„Thor Steinar“ an der Uni Greifswald unerwünscht?

Studenten, Dozenten und Professoren sollen an der Universität Greifswald keine Kleidung der bei Rechtsextremen beliebten Marke Thor Steinar mehr tragen. Das berichten zumindest zahlreiche Medien. Das Rektorat habe die Hausordnung Anfang September entsprechend geändert, sagte ein Sprecher der Universität auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP. An der Greifswalder Universität war im Frühsommer ein Jura-Professor aufgefallen, weil er Thor Steinar-Kleidung trug.

Die Uni sei weltoffen, demokratisch und pluralistisch, sagte ein Sprecher laut Spiegel Online. Trotzdem habe das Rektorat die Hausordnung in einem Punkt verschärft. Paragraf 5, Absatz 4 betont seit Anfang September, was die Uni auf keinen Fall dulden will: „Kennzeichen mit verfassungswidrigen, rassistischen, fremdenfeindlichen, gewaltverherrlichenden oder anderen menschenverachtenden Inhalten“.

Ob nun aber Thor-Steinar-Klamotten eindeutig als verfassungswidrig zu erkennen sind, dürfte rechtlich umstritten sein. Daher müsse auch im Einzelfall geprüft werden, wie Falls dagegen verstoßen werde, müsse im Einzelfall geprüft werden, wie er sanktioniert werde, räumte der Sprecher ein.

Der oben erwähnte Jura-Professor ist Lehrstuhlinhaber für Bürgerliches Recht, Medizinrecht, Arbeitsrecht und Rechtsgeschichte an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. Ralph Weber drohte zwischenzeitlich angeblich eine disziplinarrechtliche Maßnahme. Nach Informationen der Tageszeitung „Nordkurier“ hatten sich Studierende der Greifswalder Universität in Briefen irritiert über vermeintlich rechtsextreme Aussagen des Jura-Professors Weber gezeigt.

So orakelte der gebürtige Badener im Juni gegenüber der „Ostsee-Zeitung“ über die Gründung einer Partei nach Vorbild der rechtspopulistischen FPÖ. Gespräche soll er laut „Ostsee-Zeitung“ mit dem NPD-Bundesvorsitzenden Udo Voigt und dem DVU-Chef Matthias Faust geführt haben. In der Juli-Ausgabe des extrem rechten Monatsmagazins „Zuerst“ verkündete Weber, seit 1976 CDU-Mitglied, dass der Platz neben der CDU „ausgefüllt werden“ wolle. Auf die Frage, ob er damit eine „bundesdeutsche FPÖ“ meine, sagte Weber: „Es geht in die Richtung, wobei wir keinen Jörg Haider haben und brauchen.“ Weitere Informationen zu der Geschichte beim blick nach rechts.

Klage über die Faschismuskeule

Weber selbst wies die Darstellung in der Ostsee-Zeitung zurück allerdings zurück. In einer Stellungnahme mit „Gegendarstellung“ beklagte er, „Political Correctness gilt nur für Ansichten von ganz links, welche extre-mistischen Positionen dort auch immer zusammenkommen, bis zur politischen Mitte, die zugleich auch den äußersten Rand dessen bildet, was noch toleriert wird. Rechts der Mitte dagegen wird man zum Freiwild von Fehlberichterstattungen und Ehrverletzungen übelster Art, ja selbst tätlichen Angriffen sieht man sich heute ausgesetzt. Demokratie sieht anders aus. […] Rechts und Rechtsextrem werden stattdessen in völliger politischer Verblendung zu Unrecht gleichgesetzt und konservative Standpunkte mit der „Faschismuskeule“ zerschlagen.“

Siehe auch: Der Osten ist Thor

14 thoughts on “„Thor Steinar“ an der Uni Greifswald unerwünscht?

  1. Weber hat gegenüber der „Ostsee-Zeitung“ nicht über die Gründung einer Partei nach Vorbild der rechtspopulistischen FPÖ orakelt. Wie aus der Gegendarstellung ersichtlich ist, stützt sich der Artikel auf die Darstellung Dritter. Mit dem Jura-Professor hat die „OZ“ vor der Veröffentlichung nicht gesprochen.

  2. die story hat heute noch eine fortsetzung bekommen – „prof. stainar“ hat gerade (heute nachmittag!) einen brand- bzw. abschiedsbrief auf seiner lehrstuhlseite veröffentlicht: http://bit.ly/bmiUsY
    sehr lesenswert!!

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  3. Pingback: stenographique

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