnet er auf Abgeordnetenwatch als Ausübung eines demokratischen Grundrechts.

    NACHWEISE:
    – Zu den linksextremistischen Autoren mit denen Stephan Braun zusammenarbeitet: Focus Ausgabe vom 10. Dezember 2007
    Darin heißt es unter anderm: „Mindestens sechs Autoren des Buches (Anmerkung: gemeint ist das Buch von Stephan Braun) schreiben parallel auch für Publikationen wie Der Rechte Rand, Antifaschistische Nachrichten, Jungle World, enough is enough oder Graswurzelrevolution, die allesamt von diversen Landesämtern für Verfassungsschutz als linksextremistisch eingestuft werden.“
    – Zu abgeordnetenwatch: nachzulesen hier: http://www.abgeordnetenwatch.de/stephan_braun-520-39333.html

    Vielleicht sollte Herr Braun erst einmal sein Verhältnis zur freiheitlich demokratischen Grundordnung überdenken, bevor er versucht Persönlichkeiten wie Professor Rommel (ehem. OB in Stuttgart), Lothar Späth (ehemaliger Ministerpräsident in BaWü), Professor Friedmann (ehehmaliger Präsident des Europ. Rechnungshofs) und viele andere Persönlichkeiten, die Mitglieder des Studienzentrums Weikersheim sind, in die „rechte Ecke“ zu drängen.

    Über den von Braun angegriffenen Referenten finden sich auf Wikipedia folgende Informationen: Daschitschew „war Professor der Diplomatischen Akademie des sowjetischen Außenministeriums. Er fungierte für Michail Sergejewitsch Gorbatschow als außenpolitischer Berater und galt als Wegbereiter von Ost-West-Entspannung, der Deutschen Einheit und ganz allgemein für Menschenrechte, Demokratie und Marktwirtschaft.
    1991 lehrte er als Gastprofessor an der FU Berlin, 1992 an der Ludwig-Maximilians-Universität München und 1996 an der Universität Mannheim. Mit dem Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien wurden zu dieser Zeit Pläne wirtschaftlicher Zusammenarbeit für Kaliningrad entwickelt. 1995 erhielt er den Friedrich Joseph Haass-Preis zur deutsch-russischen Verständigung. 1998 kehrte er nach Russland zurück und arbeitete bis 2006 am Zentrum für internationale ökonomische und politische Studien des Institutes für Wirtschaft der Russischen Akademie der Wissenschaften.“

    Dass er Zeitungen wie der National-Zeitung Interviews gibt mag dumm sein. Es ändert aber nichts an seinen historischen Verdiensten um die Einheit Deutschlands und die Menschenrechte.

    Ich hoffe der Beitrag wird nunmehr veröffentlicht!

  2. ACHTUNG: mein Beitrag, den ich selbstverständlich belegen kann, fiel hier auch der Schere zum Opfer. Das ist also Meinungsfreiheit?

    Es ging um den aktuellen Austritt vieler prominenter Mitglieder aus dem umstrittenen SZW…

    ACHTUNG: Ein entsprechender Kommentar liegt gar nicht vor. Bitte nachreichen, damit wir diesen löschen können. Grüße, die Zentrale Oberzensurbehörde

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