MVP: Neonazis gehen in die Offensive

Gut ein Jahr vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern nehmen die Aktivitäten von Neonazis zu. Sie setzen dabei auf offene Drohungen gegen Politiker, den Ausbau der Infragstruktur sowie den „Kampf um die Straße“. Am Wochenende fand erneut ein Aufmarsch statt – in der Nacht zu Sonntag stoppten laut Medienberichten 60 Polizisten in einem Wohngebiet in Stralsund ein unangekündigten Aufmarsch. In Demmin versuchten Neonazis, mit Sprühparolen die Verlegung sogenannter Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus zu behindern.

Von Patrick Gensing

Beide Vorfälle standen nach Polizeiangaben im Zusammenhang mit dem Todestag von Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß.

Nach dpa-Angaben hatten sich in Stralsund am Samstagabend etwa 70 Neonazis im Stadtteil Knieper-West versammelt. Der Zug mit teilweise vermummten Teilnehmern stoppte demnach auch nicht, als ein Einsatzwagen mit zwei Beamten ihn anhalten wollte. Mit Schlägen und Tritten gegen das Polizeiauto zogen die Marschierer vorbei, sagte ein Polizeisprecher. Sie hätten erst mit Hilfe von Verstärkungskräften zwei Straßen weiter gestoppt werden können. Als mutmaßlicher Anführer wurde ein 27-Jähriger aus Parchim festgenommen, 55 weitere Teilnehmer erhielten Platzverweise. Es werde wegen des Verdacht auf Landfriedensbruch ermittelt.

In Demmin wurden laut dpa volksverhetzende Parolen in schwarzer und roter Farbe genau da auf den Gehweg gesprüht, wo die Stolpersteine verlegt werden sollten. In dem Haus wohnte eine jüdische Familie, deren Mitglieder in einem NS-Konzentrationslager umgebracht wurden. Die Tatverdächtigen seien ermittelt, hieß es. Die Stolpersteine sollen am Montag feierlich in Demmin übergeben werden.

Auf einer NPD-nahen Internet-Seite heißt es dazu:

Die vorprogrammierte, mediale Aufmerksamkeit nutzten allerdings auch – völlig unplanmäßig – einige Stadtguerillas in Ueckermünde. Dort soll es zu massiven Verunreinigungen älterer Stolpersteine mit schwarzer Farbe gekommen sein. Außerdem wurden in unmittelbarer Nähe des Tatorts sowie im gesamten Stadtgebiet Aufkleber und Plakate mit dem Konterfei von Rudolf Heß verklebt. Mögliche Motive könnten in der – selbstverständlich rein subjektiv – bestehenden Diskrepanz im Umgang mit dem Gedenken an Verstorbene bestehen. Einerseits ist es Nationalisten untersagt, ein ehrendes und würdevolles Gedenken an den 46 Jahre inhaftierten Rudolf Heß abzuhalten, während andererseits ein medialer Hype um nahezu jeden ehemaligen jüdischen Einwohner zelebriert wird, dessen Existenz sich in den lokalen Stadtarchiven belegen läßt.

Auch in Demmin kam es in der vergangenen Woche zu Sprühaktionen, ausgerechnet am Ort der geplanten Stolpersteinverlegung. Die hinterlassenen Schriftzüge beschäftigten sich ebenfalls mit den Todesumständen von Rudolf Heß. Im Anschluß kam es zu Festnahmen und Hausdurchsuchungen durch Zivilbeamte der MAEX. Es ist davon auszugehen, daß die unmittelbare Umgebung der aktuellen „Gedenkstätten“ weiterhin durch politische Polizei gründlich überwacht wird, um Vandalismus jeglicher Art vorzubeugen!

Und zu dem Heß-Aufmarsch heißt es auf der Seite:

In der Nacht zum Sonntag, 21. August, versammelten sich etwa 100 Oppositionelle in Stralsund, um einen unangemeldeten Fackelmarsch in Erinnerung an den 23. Todestag von Rudolf Heß durchzuführen. Kurz vor Mitternacht seien die überwiegend regionalen Aktivisten in dem von Plattenbauten dominierten Stadtteil Knieper-West aufgetaucht und formierten sich zu einem Marschblock. Fackeln und ein Transparent tauchten auf und ohne große Verzögerung setzte sich der Zug in Bewegung. Lauthals erklangen Sprechchöre wie „Rudolf Heß – das war Mord“ oder „Rudolf Heß – Märtyrer des Friedens“.

Und hier noch die Pressemeldung der Polizei zu dem Heß-Aufmarsch:

Etwa 60 bis 70 rechtsgerichtete Personen trafen am 21.08.2010 gegen 23.30 Uhr vorwiegend mit Pkw auf dem Parkplatz in der Maxim-Gorki-Straße ein. Dort formierten sie sich zu einem Marschblock, in dem auch Fackeln mitgeführt wurden. Einige Teilnehmer vermummten sich.

Der Aufzug setze sich dann zur Arnold-Zweig-Straße in Bewegung. Dort versuchte ein Funkwagen mit zwei Beamten die Marschierer zu stoppen, was auf Grund der zahlenmäßigen Unterlegenheit nicht gelang. Gegen das Polizeiauto wurde geschlagen und getreten. Der Aufmarsch setzte seinen Weg weiter zum Alexander-Puschkin-Weg fort. Es wurden Hess-Parolen skandiert. Dort wurde die Spitze des Marschblocks von drei Beamten gestoppt und ein Weitergehen untersagt. Auf Kommando eines Rädelsführers liefen alle Teilnehmer in unterschiedliche Richtungen davon. Der Rädelsführer, ein 27-jähriger Mann aus Parchim, konnte kurze Zeit später festgenommen werden. Mit Eintreffen von Unterstützungskräften konnten die kleinen Gruppen im Wohngebiet gefunden und die Personalien festgestellt werden. Bei den Durchsuchungen wurden Reizgas, Skimasken Flyer und Aufkleber sichergestellt. Insgesamt wurden an 55 Personen Platzverweise für das Stadtgebiet Stralsund erteilt. Sie wurden mit ihren Fahrzeugen bis an den Ortsausgang begleitet. Der Polizeieinsatz mit rund 60 Beamten war um 2.15 Uhr; einschließlich Nachaufsicht; beendet.

Ein Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruch und Verstoßes gegen das Versammlungs-gesetz wurde eingeleitet.

Siehe auch: Hetze gegen Politiker: Razzia bei NPD-Funktionär, „Dorfgemeinschaft Jamel“, Moralische Nazis für Recht und Ordnung?, Neonazis ziehen ungehindert durch Anklam

5 thoughts on “MVP: Neonazis gehen in die Offensive

  1. Nun ja, wenn sich innerhalb der Gruppe niemand gekannt hat, kein gemeinschaftlicher Vorsatz zur öffentlichen Verherrlichung von Repräsentanten des Dritten Reiches vorlag, die Vermummung nur auf das Wetter zurückzuführen war, kein Beamter bedroht und das Reizgas nur zur „Tierabwehr“ mit sich geführt wurde, Niemand einschlägig vorbestraft ist oder war … und es da auch nur einen Rädelsführer gab`, auf dessen Kommando sich die zufällig auf dem Parkplatz getroffene Gruppe in alle Winde zerstreute, nachdem ein zufällig anwesender Passant Photos machte, die dann durch nicht zuordnungsbare Internetseiten veröffentlicht wurden (unter zufälliger Retuschierung der Gesichter)http://www.mupinfo.de/wp-content/uploads/2010/08/149448791.jpg ,dann basierte die ganze Aktion eben nur auf einer willkürlichen „Gruppendynamik“ von ca. 70 sich nicht kennenden Personen, die zufällig und zeitgleich den Entschluss fassten während der Durchreise in Stralsund ein gefundenes Hess-Transparent mit der Aufschrift „Märtyrer – Vorbild – Kamerad“ zu entrollen und damit lautstark Nachts durch ein dichtbesiedeltes Wohngebiet zu laufen …

    Da verwundert es mich ja, dass man die Hanseln nicht noch mit einem zwölfspännigen Motorradkonvoi aus der Stadt geleitet hat. – Wenn sie schon nicht als sich im Vorfeld organisierte Gruppe angereist sind … so sind sie doch „wenigstens“ als organisierte Gruppe wieder abgereist. *lol* 😉

    p.s. Ich hab` ja noch die zufällig gefundenen „Druckerzeugnisse“ vergessen, die augenscheinlich irgendwo gefunden und „eigentlich“ auch nicht im Vorfeld der „Gruppendynamik“ zur Verfolgung eines nicht näher definierbaren Zieles vom Himmel gefallen sind …

  2. Bitte gebt euch doch ein bissel mehr Mühe.
    1.) die mehrzeilige Wiedergabe von Neonazi- und Polizeitexten ist schlechter Stil.
    2.) noch problematischer ist der einzige selbst produzierte Text – also die Einleitung. Diese stellt fest, dass JETZT die Neonazi-Aktivitäten in M-V zu nehmen und suggeriert, dass dies im Zusammenhang mit der Landtagswahl im nächsten Jahr steht. Dies ist falsch. In M-V ist das Niveau an rechten Aktivitäten fast durchgängig hoch. Gerade Aktionen zum Heß-Todestag finden jedes Jahr und auch jedes Jahr in diesem Umfang statt. Und der Bezug zur Landtagswahl ist sowieso völlig unklar.

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