Prozess gegen NPD-Vorsitzenden in Wolfsburg

Rund ein Jahr nach dem Angriff auf Journalisten bei der Eröffnung des sogenannten „KdF-Museums“ in Wolfsburg muss sich am 19. August 2010 der Vorsitzende des NPD-Unterbezirks Gifhorn Wolfsburg vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft Lars S. aus dem Wolfsburger Stadtteil Vorsfelde vor, am 19. Juli aus einer Gruppe von etwa 30 Rechtsextremen heraus zwei Fotografen attackiert zu haben.

Von Kai Budler für NPD-BLOG.INFO

 

Neonazis gehen in Wolfsburg zum Angriff über (Foto: T. Korn)
Neonazis gehen in Wolfsburg zum Angriff über (Foto: T. Korn)

An diesem Tag wollte der inzwischen verstorbene NPD-Vize Jürgen Rieger in einem ehemaligen Möbelhaus in Wolfsburg den Trägerverein für sein Museum zu Ehren des „Kraft durch Freude Autos“ gründen. Dabei war eine Gruppe von etwa 30 teils vermummten Neonazis aus der Region aufmarschiert, aus der heraus sich ein kleiner Angreifertrupp löste und zwei Journalisten attackierte.

Die Ereignisse wurden gefilmt, das Bildmaterial dient als wichtigstes Beweismittel. Auf dem Video ist der mit einem Tuch vermummte Lars S. zu sehen, wie er als erster einen der Fotografen attackiert. In dem Prozess sind sieben Zeugen geladen, darunter der Journalist und Polizeibeamte.

Bereits Anfang des Monats waren zwei 20- und 21-jährige Neonazis vor dem Amtsgericht Hannover wegen gemeinschaftlich begangener Körperverletzung zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Der 20 Jahre alte Haupttäter aus Wunstorf ist unter anderem wegen Körperverletzung vorbestraft und soll den Fotografen gegen den Kopf geschlagen haben. Beide Angklagten gehören zur organisierten Neonaziszene in und um Hannover.

Absurder Vergleich zu Love-Parade-Opfern

Aufsehen erregte dabei ein Vergleich des Strafverteidigers Klaus Kunze aus Uslar. Er argumentierte, dass sein Mandant keine Körperverletzung begangen habe, da er sich nur gegen unrechtmäßiges Fotografiertwerden gewehrt habe. Zudem seien nicht alle harten Berührungen Körperverletzungen, sonst müssten ja auch alle sich im Gedränge der Duisburger Loveparade befindenden Menschen sich gegenseitig der Körperverletzung schuldig gemacht haben. Auch bei der jetzt anstehenden Verhandlung vor dem Amtsgericht Wolfsburf ist Kunze der Anwalt des Angeklagten.

Siehe auch: Neonazis finanzieren Arbeit gegen Rechtsextremismus, Jahresrückblick: Oktober: NPD-Vize Rieger stirbt, Proteste gegen “KdF-Museum” in Wolfsburg / NPD-Anhänger attackieren Fotografen, NPD-Spitzenfunktionäre wollen KdF-Museum gründen / Szeneinterne Kritik, Rechtsextremes “Kulturzentrum” in Wolfsburg?, Neonazis wollen in Wolfsburg “Kraft durch Freude”-Verein ins Leben rufen.