„Nationale Sozialisten“ laufen Bundesbanker Sarrazin nach

Gerne präsentieren sich Neonazis als „Nationale Sozialisten“, als Anwalt des kleinen Manns (also des deutschen, versteht sich). Und die NPD kommt neuerdings als „soziale Heimatpartei“ daher; doch wenn es um Hetze gegen Migranten geht, tritt der angebliche Sozialismus in den Hintergrund. Aktuell versucht die NPD, auf den rasenden PR-Express des Thilo Sarrazin aufzuspringen.

Von Patrick Gensing

Dass der Bundesbankvorstand vor nicht allzulanger Zeit auch gegen Arme polemisierte, die keine Migranten sind, stört nun die „soziale Heimatpartei“ nicht mehr. Günstigerweise, aus Sicht der NPD, konzentrieren sich die Auszüge aus Sarrazins Buch, welche in BILD und Spiegel veröffentlicht wurden, thematisch auch auf Migranten. Für den Buchabsatz sicherlich eine kluge Strategie, denn sonst könnten die Sarrazin-Fan-Gemeinde zwischen NPD und FAZ noch auf die Idee kommen, es gehe hier gar nicht um ethnische Fragen, sondern um soziale.

NPD-Flugblatt mit Sarrazin-Zitaten
NPD-Flugblatt mit Sarrazin-Zitaten

Die NPD tut fast alles, um in die Massenmedien zu kommen – denn sie hat keine Verbindungen in Verlagshäuser oder Rundfunkanstalten. Während Sarrazin sicherlich noch Chefetagen von großen Verlagshäusern betreten kann – und dort als Auflagenbringer freundlich begrüßt wird, dürfte ein NPD-Funktionär bei einem Eindringen eher von den aufmerksamen Mitarbeiter des Sicherheitsdiensts empfangen werden. Daher versucht die NPD im Windschatten von Sarrazin mal wieder in die breite Öffentlichkeit zu gelangen.

Und so überrascht es wenig, wenn die Neonazi-Partei nun stolz verkündet, mit Zitaten des Bundesbankvorstands auf Wählerfang zu gehen. Offenbar ganz ohne Häme schreibt die NPD:

Mit seinen scharfzüngigen Formulierungen zur islamischen Gefahr hat es Thilo Sarrazin nun erstmals in ein überfremdungskritisches Flugblatt der NPD-Fraktion im Sächsischen Landtag geschafft.

Besonders in Sachsen kann man vor lauter Moslems ja kaum noch auf die Straße gehen, die Minaretten hängen vor den lieblichen Elbtälern wie schwedische Gardinen und auf den Straßen der Sächsischen Schweiz verbreiten muslimische Kameradschaften Angst und Schrecken.

Thilo Sarrazin am 3. Juli 2009 (own Work by Nina)
Thilo Sarrazin am 3. Juli 2009 (own Work by Nina)

Alles egal, die NPD macht aus ihren Fraktionsgeldern lieber noch kostenlose Werbung für das Werk des Berliner Ex-Finanzsenators mit sabäistischen Wurzeln, damit sich das Buch auch noch etwas besser verkaufen möge:

 Der frühere Finanzsenator von Berlin, dessen Buch ‚Deutschland schafft sich ab‘ in Kürze auf den Markt kommt, sagte: ‚Eine große Zahl an Arabern und Türken in dieser Stadt hat keine produktive Funktion außer für den Obst- und Gemüsehandel… Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert‘.“

Den letzten Satz könnte man übrigens bis auf „Kopftuchmädchen“ für zahlreiche NPD-Anhänger anwenden – wenn man denn Lust auf Diffamierungen hat, die nicht weiterhelfen.

Winseln um Aufmerksamkeit

Schon hat in der extremen Rechten der Wettlauf um Sarrazins Gunst begonnen. Während man bei der NPD „raffende Banker“ und „Systempolitiker“ eher als Volksverräter beschimpft, hofft nach PRO-Deutschland nun offenbar auch die Neonazi-Partei auf eine Mitgliedschaft Sarrazins:

Das Noch-SPD-Mitglied kann ganz fest damit rechnen, nun regelmäßig in NPD-Publikationen zitiert und gewürdigt zu werden. Seine Aussagen sind einfach zu nationaldemokratisch.

Da dürfte die NPD allerdings lange warten, denn so blöd wird Sarrazin nicht sein, sich mit den braunen Schmuddelkindern einzulassen. Vor allem, wenn man die selben Parolen in etablierten Kreisen absondern kann – und dafür auch noch einen Haufen Geld bekommt.

Siehe auch: Pro-Deutschland bietet Sarrazin den Vorsitz an, Wird Sarrazin der deutsche Wilders?, Gutachten bescheinigt Sarrazin Rassismus, SPD-Berlin-NordOst besteht auf Sarrazin-Rauswurf, NPD feiert Bundesbank-Vorstand Sarrazin

 

54 thoughts on “„Nationale Sozialisten“ laufen Bundesbanker Sarrazin nach

  1. „Quelle/Argument für Duisburg z.b. hier“

    Danke das Sie meine Position bestätigen. Ich darf mich selbst zitieren:“Die Arbeit (der Polizei) hier ist sicher anders als auf einer Dornröschenwache.“
    Und meine Argumente, welche Sarrazins Thesen wiederlegen, stehen in meinene Kommentaren weiter oben. Weiterhin habe ich hier keine exakten Position bezogen, sondern lediglich ihre und weitere Argumente wiederlegt. Den Rest haben Sie sich herbei phantasiert, was ja offensichtlich häufiger passiert. Von so einer Perosn als „verblendet“ bezeichnet zu werden hat schon eine eigenwillige Komik 😉

  2. @50 (sulamithweinstock):

    sie sind einem ähnlichen irrtum aufgesessen, wie herr sarrazin.

    wenn sie mit ihrem angeblichen studium fertig werden, sollten sie ihre lektüre erweitern, sonst laufen sie gefahr, außerhalb pseudowissenschaftlicher propaganda keinen job zu finden.

    wenn sie wirklich wissenschaftliche forschungsergebnisse in die diskussion mit einbringen wollen, sollten sie spätere hinweise zur aussagekraft der von ihnen angeführten arbeiten nicht unterschlagen.

    sie zitieren mtfs und mistra (die gegen ende übrigens meint, „whether sociobiologists can make evolutionary sense of the varieties of human genetic variation we have discussed here remains to be seen“, dieses also explizit ausklammert und sich der von ihnen gewünschte funktion eines zitates verwehrt) und ignorieren aussagen ihrer autoren, wie z.b. Johnson/Turkheimer/Gottesman/Bouchard 2009:

    „once we accept that basically everything – not only schizophrenia and intelligence, but also marital status and television watching – is heritable, it becomes clear that specific estimates of heritability are not very important. the omnipresence of genetic influences does not demonstrate that behavior is ‚less psychological‘ or ‚more biologically determined‘ than had originally been thought, rather it shows that behavior arises from factors intrinsic as well as extrinsic to the individual. the real implications of heritability lie not in questions of relative biological determinism but in revealing the need to understand both the mechanisms through which de individual, whether consciously or not, directs his or her own life course and his or her power to do so.“

    ich wünsche ihnen in diesem sinne die fähigkeit und den willen, ihre intelligenz in sinnvollem einsatz zu entfalten. und bitte führen sie die menschen hier nicht in die irre. jeder einführungskurs in verhaltensbiologie erklärt, warum ihre schlussfolgerungen ein vereinfachender irrtum sind.

    .~.

  3. noch einmal @50 (sulamithweinstock):

    in kommentar 21 schrieben sie, „demokrat“ solle sich mit der wikipedia, in der jeder hinz und kunz die artikel nach seinem weltbild bearbeiten könne, schleichen. von der polemischen wortwahl, die gegen eine wissenschaftliche diskussion spricht, einmal abgesehen machen sie in kommentar 50 genau das, was sie „demokrat“ nicht zugestehen.

    .~.

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