„Steinbach-Position in rechtsradikalen Kreisen verbreitet“

Der Vertriebenen-Experte Samuel Salzborn und der Osteuropa-Historiker Hans Henning Hahn haben die Äußerungen von Erika Steinbach (CDU) zu Polen und der Kriegsschuld scharf kritisiert. Bei der Aussage der Vertriebenen-Chefin handele es sich um eine Auffassung, „die in rechtsradikalen Kreisen verbreitet ist“, sagte Hahn, Professor für  osteuropäische Geschichte an der Uni Oldenburg, der Frankfurter Rundschau. Hahn nannte es im FR-Interview einen „Skandal“, dass diese Form des historischen Revanchismus nun auf höchster politischer Ebene der Republik auftauche.

Erika Steinbach (Foto: http://commons.wikimedia.org/wiki/User:Dontworry)

Steinbachs Äußerungen zeigten, „auf welchem intellektuell-wissenschaftlichen Niveau sich die Vertriebenenverbände befinden“, sagte Samuel Salzborn, Politologe an der Universität Gießen, der FR. „Man muss sich vor Augen halten, dass da nicht irgendeine beigeordnete Politikerin spricht, sondern die Chefin des Bundes der Vertriebenen und Menschenrechtssprecherin der Unionsfraktion. Sie spricht etwas aus, das – wie ich fürchte – in ihrem Verband sogar mehrheitsfähig ist: Nämlich den Gedanken, dass die Kriegsschuld nicht allein und eindeutig bei Deutschland liegt.“

Laut Salzborn drücken sich die organisierten Vertriebenen seit Jahrzehnten darum herum, klar zu sagen, dass Flucht und Vertreibung das Ergebnis des Nationalsozialismus und des deutschen Angriffskrieges seien. „Stattdessen wird ständig nach Schuld und Verantwortung bei den osteuropäischen Nachbarn gesucht“, sagte Salzborn im FR-Interview.

Zur Rolle der Vertriebenen-Chefin beim Streit um die Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ sagte Salzborn: „Man kann nicht wirklich offen und ernsthaft über die gemeinsame Vergangenheit sprechen, wenn man denen, die mit am Tisch sitzen, das Ergebnis des Gesprächs diktiert. Und das will der Bund der Vertriebenen. Das hat mit Versöhnung nichts zu tun.“

NPD wittert jüdische Verschwörung

Rückendeckung erhielt Steinbach hingegen von der NPD. Der Vorsitzende der NPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, Holger Apfel, konstruierte eine jüdische Verschwörung gegen Steinbach. Diese habe sich nicht den Erpressungsversuchen des Zentralrates, der Medien und der politisch Verantwortlichen gebeugt. Sie habe „unangenehme Wahrheiten“ trotz der „aufgebauten Drohkulisse“ ausgesprochen und sei standhaft geblieben. Zufrieden zeigte sich Apfel über den Rückzug des Zentralrates der Juden aus dem Stiftungsrat; dieser sei „mehr als begrüßenswert, stellt sich doch ohnehin die Frage, was Vertreter dieser Organisation in einer Stiftung zu suchen haben, die sich für das Gedenken an die Opfer von Flucht und Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten einsetzt“.

Siehe auch: Stiftungsrat: Vertriebene bald unter sich?

11 thoughts on “„Steinbach-Position in rechtsradikalen Kreisen verbreitet“

  1. Wenn 2009 Wladyslaw Bartoszewski behauptet, daß eine Ernennung Erika Steinbachs in den Beirat der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung; die ohne das Engagement des BdV mit Sicherheit gar nicht existieren würde, das gleiche wäre, „als ob der Vatikan den Holocaust-Leugner Williamson zum Bevollmächtigten für die Beziehungen zu Israel ernannt hätte“ (!), da ist das den meisten deutschen Medien nicht einmal die Spur einer Kritik wert.

    Wenn Frau Steinbach aber nach unzähligen Vermittlungsversuchen auf eine solch verletzende Demütigung ein einziges Mal Herrn Bartoszewski auf eine nicht ganz optimale Art kritisiert, dann ist das ein riesiger „Skandal“ und „Eklat“.

    Wie sagte Frau Steinbach am Samstag auf dem „Tag der Heimat“:

    „Es ging den Vertriebenengegnern die ganzen Jahre weder um Erika Steinbach, noch heute um Arnold Tölg oder Hartmut Saenger, es ging immer darum, ein Projekt, das man um keinen Preis haben wollte, zu verhindern.“

    Dem ist nichts hinzuzufügen.

    Doch: Sie wollten uns noch Ihre Quelle verraten, für die Behauptung, Samuel Salzborn wäre vom Zentralrat der Juden für die Stiftung nominiert worden?

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