Pro-Deutschland bietet Sarrazin den Vorsitz an

Der SPD-Politiker Thilo Sarrazin muss zurzeit reichlich Kritik einstecken – aber er erfährt auch Lob – beispielsweise von der NPD. Sarrazins Aussagen zur „Überfremdung“ atmeten einen nationaldemokratischen Geist, so die Neonazi-Partei. „Wird Sarrazin der deutsche Wilders?“, fragte NPD-BLOG.INFO am Dienstag angesichts der Tatsache, dass der Bundesbankvorstand Sarrazin offenbar Zuspruch von konservativen Kreisen bis hinein in die Neonazi-Szene erhält.

Auf einen deutschen Wilders hofft schon länger Pro-Deutschland. Und der Partei-Vorsitzende Manfred Rouhs bot Sarrazin laut nrwrex nun seinen Chefsessel an: „Mit ihm an der Spitze ließe sich das Parteiengefüge mühelos aufrollen.“ Falls sich Sarrazin entscheide, die Aufnahme bei „pro Deutschland“ zu beantragen, würde man unverzüglich eine Bundesversammlung durchführen. Rouhs: „Ich würde vom Bundesvorsitz zurücktreten und Sarrazin für dieses Amt vorschlagen.“ Er sei der richtige Mann, um das von Demoskopen veranschlagte Wählerpotenzial von etwa 20 Prozent rechts der Union vollständig zu erschließen. Nach Angaben von nrwrex ist Rouhs’ Liebeswerben mit dem Aufnahmeantrag der „Bürgerbewegung“ verlinkt.

Thilo Sarrazin am 3. Juli 2009 (own Work by Nina)
Thilo Sarrazin am 3. Juli 2009 (own Work by Nina)

Möglicherweise könnte Sarrazin bald eine neue politische Heimat benötigen, denn in der SPD hat der selbst ernannte Tabubrecher kaum noch Freunde. Der SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel brachte einen freiwilligen Parteiaustritt Sarrazins ins Gespräch. Auf die Frage, warum Sarrazin noch SPD-Mitglied sei, sagte Gabriel laut Medienberichten: „Das weiß ich auch nicht.“ Die Äußerungen des Bundesbank-Vorstands seien zum Teil „dämlich“ und dessen Sprache mitunter „gewalttätig“. Gabriel kündigte eine Prüfung an, ob Sarrazin mit seinen Äußerungen Bevölkerungsgruppen bestimmte Charaktereigenschaften zuweise. Dies wäre dann eindeutig „rassistisch“.

Zu diesem Schluss ist ein Gutachten längst gekommen. Der SPD-Ortsverband Alt-Pankow und der SPD-Kreisverband Spandau hatten einen Parteiausschluss gegen Sarrazin angestrengt und der Landesschiedskommission der Partei ein Gutachten vorgelegt. Darin wurden die Äußerungen Sarrazins in einem Zeitungsinterview in zentralen Passagen als rassistisch bezeichnet. Der Politikwissenschaftler Gideon Botsch vom Moses Mendelssohn Zentrum der Universität Potsdam kam zu dem Schluss, dass Sarrazin mit einem bewussten Tabubruch Vorurteile mobilisierte, die sonst von Rechtsradikalen geäußert würden.

Das Gutachten kann hier vollständig gelesen werden: Gutachten Sarrazin

Siehe auch: Wird Sarrazin der deutsche Wilders?, Gutachten bescheinigt Sarrazin Rassismus, SPD-Berlin-NordOst besteht auf Sarrazin-Rauswurf, NPD feiert Bundesbank-Vorstand Sarrazin

58 thoughts on “Pro-Deutschland bietet Sarrazin den Vorsitz an

  1. @Harald R.

    Wir Deutschen sind weltweit schon deswegen die Lachnummer, da wir über das Nörgel-Gen verfügen. Das finden z.B. die Japaner kindisch und die Amerikaner sehen ausgiebiges Nörgeln als Zeichen von Schwäche. Vorallen, weil dabei nichts Konstruktives bei rauskommt.

    Da kann ein Außenminister ruhig schwul sein, was ansich nur ihn was angeht. Macht ihn ja nicht schlechter. Was ein Jude in seiner Freizeit macht, ist seine Sache, genau was sie in ihrer Freizeit machen. Solange Zweite da nicht zu Schaden kommen, ist es sein Ding bzw. ihr Ding. 😉

    Ach ja, wenn Querdenker inhaltich fundierte Sachen von sich geben, ist es doch fein. Wenn dabei eher Quark rauskommt, kann man ihn natürlich kritisieren. Gehört auch zur Demokratie dazu.

    Mit freundlichen Grüßen
    Olli

  2. Weiterlernen ist ein sehr gutes Stichwort:

    „Meinungsfreiheit ist ein verbrieftes Recht aus dem Grundgesetz. Egal welche Weltanschauung der Meinungsaeusserer hat.“

    Art. 5 I GG schützt die Meinungs<b<äußerung. Nach Art. 5 II GG findet dieses Recht seine Schranken in den allgemeinen Gesetzen, beispielsweise §130 StGB! Das ich mich so frei äußern darf liegt daran, dass ich keinerlei Tatbestände erfülle.
    Ihre Äußerungen allerdings erfüllen den Tatbestand eines Werturteils, was nach §185 StGB mit Strafe belegt wird.

    „Wo bleibt denn Ihr Demokratiebewusstsein wenn in Stuttgart Menschen demonstrieren…“
    Wir reden hier nicht über Stuttgart! Erinnern Sie sich? Relativieren und verallgemeinern? Sie finden keine geeignete Argumentation und weichen aus…

    „Alles schoen so lassen wie es is“
    Reden sie noch mit uns? Denn hier vertritt niemand die These, es gäbe keine Probleme und die momentane Lösung sei optimal. Ach sie haben wieder unzulässig verallgemeinert 😉

    „. Auch gegen jene, die man (Sie vielleicht nicht aber andere und sogar integrierte Auslaender) auf den Strassen herumlungern sieht.“
    So wie in Do-Nord auf der Malinckrodtstr. zwischen Uhland- und Bornstraße? Ich nehme das täglich wahr. Schließlich liegt mein Fitnesstudio in der Nähe. Aber da gab es ja noch Art 2 I GG: „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit…“. Für sich selbst pochen sie auf Art. 5 I GG (und das auch noch falsch) um anderen Menschen dann den Art. 2 I GG abzusprechen? So funktionieren die Grundrechte in Deutschland nicht. So funktionieren sie im 3. Reich nach dem Blutschutzgesetz (RGBl. I S. 1146).

    „Aber nichtkonforme Meinungen sind den Deutschen suspekt. Daher jetzt diese Hexenjagd.“
    Meinungen, welche die Menschenwürde mißachten, sind den Deutschen suspekt. Das sollte auch so sein, da in unserem Land die Menschenwürde unantastbar ist.

  3. @50 (harald):

    nun seien sie doch nicht so empfindlich. wie wollen sie sich denn auf demokratie berufen, wenn eine kleine diskussion von ihnen und leuten wie broder als hexenjagd verkauft wird? hexenjagd, dass heißt „greift sie, entwürdigt sie, verbrennt sie“.

    wer demokraten ihren widerspruch zum vorwurf macht, hat demokratie nicht verstanden. meinungsfreiheit bedeutet nicht, dass widerspruchsfreiheit garantiert wird. wer quark redet, hat mit kritik zu rechnen. der übliche weg, damit umzugehen, ist die inhaltliche diskussion, nicht die inszenierung als opfer a la „….keule“ oder „hexenjagd“ und so weiter und so fort.

    demokratie ist anstrengend, das hält nicht jeder aus, schon klar. nur mut! so schwach, wie sie sich mit ihrer strategie machen, sind sie doch eigentlich gar nicht.

    .~.

  4. Harald, Ihre Äußerungen sind sachlich falsch und rassistisch. Türken und andere Moslems (wie Jugoslawen) kamen nicht später als andere Gastarbeiter und sie kamen auch keineswegs erst, als Deutschland „schon im Geld“ schwamm. Sie haben für geringe Löhne unbequeme Arbeiten gemacht, zu denen sich die ehemaligen „Herrenmenschen“ und Vernichtungskieger bereits zu fein waren. Außerdem konnte man bereits damals so sein altes Selbstbewusstsein wieder pflegen, denn für schlechte Arbeiten waren „die Alis“ und „die Kanacken“ – kurz: die Untermenschen ohne Kultur, Zivilisation und Tischsitten – ja da.
    Dass Sie Türken kollektiv als „Müllmänner“ sehen, dürfte mehr ein Werturteil als tatsächliche Erfahrung sein. Falsch ist es sowieso, wenn es von Ihnen kommt.

    Den Türken wurde am Ende die Zuwanderung allerdings schon früher als den anderen (Italienern, Spaniern) verwehrt.
    Selbstverständlich haben „die Muselmanen“ alle genauso Anteil am Aufbau Deutschlands wie die anderen Genannten. Ihre paranoide und hasserfüllte Islamphobie verbietet es Ihnen aber, diese Fakten anzuerkennen.

    Dass die „Einwanderungswelle“ von Türken und anderen Moslems angeblich erst unter Außenminister Fischer möglich wurde, spricht der Tatsache Hohn, dass die meisten bereits in zweiter oder dritter Generation in Deutschland leben. Oder vermehren die sich Ihrer Meinung nach schon innerhalb von vier Jahren?

    Insgesamt liefern Sie einen eindrucksvollen Beleg, mit welch irrwitzigen Wahnvorstellungen rassistische Ressentiments bemührt werden. Ohne diese realitätsfernen Angstparolen würden Ihnen nämlich keine Argumente zur Verfügung stehen.

  5. Also ich finde dieser Diskussion spannend … und ich werde mein Kommentar mit Fehler schreiben :-) Warum ? Weil ich selber eine Ausländerin, eine Osteuropäin, eine Polin bin und seit 7 Jahren lebe ich in diesem Land und habe auch vor hier zu sterben. Mein Kommentar zu diesem Buch : wie kann man in einer Welt, der immer offener für neue Kulturen wird, so was schreiben und publizieren und sich noch als intellektueller Mensch verkaufen. Ich verstehe Menschenrechte, Vielfalt und offener Welt. Alles anderes hat den Menschen nur Schmerz in der Geschichte gebracht. In jeder Gesellschaft gibt es kluge und faule Menschen. Das kann man nicht generalisieren und über Genen sprechen , denn dann kann es dazu führen, dass sich die Geschichte wiederholt. Vielleicht haben wir Ausländer viele Schwächen, aber den die nicht Ausländer sind, kann ich einz sagen : bleib offen für das menschliches und Lächeln kostet nichs, trotzdem wird auf deutschen Strassen wenig gelächelt – bleib offen und neugerig auf neues, denn wir alle haben Schwächen, denn wir alle sind nur Menschen.

    Sorry für die Fehler – trotz den schreibe ich gerade mein Master Arbeit und an meiner Uni habe ich jeden Tag zu kämpfen – mit Menschen, die mich als Mensch zweiter Klasse behandeln. Es gibt aber auch viele die neugerig sind und mich mögen, denn ich anders bin – internationalle Freundschaften und Beziehungen sind Zeichen dafür, dass Mnsch ist Mensch :-)) und kein Ausländer oder Nichtausländer !!!

    Ich grüsse Euch alle und fühle ich mich wohl bei Ihnen und mit Ihnen in diesem interessantem Land.

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