Träume vom Hitler-Stalin-Pakt

Der Hamburger NPD-Landesverband hat in Erwartung von Neuwahlen den Wahlkampf eröffnet. Wohl wissend um ihre Randständigkeit – das entsprechende Stimmenpotenzial in der Hansestadt dürfte sich bei Neuwahlen bei einer neu geordneten Ahlhaus-CDU bündeln – publiziert die NPD auf ihrer Website drei Texte mit einer ungewöhnlichen Adressatin: die Hamburger Linke.

Von Volker Weiß, zuerst erschienen in der Frankfurter Rundschau vom 18. August, Übernahme mit freundlicher Genehmigung des Autors

Zunächst widmet man sich der Linkspartei, die als eine Art verlängerter Arm des Zentralrats der Juden dargestellt wird. Dabei handelt es sich jedoch nicht einfach um eine Neuauflage der alten antisemitischen These vom „jüdischen Bolschewismus“. Die NPD übernimmt ihre Argumentation zeitgemäß aus einem linken Pamphlet über angebliche proisraelische Umtriebe innerhalb der Linkspartei. „Mutige“ Positionen gegen Israel, wie die Norman Finkelsteins oder Norman Paechs, würden in der Partei unterdrückt, weshalb sie zu einer wahren Systemalternative nicht fähig wäre; die Linke sei „von innen umzingelt“, fabuliert man in Anlehnung an das zweifelhafte Papier gleichen Titels. Ihrer Basis wird empfohlen, das Kreuz gegen Israel bei der NPD zu machen.

Der zweite Text, noch weit weniger originell, diffamiert das Kulturzentrum Rote Flora im Hamburger Schanzenviertel; es beherberge „bizarre fremdkulturelle Partys“ und schütze „exzessiv praktizierten Drogenkonsum“. Die NPD will die baldige Räumung. Das letzte Schreiben dagegen fällt aus dem Rahmen. Es ist ein Gesprächsangebot an das antiimperialistische Zentrum B5 in der Hamburger Brigittenstraße und betont, wie viele Gemeinsamkeiten mit „dem weltanschaulichen Fundament der NPD“ vorhanden seien.

Dokumentation: NPD-Diskussionsangebot an antiimperialistische Linke

Das ist pikant, denn die B5 ist die letzte Bastion des stalinistischen Antizionismus, der linken Variante des Antisemitismus. Im „Kampf gegen den Zionismus und US-Imperialismus“ lässt man sich dort nicht beirren. Letztes Jahr sorgte ein Angriff dieser Kreise auf eine Vorführung von Claude Lanzmanns Film „Warum Israel“ für einen Skandal. Solche Aktionen machen das antiimperialistische Spektrum für die NPD tatsächlich attraktiv. Als Beleg für die Möglichkeit einer Kooperation werden von der Partei drei prominente Ex-Achtundsechziger präsentiert, die mittlerweile im „nationalen Lager“ angekommen sind: Reinhold Oberlercher (ehemals SDS, heute Theoretiker eines Vierten Reichs), Horst Mahler (ehemals RAF, heute Holocaust-Leugner, dazwischen Maoist und NPD-Anwalt) und Bernd Rabehl (ehemals SDS, 2009 beinahe Bundespräsidentenkandidat für NPD und DVU). Es gäbe noch weitere Referenzen, Michael Steinau von den „Antiimperialistischen Zellen“ etwa. In den Neunzigern wollte er in die Fußstapfen der RAF treten, während seiner Haft in Lübeck konvertierte er zum Islam und freundete sich dann mit dem ebenfalls dort einsitzenden Rechtsterroristen Kay Diesner an. Durch Auftragen ehemals linker Kleidungscodes wie dem Palästinensertuch oder T-Shirts mit dem Konterfei Che Guevaras über einer nationalistischen Parole erheben heute Neonazis den Anspruch auf das antiimperialistische Erbe.

Wie zudem im Internet ersichtlich ist, erfreuen sich auch bei den Rechten antiimperialistische Schriften einer gewissen Beliebtheit, sobald sie die Themen Israel oder USA berühren. Selbst Eva Herman, die nach ihrem Rauswurf aus der Tagesschau auf YouTube „Nachrichten“ einlesen darf, zitiert jetzt vor der Kamera die Zeitung Junge Welt. Beim für die Sendung verantwortlichen Kopp-Verlag, der sich sonst mit Ufos, Verschwörungen und Esoterik befasst und eine weit offene Flanke nach rechts hat, gilt das antiimperialistische Hausblatt offenbar als seriöse Quelle. Beide Medien haben ein ausgesprochenes Faible für antisemitische Verschwörungstheorien im Gewand sogenannter Israel-Kritik.

Konturen eines „rechten Antiimperialismus“

Völkischer Antikapitalismus steht bei den "Autonomen Nationalisten" hoch im Kurs - Aktionsformen, Parolen und Style haben sie von links geklaut. (Foto: Marek Peters)
Völkischer Antikapitalismus steht bei den "Autonomen Nationalisten" hoch im Kurs - Aktionsformen, Parolen und Style haben sie von links geklaut. (Foto: Marek Peters)

So wenig neu das alles ist, fördert doch eine tiefere Beschäftigung mit dem Kampf gegen den „Zionismus und US-Imperialismus“ als Scharnier zwischen verfeindeten Lagern irritierende Verästelungen zutage. So arbeiteten nach ihrer Promotion sowohl die Mutter der RAF-Gründerin Ulrike Meinhof, Ingeborg Meinhof, als auch ihre Ziehmutter, Renate Riemeck, während des Zweiten Weltkrieges für den Jenaer Professor Johann von Leers. Der war nicht nur einer der führenden antisemitischen Publizisten des „Dritten Reichs“, sondern hatte auch ein ausgeprägtes Interesse für den Orient. Nach dem Krieg floh er nach Ägypten, trat zum Islam über und wurde auf Empfehlung des Großmuftis von Jerusalem, Amin El Huseini, zum Berater Gamal Abdel Nassers. Er starb 1965 unter dem Namen Omar Amin von Leers in Kairo. Es ist bemerkenswert, dass Ulrike Meinhof mit ihrer späteren Hinwendung zu den Palästinensern ausgerechnet das antiimperialistische Narrativ aufnehmen sollte, das am meisten durch den Nationalsozialismus vorbelastet war. So trafen sich zwei grundverschiedene deutsche Generationen in einem Projekt wieder: der Zerstörung des jüdischen Staates im Nahen Osten.

Auch in der heute fast vergessenen Geschichte des Rechtsterrorismus der achtziger Jahre traten die Konturen eines „rechten Antiimperialismus“ deutlich zutage. Karl Heinz Hoffmann, Chef der nach ihm benannten Wehrsportgruppe, versorgte die PLO mit gebrauchten Bundeswehrfahrzeugen. 1980 wurde die Gruppe im Libanon von einem Camp der Fatah militärisch gedrillt. Unter der Führung von Odfried Hepp, einem ehemaligen Getreuen Hoffmanns, kam es 1982 zu einer Serie von Anschlägen auf amerikanisches Militär im Raum Frankfurt. Hepp bot in einem offenen Brief der militanten Linken einen Schulterschluss im „antiimperialistischen Befreiungskampf“ gegen die US-amerikanische Besatzungsmacht an. Die Offerte eines vereinten Kampfes „gegen den Amerikanismus“ schloss auch „ausländische Anti-Imperialisten“ mit ein. Die taz veröffentlichte das Papier, dessen Autoren davon schwärmten, dass es hinter der Mauer „immerhin noch 17 Millionen gesunde Deutsche“ gäbe, während „bei uns im Westen die Menschen geistig und seelisch am Absterben“ seien.“

Trotz dieser Konzession an die Konsumkritik wollte der antiimperialistische Untergrund keine Gemeinsamkeiten erkennen. Hepp jedoch blieb sich seiner Sache eines möglichen Zusammengehens mit der Linken gegen den US-Imperialismus sicher. Er diente sich Ost-Berlin als Informant an und tauchte in der DDR unter. Die Stasi schleuste ihn in den Nahen Osten, wo er Offizier der Palästinensischen Befreiungsfront (PLF) wurde. Seine Festnahme erfolgte 1985, als Hepp in Frankreich für die Palästinenser eine Untergrundstruktur aufbauen wollte. Bei der Kaperung des Kreuzfahrtschiffes Achille Lauro im gleichen Jahr stand er auf der Liste der Gefangenen, die mit der Aktion freigepresst werden sollten.

So sehr sich bei Odfried Hepp wie auch bei Horst Mahler die politischen Koordinaten verschoben haben mögen, ihre Haltung zu Israel und dem US-Imperialismus blieb unverändert. Auf diesem Fundament will die Hamburger NPD die Brücke zu den Antiimperialisten schlagen. Die haben das Angebot empört zurückgewiesen.

Siehe auch: Israels Existenzkampf: Eine moralische Verteidigung seiner KriegeNPD gratuliert Linksfraktion zum “Tabubruch”, Vorführung von Lanzmann-Film auf St. Pauli verhindert, Völkische Querfront: Glückwunsch, Ahmadinedschad!, “Israel-Kritik”: Wenn NPD-Positionen nicht auffallen 

14 thoughts on “Träume vom Hitler-Stalin-Pakt

  1. @Weckruf

    Werde dir doch erst einmal darüber klar, ob du nun „vielleicht“, bestimmt oder kein Verschwörungstheoretiker bist; ansonsten kannst du nämlich für deinen Stuss nicht ausschließen, dass dieser durch eine Verschwörung hervor konditioniert wurde …

    Und Jemand, der den Gedanken der UNO als „verschwörerisch“ deklariert, bzw. diesem Gedanken anhängt, der kann einfach, in anbetracht unseres kleinen, blauen zerbrechlichen Planeten, nicht alle Nadeln an der Tanne haben.

    … Deine RAF war übrigens komplett idiotisch und überdies masochistisch: Während man seine „Arbeiterklasse“-Phrasen gedroschen und seine Bömbchen gemixt hat, war man für Diejenigen die man „befreien“ wollte nur „langhaariger Abschaum“, den man „früher in`s KZ gesteckt hätte.“ – Das war dann in den 60ern- und 70ern das sog. „gesunde Volksempfinden“. 😉

    DIE 68er hat es, auch übrigens, nicht gegeben, schon gar keinen monolitischen „antizionistischen“ Blog: In Paris gingen die Studenten unter dem Slogan: „Wir sind alles Juden!“ auf die Straße, und im damaligen Westdeutschland haben sich „DIE“ Linken gegenseitig auf die Schnautze gehauen, und du scheinst vergessen zu haben, dass es letztendlich „DIE“ Linken waren, die den Gedanken der multikulturellen Gesellschaft auf den Weg gebracht haben … dies übrigens vollkommen zu recht, womit für mich geklärt ist, worin u.A. der zivilisatorische und emanzipatorische Fortschritt der 68er bestand.

    Deine vorgebliche sog. „Umerziehung“ hat, zu meinem größten Bedauern, mit dem Beginn des Kaltes Krieges auch nicht mehr stattgefunden, denn man brauchte „das Volk“ als Rückhalt im Kampf der Systeme. Darum gab` es eben dann, speziell ab den 50ern, rückblickend keinen Adolf mehr und „ein Volk“, das da einst „Sieg Heil!“ gebrüllt hat. – Es gab` wieder verstaubte Heimatfilmchen und „Alpenglühen“, und die Wochenschausprecher deklamierten Hüben- wie Drüben noch genauso wie Goebbels. Dennoch gab` es da auch eine Jugend, die einfach mal (im Westteil) bei den GI`s vorbei geschaut hat, weil man eben nicht mehr Mamma und Pappa ertragen hat, die beim Kino-„Alpendoktor“ vor sich hingeweint haben …

    Nimm` es mir nicht krumm: Eigentlich sind, meiner Ansicht nach, “Leute” wie du das dekadente, übersättigte „Kleinbürgertum“ … du hast wahrscheinlich in den Staaten so viele Hamburger gegessen, dass das für dich nun zum Synonym der US-Kultur geworden ist. Solche Kleingeister wie du werden nie begreifen, das Kultur zu keinem Zeitpunkt einfach „nur da“ und somit quasi von Hause wohl lediglich nur “Hamburger” gewesen sei: Seit dem Augenblick, zu dem der Mensch das Laufen gelernt hat, war eine Sippenkultur erledigt, und mit den Stammeswanderungen (auf der Suche nach Nahrungsmitteln) und mit dem Zusammentreffen anderer Stämme (ob friedlich oder kriegerisch), begann eine Vermischung der verschiedenen Stammeskulturen; erst durch diese Befruchtung ist Zivilisation erst entstanden.

    Wenn ich durch Berlin oder andere Metropolen laufe oder fahre, kann ich nicht erkennen, dass dies “US-Clone” seien; sicher gibt es McDonalds als Synonym für “das US-Amerikanische“, wenn ich aber auf den Pappfraß keinen Bock habe, dann gehe ich zum Türken, oder Italiener, oder Spanier … oder zum Weihnachtsmann. Und wenn ich keinen Blockbuster sehen möchte, dann schunkel ich debil mit dem MDR und dessen Volksmusik. – Und gerade du müsstest wissen, dass es eben keine “typische” USA gibt; du widerlegst dich allein dadurch, dass du auf deine Einwandererfamilie verweist – und davon gab` und gibt es Hunderdtausende

    Ich kann ebenfalls nicht erkennen, dass “die Amerikaner” die Kapazitäten oder den Wunsch hätten, um nun “frisch, fromm und frei” überall einzumarschieren, um anschließend unter Feindfeuer ein “McDonalds” oder andere “Verklonungseinrichtungen” für ihre Soldaten aufzubauen. – Vielleicht sollte man auch, natürlich nur so am Rande, noch erwähnen, dass jener Kalte Krieg mit seinen vielen kleinen heissen Stellvertreter-Kriegen vorbei ist … und dass sich auch für die USA die Lage gänzlich geändert hat: mit neuen globalen Bedrohungen, die sich jeder nach eigenem Gusto “ausmalen” kann.

    Was deine Zionismus-Phobie anlangt, so hat Herzl die Welt einen Scheißdreck interessiert, und nach Adolf Hitler und Auschwitz, und mit solchen Typen wie dir, in ihrem Israel-Vernichtungswahn, möchte ich doch für den Staat Israel schwer hoffen, dass es überall eine “Zionisten-Lobby” gibt, selbst wenn jene Lobby gar nicht aus “Zionisten” besteht. *lol*

    Im Übrigen bist du hier auch an der falschen Adressen: Wende dich doch an all` Diejenigen, die Dem, was “die Amerikaner” bringen, etwas abgewinnen können. – “Kläre” die doch über ihre wohl “kulturellen Verirrungen“ auf. – Mir ist soundso nicht mehr zu helfen, da ich einen guten Yankee-Blockbuster der Volksmusik vorziehe, und zu meiner Schande muß ich noch eingestehen, dass ich auch noch Stanley Kramer und Billy Wilder mag` … die alten Hollywood-Juden … ach` du heiliger Strohsack.

    p.s. Aber noch ist Hopfen und Malz nicht verloren, da ich, trotz Folter, mich immer noch weigere einen pappigen Hamburger zu essen und den Döner vorziehe … oder die Spagettis. Ich bin eben kein “echter Deutscher” … mit echtem deutschen Essen, eingeführt durch Slawen, Franken, Brittonen, Romanen und dem ganzen “Völkergemisch”. 😉

  2. Tia, mein deutscher Freund „Axel“, anscheinend hast du nicht ein Wort von dem verstanden, was ich gesagt habe.
    Deswegen wäre jedes weitere Wort umsonst, wahrhscheinlich bist du so verbohrt und geblendet dass du es gar nicht verstehen WILLST.

    Aber eins möchte ich dir noch sagen: Wer „kleine Leute“ bzw. das Kleinbürgertum angreift, der kann sowieso nicht ganz sauber sein und mit dem ist jede weitere Diskussion sinnlos.
    Ich hasse Menschen die sich als was Besseres fühlen…ich studiere, sind Studenten für dich etwa auch nur Kleingeister?

    Und zur RAF und den 68ern: Meine Freundin kommt aus einer richtigen politischen 68er Familie, einer davon ist ein ehemaliges RAF-Mitglied, also wenn du wirklich was über die 68er und RAF wissen willst, dann melde dich auf unserem Blog, vielleicht kriegen wir ihren RAF-Verwandten rum dass er ihr dir mal was darüber erzählt…und damit meine ich keine Hetze von Stefan Aust oder dem Springer-Verlag…

    Achso, und noch was: Googel mal was US-Imperialismus eigentlich bedeutet…vielleicht schaffst du es ja dann über deinen MC Donalds Tellerrand zu blicken und kapierst worum es WIRKLICH geht…;)

    Also, machs gut Axel.^^

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