NPD missbraucht weiter Thema Kindesmissbrauch

Wer den Begriff „Kinderschänder“ benutzt, hat sich bereits fachlich disqualifiziert. Dies betonte die Leiterin der Beratungsstellte „Zartbitter“, Ursula Enders. Zudem wären drakonische Strafen sowie eine Anzeigepflicht kontraproduktiv, so die Expertin, die sich seit Jahrzehnten für Missbrauchsopfer einsetzt. Der NPD ist es egal, sie plant in Schwerin einen Aufmarsch unter dem Motto: „Todesstrafe für Kinderschänder!“

Gezielt schürt die NPD Ängste bei Familien.

Wer das Wort „Kinderschänder“ benutze, disqualifiziere sich fachlich, so Enders im Gespräch mit NPD-BLOG.INFO. Denn dies bedeute, die Opfer lebten fortan in Schande – damit verletze man die Opfer. Aber auch der Begriff Pädophilie sei in Fachkreisen verpönt, sagt Enders. Denn wenn jemand beispielsweise frankophil sei, bedeute dies nicht, er missbrauche Franzosen.

Durch die Forderung nach drakonischen Sprachen werde es den Opfern erschwert, über das erlebte Leid zu sprechen, sagt Enders. Zurzeit wird oft gefordert, es müsse bei einem Verdachtsfall sofort Strafanzeigen geben. „Wenn wir in Fällen von sexuellen Missbrauch sofort Anzeige erstatten müssen, werden sich viele Opfer uns nicht mehr anvertrauen, weil sie Angst haben, selbst angezeigt zu werden.“ Denn beispielsweise in der Odenwaldschule haben Täter mehrere Kinder in sexuellen Missbrauch verstrickt, daher fürchteten Kinder, sie würden auch bestraft. „Die Täter sagen dann, du hast es ja auch getan“, betont Enders diese besondere Täterstrategie, die zumeist auch erst später aufgedeckt wird – so auch im Fall der Odenwaldschule.

Die meisten Täter kommen aus dem sozialen Nahbereich

Zudem sind drakonische Strafen kontraproduktiv, da Opfer diese nicht verantworten wollen. Die meisten Täter kommen aus dem sozialen Nahbereich der Kinder – also Freunde der Familie, Verwandte, Mitarbeiter von Institutionen. Wenn diesen Personen die Todesstrafe drohe, würden viele Opfer schweigen, so Enders weiter.

Die Angst vor Missbrauch ist groß – und Bürgerinnen und Bürger fühlen sich offenbar häufig allein mit ihrer Angst um ihre Kinder und der Furcht vor sexuellem Missbrauch. Auf diese Hilflosigkeit setzen die rechtsextreme Szene und die NPD. In Schwerin findet am 25. September 2010 – so wie bereits auch am vergangenen Wochenende in Ferdinandshof – eine Demonstration der NPD zum Thema „Todesstrafe für Kinderschänder“ statt.

Dass dieses Engagement von Neonazis nichts mit Kinderschutz zu tun hat, macht auch die Broschüre „Was Sie über sexuellen Missbrauch wissen sollten – Gedankenanstöße zu einem wirksamen Kinderschutz jenseits polemischer Scheinlösungen“ vom Projekt „Lola für Lulu“ der Amadeu Antonio Stiftung und die RAA Mecklenburg – Vorpommern in der notwendigen Klarheit deutlich. Die Broschüre wird in einer Auflage von 6.000 Exemplaren gedruckt und gezielt an Multiplikator/innen in MV verteilt.

„Das Feld nicht den Neonazis überlassen“

Die NPD spielt sich als Ordnungsmacht auf.
Die NPD spielt sich als Ordnungsmacht auf.

Dazu sagt Anne-Rose Wergin, Leiterin des Landesbüros MV der Amadeu Antonio Stiftung: „Es ist uns wichtig, dass Bürgerinnen und Bürger, die Zivilgesellschaft, demokratische Parteien und Personen des öffentlichen Lebens sich deutlich positionieren und sowohl Verantwortung für das Kindeswohl als auch für demokratische Kultur übernehmen. Lokale Initiativen müssen die Ängste der Menschen ernst nehmen und dürfen das Feld nicht den Neonazis überlassen. In Ferdinandshof und Schwerin geschieht das auf vorbildliche Weise. Dafür haben wir die Broschüre gemacht.“

In der Broschüre wird unter anderem darauf eingegangen, wie man Kinder stärken, unterstützen und vor sexuellem Missbrauch schützen kann. Zudem werden in einem Artikel die Umstände in Gadebusch beschrieben, wo braune Trittbrettfahrer Sexualstraftaten für ihre Propaganda nutzen.

Zu bestellen ist die Broschüre, gegen einen frankierten A4-Rückumschlag, unter 03874-5702225 oder info@lola-fuer-lulu.de. Download: www.amadeu-antonio-stiftung.de

Siehe auch: Moralische Nazis für Recht und Ordnung?, Uecker-Randow: NPD-Hotline zur Menschenjagd, Forderung nach Todesstrafe nützt den Opfern nicht, Die Rechte und der Missbrauchsskandal, Nazis den Wind aus den Segeln nehmen – Informationsbroschüre zum Thema sexueller Missbrauch

8 thoughts on “NPD missbraucht weiter Thema Kindesmissbrauch

  1. Ich habe selten so einen Quatsch gehört. Wenn ich den
    Bericht lese, kann ich nur empfehlen, die Täter mit dem Bundesverdienstkreuz auszuzeichen.

  2. Um mal den Begriff Kindesmissbrauch hervorzuheben, ist es eigentlich auch Kindesmissbrauch, wenn Kinder z.B. in die heimattreue Deutsche Jugend gesteckt werden?? Zu welchem Zweck die da reingesteckt werden, ist ja schließlich bekannt…

  3. Die oben zitierte Stiftung sollte mal versuchen etwas in der Öffentlichkeit zu bewegen und dafür einen „Prominenten“ Schirmherrn suchen… das ist ein Spaß!

    Wir veranstalten in Berlin die Biker-Demo „Biker gegen Kindesmissbrauch“ und KEIN (wirklich) Prominenter hat sich bereit erklärt den Schirmherrn zugeben.
    So wichtig scheint das Thema div. Leuten nicht zu sein!

    Einzig die Musiker „VanWolfen“, „Subway to Sally“ und Laith Al-Deen gaben uns die Erlaubnis Ihre Musik nutzen zu dürfen!

    Matze, http://demo.bct-mc.de

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