Überfall auf Israeli: Bewährung für 17-Jährigen

Wegen eines Überfalls auf einen 17-jährigen Israeli in Laucha (Sachsen-Anhalt) musste sich ein 20-Jähriger vor dem Amtsgericht Naumburg verantworten. Er wurde zu acht Monaten auf Bewährung verurteilt – wegen Körperverletzung in Tateinheit mit Beleidigung.

Von Shlomo Papierkragen für NPD-BLOG.INFO

Journalistenkollegen waren reichlich anwesend, neben dem MDR und Mitteldeutscher Zeitung unter anderem auch von der Zeit und der israelischen Zeitung Haaretz. Der Angeklagte erschien in Begleitung seiner Eltern und des bekannten Nazianwalts Thomas Jauch aus Weißenfels – sowie der beiden NPD-Kreistagsabgeordneten Rolf Dietrich aus Braunsbedra und Andreas Karl aus dem Burgenlandkreis.

Angeklagter mit Bratwurst, daneben dessen Rechtsanwalt, ganz rechts NPDler Karl
Angeklagter mit Bratwurst, daneben dessen Rechtsanwalt, ganz rechts NPDler Karl

Während des Prozesses kam zur Sprache, dass der Angeklagte bereits einschlägig vorbestraft war: Verurteilungen wegen Körperverletzung 2006 und 2007; seine Zugehörigkeit zur rechten Szene sollte jedoch nicht thematisiert werden. Ein Hinweis des Anwalts der Nebenklage auf Hakenkreuzbilder, die sich auf dem Handy des Angeklagten befanden, wurde von der Richterin abgebügelt.

Bis auf den Angeklagten selbst – der zwei Schläge und einen Tritt einräumte und behauptete, vor der Tat in knapp zwei Stunden acht Bier getrunken und lediglich „Drogenschwein“ gesagt zu haben – sowie Mario T., welcher dem Opfer seinerzeit zu Hilfe kam und mit seinem Auto in Sicherheit brachte, wurden alle anderen Zeugen aufgrund ihres jugendlichen Alters unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen.

Nazianwalt Jauch versuchte nachzuweisen, dass die Eltern des Geschädigten die antisemitische Beschimpfung „Judenschwein“ erfunden hätten, was von T. glaubwürdig widerlegt wurde: Das Opfer selbst hatte ihm noch auf der Fahrt nach Hause von der Beschimpfung erzählt. Die einzige Zeugin für das angeblich gefallene Wort „Drogenschwein“ war die Cousine des Angeklagten, die mit dieser Story vor einigen Tagen aufwartete. So blieb Jauch nur, von der „angeblichen Beleidigung Judenschwein“ zu sprechen und nach Protest durch den Anwalt der Nebenklage sowie eines klärenden Wortes der Richterin, dass „Judenschwein“ immer eine Beleidigung sei, süffisant einzuräumen, er habe „selbstverständlich“ gemeint, dass die Beleidigung „angeblich“ gefallen sei. Dies sorgte für Heiterkeit in der Naziecke des Gerichtssaals.

Feindbild: Juden (Foto Marek Peters)

Im Schlusswort folgte auch Jauch dann den Forderungen der Staatsanwältin sowie der Nebenklage, dem Angeklagten Sozialstunden in der Gedenkstätte Buchenwald aufzuerlegen, da Buchenwald nicht nur für „deutsche Verfehlungen“ stünde, sondern auch dafür, was „fremde Mächte“ nach Kriegsende den Deutschen antaten.

Der kleinen Propagandaeinlage schenkte die am Prozess generell wenig interessiert wirkende Richterin kein Gehör: Acht Monate auf Bewährung, dazu ein kleinerer Geldbetrag, der an die Gedenkstätte Buchenwald zu zahlen sei. In der Urteilsbegründung führte sie aus, daß ihrer Ansicht nach beide Schimpfworte („Judenschwein/Drogenschwein“) gefallen seien – ein peinliches Herumlavieren einer Richterin, die das Wort Jude im gesamten Prozess nur in Verbindung mit Schwein in den Mund nehmen wollte, ansonsten strikt darauf achtete, von „Angehörigen der jüdischen Religionsgemeinschaft“ und „Mitbürgern jüdischen Glaubens“ zu sprechen, für welche „Judenschwein“ eine besonders ehrverletzende Äußerung sei.

Siehe auch: Angriff auf Nachkommen von Holocaust-Opfer: Das Trauma bleibt,

One thought on “Überfall auf Israeli: Bewährung für 17-Jährigen

Comments are closed.