1. Mai in Berlin: Neonazis planten offenbar Anschlag

Bei einer Demonstration von Neonazis am 1. Mai 2010 in Berlin soll ein Demonstrant einen Anschlag geplant haben. Das berichtet der Tagesspiegel. Der 19-jährige Verdächtige sei nun in Aachen festgenommen worden, heißt es. Der Neonazi soll am Maifeiertag mehrere Sprengsätze mit sich geführt haben. Bei dem Mann handelt es sich laut Tagesspiegel um ein führendes Mitglied der Gruppierung „Kameradschaft Aachener Land“, die als besonders aggressiv gilt. Nach Informationen des Tagesspiegels wurde der Neonazi am 1. Mai bei Vorkontrollen der Polizei zum geplanten Aufmarsch der rechten Szene angehalten. Der Mann warf mehrere Gegenstände weg und flüchtete. Die Polizisten fanden demnach größere Mengen Reizgas und neun selbst gebastelte Sprengsätze, die zum Teil mit Scherben versetzt waren. Ein Anschlag mit diesem Material hätte zahlreiche Menschen verletzen können, hieß es in Sicherheitskreisen. Ob die Sprengsätze gegen die Polizei oder gegen andere Personen eingesetzt werden sollten, ist unklar.

Neonazis am 1. Mai auf dem Kudamm
Neonazis am 1. Mai auf dem Kudamm

Die Staatsanwaltschaft leitete im Mai ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf „Vorbereitung eines Explosionsverbrechens“ ein, schreibt das Blatt weiter. Am 1. September 2010 sei die Wohnung des Neonazis in Aachen sowie zwei weitere Objekte in Nordrhein-Westfalen durchsucht worden. Gegen weitere Beschuldigte werde ermittelt.

Arrest nicht angetreten

Einem Bericht von DerWesten zufolge ist der Neonazi einschlägig bekannt. Vier Monate Dauerarrest sollten dem Verdächtigen zu neuen Einsichten über sein Leben verhelfen. Das hatte laut DerWesten jüngst erst das Aachener Amtsgericht angemahnt, als W. zuletzt verurteilt worden sei, weil er zwei Menschen geschlagen habe. Einziger Grund: Er sah sie als politische Gegner. Den Arrest hatte der 19-Jährige bisher nicht angetreten.

DerWesten befragte den Szene-Kenner und Fachjournalisten Michael Klarmann zu dem Neonazi. Dieser sagte, aufgewachsen sei Falko W. im Aachener Stadtteil Richterich – „eine Mittelschicht-Gegend mit dörflicher Struktur“. Nach der Grundschule habe Falko W. zunächst das Gymnasium besucht, sei dann zur Realschule gewechselt. „Schon dort ist er aufgefallen, in dem er öfter andere Jugendliche bedrohte, die sich der Punk-Szene zuordneten oder die aus Migranten-Familien stammten“, berichtete Klarmann.

Nach dem Realschulabschluss habe Falko W. eine Lehre begonnen, diese aber wieder abgebrochen, um zur Bundeswehr zu gehen. Klarmann sagte laut DerWesten: „Dort wollte er zum Einzelkämpfer oder Fallschirmspringer ausgebildet werden.“ Auch hier sei der junge Mann negativ aufgefallen, wurde unehrenhaft entlassen.

Zusammenarbeit mit der NPD

Die Kameradschaft Aachener Land, zu der W. gehören soll, entfalte ihre Aktivitäten vornehmlich im Kreis Düren und arbeite auf lokaler Ebene mit der NPD zusammen.

Bildergalerie: 250 Neonazis in Berlin festgenommen

Am 1. Mai hatten etwa 700 Neonazis in Prenzlauer Berg demonstriert. Der Aufmarsch wurde von tausenden Nazi-Gegnern gestoppt. Außerdem liefen etwa 300 Rechtsextremisten über den Kurfürstendamm. Dabei attackierten sie Passanten und warfen Flaschen auf Polizisten. Die Polizei stoppte den nicht angemeldeten Aufzug und nahm die meisten Teilnehmer fest.

Siehe auch: Angriff auf Polizisten am 1. Mai: Neonazi verurteilt, Sitzblockade gegen NPD – keine Strafe für Thierse, Zehntausende gegen Neonazis auf den Straßen

4 thoughts on “1. Mai in Berlin: Neonazis planten offenbar Anschlag

  1. Wenn das so stimmt ist das ein starkes Stück. Das es direkt nach den Vorfällen am 1. Mai keine Pressemitteilung der Polizei gab in welcher der Fund der Sprengsätze (Splitterbomben wäre wohl passender) mitgeteilt wurde hinterlässt einen üblen Beigeschmack. Grade vor dem Hintergrund der massiven Reaktionen von Polizei und Presse nach dem Wurf eines „Sprengkörpers“ aus einer linken Demonstration einige Zeit später. Man wird das Gefühl nicht los das hier permanent mit zweierlei Maß gemessen wird.

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