Neonazis mit Humor: NPD parodiert sich selbst

Die NPD-Osnabrück produziert seit Monaten eine eigene Video-Serie, die offenbar lustig sein soll. Wer es nicht gleich versteht: Es handelt sich um eine Selbstparodie. Der Clou: Die Neonazis offenbaren in komprimierter Form ihr simples Weltbild – und hoffen so auf den einen oder anderen Lacher. Ganz besonders witzisch: Taxi-Manni fährt das Nummernschild „NPD – TM 33“ durch die Gegend – und redet gerne vom Führer.

Von Patrick Gensing

NPD-BLOG.INFO präsentiert: Folge 8 des NPD-Taxi-Mannis – anlässlich der Wahl des Bundespräsidenten im Juli realisiert. Achtung: Bitte schon einmal das Sauerstoffzelt bereithalten, um ausreichend Luft zu bekommen, schon einmal den Käse verschweißen, denn hier fliegen gleich die Löcher aus selbigem – Ladies and Gentlemen: hier kommt die lustige NPD. Halten Sie sich fest, schnallen Sie sich an, wir heben ab:

Wer noch immer nicht genug hat von diesem tiefsinnigen und bissigen Polit-Kabarett mit Niveau-Falltür im Keller: hier gleich noch eine Ausgabe von Taxi-Manni, der sich über die Errungenschaften „des Österreichers“ auslässt. Einfach köstlich.

Taxi-Manni scheint derweil nur ein Baustein in der perfiden Humor-Offensive, dem Kampf um den Lachmuskel, der NPD zu sein. Denn parallel rief diese ihre Mitglieder und Anhänger auf, in den Sozialen Netzwerken für die Neonazi-Partei zu werben. Humor sei mit das wichtigste, betonte die NPD 2.0 – und gab gleich einige gelungene Kostproben, wie man den Leser am Bildschirm zum Lachen bringen kann. Der Verfassungsschutz verstand aber offenbar gar keinen Spaß – und nahm die Geschichte etwas zu ernst.

Ähnlich wenig Humor zeigte auch der „Nationale Widerstand“ selbst. In Neonazi-Foren wurde dem Taxi-Manni vorgworfen, er sei nicht lustig.

Einige Manni-Fans gibt es aber dennoch. Die meinten:

Endlich haben wir wenigstens auch mal einen rechten Komiker. Von meiner Seite: Ganz großes Lob an Taxi-Manni . Weiter so.

Offenbar ist Taxi-Manni dieser große Erfolg allerdings zu Kopf gestiegen – und so ist es in den vergangenen Wochen ruhig um den Humor-Rückführungsbeauftragten der NPD geblieben. Schade eigentlich.

Dafür sprangen zuletzt aber mehrere Neonazi-Kader aus Nord- und Westdeutschland ein. Sie boten in Dortmund zum „Antikriegstag“ eine Performance, mit der die inhaltsleere der eigenen Ideologie dargestellt werden sollte. Der Neonazi-Kader Christian Worch berichtete begeistert:

Da die vorgesehenen Programmpunkte abgearbeitet waren, wurde improvisiert. Dies lief darauf hinaus, daß wir die glücklicherweise als Manuskript vorhandene Rede des Veranstalters ungefähr fünfmal hörten, jeweils mit anderen Rednern. Einmal wurde sie von Dennis und einem Kameraden mit dem Spitznamen Grobi in Wechselrede vorgetragen. Wir fanden die beiden so gut, daß spontan der Gedanke aufkam, man müsse sie mal als Duo Dennis und Grobi im Fernsehen auftreten lassen. Um eine Zugabe zu realisieren, verlasen sie dann in Wechselrede auch noch ein Flugblatt der Aktion Freies Deutschland sowie das Aufruf-Flugblatt für den nächstjährigen TTDZ, den Tag der Deutschen Zukunft. Versehentlich kam auch noch die Inhaltsgabe eines Tetrapacks mit Apfelsaft oder einem anderen Fruchtsaft zum Vortrag… Indes entfaltete Kreativität sich auch vorlagenfrei. Dennis Giemsch hielt ein kleines Referat über amerikanische Foltermethoden in Abu Graib, und dabei kam er natürlich auch auf die berühmt-berüchtigte Menschenpyramide zu sprechen. Nach kurzer Anleitung bilden dann entsprechend akrobatisch veranlagte Teilnehmer eine solche, in vier Stufen. Zwar waren die menschlichen Bausteine der Pyramide nickt nackt und wurden auch nicht von Amerikanern unter Androhung oder Anwendung von Gewalt dazu gezwungen, aber so konnte jeder einmal visualisieren, wie so eine menschliche Pyramide in vier Etaben aussieht. Aber nicht nur in der Hinsicht nahmen die Kameradinnen und Kameraden aktiven Anteil an der Gestaltung der Versammlung. So bildeten sie beispielsweise eine Polonaise, die, nachdem sie sich eine Weile kreuz und quer über das Gelände bewegt hatte, den polizeilichen Kontaktbeamten und einen Zivilpolizisten im geschlossenen Kreis umtanzte. Es gab dazu keinen Redebeitrag, aber man darf vermuten, daß damit auch einmal Polizeibeamten das Erlebnis vermittelt werden sollte, sich in einem Kessel zu befinden. Überhaupt wurden die Polizisten — ein wenig unfreiwillig — in die an Kleinkunst und Straßentheater erinnernden Aktivitäten einbezogen. Als gegen 19.00 Uhr der Abbau der Hamburger Gitter begann, wurde das Hochheben und Wegtragen jedes einzelnen Gitters mit frenetischem Beifall und teilweise la-ola-Wellen begleitet. Die sichtlich irritierten Beamten stellten ihre Arbeit zunächst einmal ein; möglicherweise mußten sie bei ihren Vorgesetzten nachfragen, ob sie sich diesen offenkundigen Spott zumuten lassen mußten. Sie mußten, denn alsbald setzten sie ihre Tätigkeit fort, auf die gleiche Weise mit Applaus bedacht. Großen Zuspruch bekam auch die politische Pantomime, die aus dem Stegreif stattfand. Wer immer das Wort richtig erriet, durfte sich als nächster Pantomimist an einem vom Veranstalter vorgegebenen Begriff versuchen. Etwas irritiert war die Polizei, als als Programmpunkt der britische Kamerad eine nur auf englisch vorliegende Gebrauchsanleitung für Verstärkeranlagen und ähnliches Musikgerät vortrug, die von Gottfried Küssel simultan übersetzt wurde. Der dahinterstehende Sinn erschloß sich ihnen aber alsbald. Weil Gottfried Küssel nicht als Simultanübersetzer ausgebildet ist, war es naturgemäß eine freie Übersetzung. Und wo der Hersteller darüber referierte, welche Verstärkeranlage man für innen- oder Außenbeschallung verwenden solle und für wie viele Menschen welche Kapazität, übersetzte Küssel dies humorig dahingehend, daß er als Vergleich den Unterschied zwischen verschiedenen Faustfeuerwaffen-Kalibern wie 7,65, 9 Millimeter Parabellum oder .45 ACP heranzog und für welche Art von Ziel welche Art von Kaliber besonders geeignet sei. 

Nährwertangaben von Saftpackungen als Rede-Beitrag zum Antikriegstag, Polonaise statt Neonazi-Aufmarsch – humorige Einlagen über Faustfeuerwaffen – nie war die extreme Rechte in Deutschland so gut druff wie 2010. Wenn das der Führer wüsste… 

Siehe auch: Revolution im Web: Hier kommen die lustigen Nazis 2.0

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