Europäische Rechtsextreme tagen in Japan

In Japan geht am 18. August 2010 ein einwöchiges Treffen von Rechtsextremen aus Europa und Asien zu Ende. Nach Angaben der schwedischen Zeitschrift Expo nahmen daran Vertreter aus mehreren europäischen Ländern teil, unter anderem seien Mitglieder des Front National (Frankrike), der British National Party (UK), von Jobbik (Ungarn), der Fiamma Tricolore (Italien), des Vlaams Belang (Belgien) sowie der Partido Nacional Renovador (Portugal) nach Fernost gereist.

Von Patrick Gensing

Aus Schweden sei kein Rechtsextremer dabei, schreibt Expo, auch aus Deutschland gibt es keine Teilnehmer. Das britische Magazin Searchlight berichtet, insgesamt seien 20 Rechtsextreme aus Europa zu dem Treffen nach Tokio gereist.

Die Delegation der europäischen Rechtsextremisten in Japan

Die europäischen Rechtsextremen sind in der im Oktober 2009 gegründeten „Alliance of European National Movements“ (AENM) zusammengeschlossen. Hier finden sich extrem rechte Organisationen aus neun Staaten: Belgien, Frankreich, Ungarn, Italien, Portugal, Spanien, Schweden, Ukraine sowie Großbritannien. Dies Parteien können in ihren Heimatländern teilweise erhebliche Wahlerfolge vorweisen – ganz im Gegensatz zu NPD, DVU oder auch der Pro-Partei, die sich teilweise an den AENM-Mitgliedern orientiert. Ziel der AENM ist es, im Europäischen Parlament die Fraktionsstärke zu erreichen. Fraktionen erhalten mehr Geld und können an diversen Ausschüssen teilnehmen. Die europäischen Rechtsextremen im Europaparlament hatten sich schon einmal zusammengeschlossen, waren aber an ihrem eignen Fremdenhass gescheitert.

Bekanntester Funktionär der AENM dürfte Nick Griffin sein, der als Vize-Präsident fungiert. Der AENM-Präsident Bruno Gollisch ist ebenfalls in Japan anwesend; er spricht laut Searchlight fließend japanisch. Dies gilt auch für Bela Kovacs von der ungarischen Jobbik-Partei.

Organisiert wurde das Treffen den Angaben zufolge von der ultranationalistischen Organisation „Nippon Issuikai“, die 1972 gegründet wurde. Ähnlich wie deutsche Neonazis sehen die japanischen Gesinnungsfreunde ihre Regierung als amerikanisches Marionettenregime an. Zudem vertreten auch die japanischen Rechtsextremisten – wenig überraschend – revisionistische Positionen und leugnen Kriegsverbrechen, bzw. wollen diese relativieren. Die Rechtsextremen ließen es sich daher auch nicht nehmen, dem Yasukuni-Schrein zu besuchen.

Siehe auch:  Publikation: Europa im Visier der Rechtsextremen, EU-Parlament: Nationalisten scheitern am eigenen Nationalismus

4 thoughts on “Europäische Rechtsextreme tagen in Japan

  1. Was genau ist die politische Intention von belgischen, französischen und englischen Rechts-Politikern den Yasukuni-Schrein zu besuchen? Soll das eine Art universale Heldenverehrung sein oder den unterbewussten Wunsch ausdrücken, von Deutschland und seinen Alliierten mal wieder besucht zu werden? Schließlich gedenken sie damit den Leuten, deren Verbündete ihre eigenen Soldaten ermordet haben.

    Es ist aber schön zu sehen, dass nicht nur deutsche Nazis in dem Konglomerat von Verschwörungstheorien, das sie „Geschichte“ nennen, über ihre eigenen Füße stolpern.

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