Das Internet – Projektionsfläche des Bösen

Am 24. August 2010 hat die Bundeszentrale für politische Bildung sowie Jugendschutz.net einen Bericht zum Missbrauch des Internets durch Neonazis vorgestellt. Das Netz bietet einzigartige Möglichkeiten für politische Bewegungen: Fast kostenlos lassen sich Texte, Grafiken, Bilder, Flugblätter, Musikstücke oder Videos weltweit verbreiten. Mit ihren Internet-Seiten versuchen Neonazis, Jugendliche in die braune Bewegung zu ziehen. Dass sich auch Rechtsextreme dieses Instruments bedienen, erscheint noch immer für Viele überraschend zu sein.

Von Patrick Gensing

Selbstverständlich nutzen auch Neonazis das Netz – und ihr Auftreten verrät viel über die Strukturen – und die Wortergreifungsstrategie ist in vielen Foren allgegenwärtig.

Verängstigte Jugendliche schauen gebannt auf das Böse im Internet.
Verängstigte Jugendliche schauen gebannt auf das Böse im Internet.

Jugendschutz.net versucht seit Jahren, durch eine rein quantitative Angabe die braune Gefahr im Netz zu veranschaulichen und mediengerecht zu präsentieren: 1870 rechtsextreme Angebote habe man 2009 gezählt. Die große Mehrheit dieser Seiten dürfte verlassen oder komplett veraltet sein. Denn beispielsweise zu Aufmärschen erstellen braune Kader Mobilisierungsseiten; dort werden diverse Flyer, Sprühschablonen, Banner und ähnliches zum Herunterladen angeboten. Nach dem Aufmarsch spielen diese Seiten keine Rolle mehr, dümpeln im virtuellen Nirwana – in der Statistik tauchen sie aber offenbar weiter auf. Vielleicht auch nicht, denn die Liste von Jugendschutz.net kann nicht eingesehen werden.

Qualitative Aussagen zu den Beobachtungen im Netz macht Jugendschutz.net hingegen kaum – auf Anfrage, wie viele Seiten denn tatsächlich gepflegt würden, bekommt man keine Auskunft. Auch nach Zugriffszahlen und Reichweite sucht man vergeblich. Dabei spielen nur diejenigen Seiten langfristig eine Rolle, die kontinuierlich betreut werden – und irgendeine Bindung an die reale Welt haben. Bestes Beispiel ist eine NPD-nahe Seite aus Mecklenburg-Vorpommern, die sich auf die regionale Neonazi-Struktur stützt und daher auch solide Inhalte bieten kann – zumindest aus Sicht der Neonazis. Andere Projekte, die von Einzelpersonen getragen werden, verschwinden über kurz oder lang wieder.

Dies verdeutlicht: Das Problem sind nicht die Internet-Seiten, sie sind ein Symptom – nicht Ursache. Das Problem sind menschenfeindliche Einstellungen in der Gesellschaft, die von den Älteren weitergegeben werden; desinteressierte Kommunalpolitiker, die immer noch gerne die Augen verschließen und rechtsextreme Umtriebe ignorieren; das Problem sind die realen neonazistischen Strukturen. Es ist lobenswert und richtig gegen Neonazi-Propaganda im Netz vorzugehen, keine Frage, Jugendschutz.net soll hier nicht für seine Arbeit gescholten werden, sondern für die wenig aussagekräftigen Informationen, welche Jahr für Jahr präsentiert werden – und doch immer wieder durch die Nachrichtenmaschinerie gejagt werden.

Das Thema Internet zieht

Den meisten Medien scheinen die Infos vollkommen auszureichen. Dass fast jedes Wochenende Neonazi-Aufmärsche mit überregionaler Mobilisierung stattfinden, jedes Wochenende Rechtsrock-Bands in ganz Deutschland vor Hunderten Neonazis spielen, dass kontinuierlich Angriffe auf alternative Jugendliche stattfinden – dies interessiert die Öffentlichkeit nur bedingt; das Thema Internet hingegen zieht immer wieder.

Warum? Weil das Netz als Projektionsfläche des Bösen dient. Hier sind Datenkraken unterwegs, die über den Gartenzaun fotografieren (während sich die Hausbesitzer bei voller Namensnennung vor ihrem Eigenheim ablichten und in der BILD-Zeitung präsentieren lassen); hier sind Monster unterwegs, die auf der Suche nach Kinderpornos sind  – und hier treiben Neonazis ihr braunes Unwesen.

Durch Maßnahmen gegen Google oder gegen Kinderpornos versuchen sich Politiker zu profilieren – und fordern gleichzeitig die Vorratsdatenspeicherung. Und sie können Maßnahmen gegen Neonazis im Internet anmahnen – und gleichzeitig die Mittel für Programme für Demokratie zusammenstreichen. Dem Internet sei Dank.

Siehe auch: Zahl rechtsextremer Websites auf Höchststand! Was sagt uns das?

4 thoughts on “Das Internet – Projektionsfläche des Bösen

  1. Moin, den Rosa Elefanten: Nasis im Netz jagten die Gestern Abend durchs mediale TV Dorf. Zitat Nachrichtensprecherin: „Facebook, twitter und Myspace…. über 6000 neue Nachrichten von nasis im ltz jahr.“ – Hey, ik schaffe im 1/2 jahr alleine über twitter 1.200 zwitschereien…. KiPo, OK (M$!) TERROR-ismus und nu die Nasis ….. Es geht darum „das Netz“ dicht zu machen! – Abschalten wie im Iran könnte Siemens und Junta ja, aber dann is das „Demokratie-Mäntelchen“ weg. Dann rafts auch der ltz. Pleb

  2. @Majestyx

    Dein cooler Insider-Base-Slang macht mich schmunzelnd, dennoch habe ich große Schwierigkeiten dem zu folgen was du eigentlich willst bzw. nicht willst.

    Unter deinem eigenen favorisierten sozialen Netzwerk:

    http://cacn.de/
    http://twitter.com/majestyx

    … habe ich eine, mich wenig “ausfüllende”, Grundsatzerklärung gefunden:

    http://www.cacn.de/index.php?id=310 , darin heißt es u.A.

    (…)

    Wie anarchistisch ist die Hackerethik? Warum bezeichnet sich Richard Stallman, eine der herausragendsten Figuren der Freien-Software-Bewegung, selbst als Anarchist? Wir dürfen uns die Anarchisten der freien Software nicht klischeehaft als Chaoten mit zerzausten Haaren, irrem Blick und Armen voller Bomben vorstellen. Ganz im Gegenteil: Sie fordern eine neue Ordnung des geistigen Eigentums im Sinn der Hackerethik – Der Zugriff auf Wissen soll frei, dezentral, antibürokratisch und antiautoritär sein. (…), Ende.

    Da du deinen Eintrag in den NPD-Blog geknallt hast, dessen Intentionen der Aufklärung dir ja „eigentlich“ bekannt sein müssten, habe ich nur zwei Fragen an dich coolen Hackerfreak mit stylish Slang. 😉

    1. Hat die „Hackerethik“ einen Standpunkt zum Paragrafen zur Volksverhetzung im Internet bzw. in elektronischen Medien und wenn ja, wie definiert die „Hackerethik“ eine Verfolgung jener Straftaten in sozialen Netzwerken (sofern in Deutschland möglich).

    2. Gibt es für dich ein geistiges Eigentum, das nicht für Jedermann frei und unentgeltlich im Internet verfügbar seien sollte.

    Sofern du Antworten parat hast wäre es schön, wenn du mir nicht im Web-Homie-Slang antwortest, so dass ich dich auch verstehen kann.

    @Majestyx. – Ehrlich geschrieben halte ich dich für vollkommen verwirrt: deine Welt spielt sich offenbar nur noch im Web ab. – Neonazis scheinen für dich dort entstandene Bits, Bytes & Pixel zu seien, die nun ein böser digitaler „Feind-Avatar“ löschen will … *lol*

    Ich mag` zwar auch „Tron“ (speziell den Ersten), aber man sollte es nicht übertreiben.

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