NPD-Diskussionsangebot an antiimperialistische Linke

Schon seit vielen Jahrzehnten geistert der Begriff Querfront durch die Köpfe von rechtsradikalen Strategen. Nun ist es die NPD in Hamburg, welche ein Diskussionsangebot an das linksdogmatische, antiimperialistische Lager in der Hansestadt ausspricht. Konkret bezieht sich die NPD dabei auf die B5, welches als wichtigstes Zentrum der antiimperialistischen Linken in Hamburg gilt.

Von Patrick Gensing

Schlagzeilen macht die B5, als Aktivisten aus ihrem Spektrum die Vorführung eines Films des jüdischen Regisseurs Claude Lanzmann verhinderten. Eine Aktion, die bei den Neonazis offenbar Eindruck hinterlassen hat, genau wie die knallharte antizionistische Linie in der B5 sowie in großen Teilen der Linkspartei.

Knallharte Bande gegen Israel – das kommt bei rechten Antisemiten gut an.

Daher schreibt die NPD-Hamburg nun:

In der aktuellen Ausgabe der sozialistischen Zeitschrift „der Funke“ ist interessanterweise genau definiert, wie die klaren Ziele der antiimperialistischen Strömung aussehen und wie viele Gemeinsamkeiten mit dem weltanschaulichen Fundament der NPD vorhanden sind. Zu nennen ist unter anderem der politische Kampf für ein freies, soziales und kulturelles Leben innerhalb eines deutschen Volksstaates. Desweiteren wird die Achtung und Erhaltung der Natur und des Tierschutzes aufgeführt. Auch der geistige Widerstand gegen den Kapitalismus, gegen die Ausbeutung sozial benachteiligter Angehöriger unseres Volkes, sowie der Kampf gegen politische Repression, internationale Kriege der USA und die Zersetzung der geistigen und kulturellen Substanz unseres Volkes sind Bestandteile der Forderungen der Zeitschrift, die die NPD Hamburg voll und ganz unterstützt! […] Angesichts dieses Sachverhaltes stellt sich doch die Frage, warum der Dialog zwischen den Vertretern der Antiimperialisten und nationalrevolutionären Kräften aus NPD, JN und freien Kräften nicht zustande kommt. Gerade unsere jungen Aktivisten wären bereit, mit deutschen Jugendlichen von der vermeintlichen „Linken“ zu diskutieren und vom Dialog eventuell positive Akzente für die Zukunft zu erzielen. Das klare Ziel sollte dabei die Zukunftsgestaltung unseres deutschen Volkes und unserer deutschen Nation sein, sowie die Betonung des Antikapitalismus. Die klare Frage für die Zukunft lautet nicht mehr, ob man sich politisch als „links“ oder „rechts“ einordnet, sondern vielmehr, wie man sich zu unserem deutschen Volk und Land positioniert. Daher fordern wir die Betreiber des antiimperialistischen Zentrums auf, sich zu überwinden und auf unser Diskussionsangebot einzugehen.

Auch wenn dieses Angebot sicherlich nicht angenommen wird – vielleicht sollte man sich aber doch einmal Gedanken machen, warum Neonazis überhaupt auf die Idee kommen, so ein Angebot auszusprechen. Auch Glückwunsche aus der NPD an die Linksfraktion zum „Tabubruch“ werfen Fragen auf. 

Lesetipp: Antisemitischer “Kommunisten-Rap“ bei der SDAJ  

In der Linken finden so genannte anti-imperialistische Positionen, die den Nahost-Konflikt als anti-zionistisches und anti-israelisches Schlachtfeld nutzen, zunehmend Raum. Anfang des Jahres verglich der antizionistische Hardliner Wolfgang Gehrcke den israelischen Außenminister Liebermann mit Altnazis. Bei Abgeordnetenwatch äußerte er:

Liebermann wird auch nachgesagt, er sei in dunkle Korruptionsgeschichten verwickelt und unterhalte Beziehungen zur russischen Mafia. Er gilt als gewalttätig und wurde, weil er einen 12-jährigen Jungen verprügelte, zu einer Geldstrafe verurteilt. All dies wären gute Gründe, Liebermann nicht zum Außenminister Israels zu ernennen. Dennoch ist Netanjahu eine Regierungskoalition mit Liebermann und seiner ultrarechten Partei eingegangen, weil er nur so erneut Israels Ministerpräsident werden konnte.

Wir als Deutsche kennen das sehr gut: Alte Nazis sind nach dem Krieg in hohe Staatsämter gehievt worden und ihre Gastgeber mussten gute Mine zu bösem Spiel machen. […] Die LINKE ist gegen die gemeinsamen Konsultationen der Bundesregierung mit der israelischen Regierung, die erst seit Angela Merkels Kanzlerschaft eingeführt wurden.

Oft werden bestimmte Äußerungen der NPD in der Öffentlichkeit skandalisiert, um das “wahre Gesicht” der Neonazis aufzuzeigen. Auch zu Israel hat sich die Partei jüngst geäußert. Die NPD schrub: 

Mit Empörung reagierte heute der NPD-Fraktionsvorsitzende Holger Apfel auf die Nachricht vom Überfall der israelischen Streitkräfte auf mehrere Schiffe, die in internationalen Gewässern mit Hilfsgütern für den abgeriegelten Gaza-Streifen unterwegs waren.Holger Apfel (NPD) erklärte dazu:“Man ist von Israel ja einiges gewohnt, aber der Angriff mit mindestens 10 Toten stellt eine neue Qualität des israelischen Staatsterrorismus dar.

Man muß sich allerdings nicht wundern, daß Israel im Rambo-Manier Schiffe kapert und dabei auch Menschen umbringt, denn der Zionistenstaat steht bekanntlich international außerhalb jeder ernsthaften Kritik. Seit der Gründung des Staates 1948 und der damit verbundenen millionenfachen Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung zieht sich eine Blutspur durch die gesamte Geschichte Israels.

Ich fordere den sofortigen Abbruch der diplomatischen Beziehungen Deutschlands zu dem Schurkenstaat und die Verhängung von politischen und wirtschaftlichen Sanktionen gegen Israel. Der Überfall muß durch eine internationale Untersuchungskommission genauestens aufgeklärt werden. Selbstverständlich sind auch sofort alle Zahlungen der BRD und der EU an das Netanjahu-Regime zu stoppen. 

Ein öffentlicher Aufschrei blieb aus. Offenbar sind NPD-Positionen in Sachen Israel in Deutschland kein Skandal. Kein Wunder, schon 2002 sagte beispielsweise Peter Sloterdijk, die USA und Israel seien die “eigentlichen Schurkenstaaten”. Obwohl man das ja angeblich gar nicht sagen darf…

Siehe auch: Israels Existenzkampf: Eine moralische Verteidigung seiner KriegeNPD gratuliert Linksfraktion zum “Tabubruch”, Vorführung von Lanzmann-Film auf St. Pauli verhindert, Völkische Querfront: Glückwunsch, Ahmadinedschad!, “Israel-Kritik”: Wenn NPD-Positionen nicht auffallen

23 thoughts on “NPD-Diskussionsangebot an antiimperialistische Linke

  1. Tja, so wankelmütig ist die NPD typischerweise: Nach dem letzten Gesprächsangebot fordert man in Hamburg nun wieder

    „die Schließung aller linken Zentren, die Ausschöpfung des staatlichen Gewaltmonopols im nationalen Sinne sowie eine einheitliche Regelung zur Bekämpfung aller antifaschistischen/volksfeindlichen Bestrebungen.“

    Nanu, das klingt ja plötzlich gar nicht mehr so bieder-demokratisch-pluralistisch, wie man in Wahlkämpfen gerne erscheinen möchte. Man sieht unter anderem auch das B5 als

    „ein weiteres Zentrum linksextremistischer Gewalt“.

    Warum man mit denen vor kurzem aber noch Kontakt haben wollte, erklärt man natürlich nicht, dient es doch dazu, „deutsche Jugendliche politisch, kulturell und sexuell zu verwirren.“

    Auf deutsch: Antifaschismus macht schwul, Ihr lieben Süßen…

    Immer wieder amüsant, Einblick in die kleine, bizarre Weltsicht der Nazis zu bekommen. Leider haben sie dieses Mal vergessen, allen Antifaschisten notorischen Drogenkonsum zu unterstellen, gehört doch sonst zu den Standard-Textbausteinen. Vielleicht wieder nächstes Mal :-)

Comments are closed.