BSC 99 Laucha trennt sich von NPD-Jugendtrainer

Lutz Battke (Screenshot MDR)

Der Sportverein BSC 99 Laucha hat sich von einem rechtsextremen Nachwuchstrainer getrennt. Nach einem Bericht der „Mitteldeutschen Zeitung“ hat der Vereinsvorstand bereits am Freitag entschieden, dass der Trainer angesichts der anhaltenden Kritik von außen gehen muss. Der Fußball-Trainer sitzt seit 2007 für die NPD im Kreistag des Burgenlandkreises und ist Vorsitzender der NPD-Fraktion im Stadtrat von Laucha. Zudem kandidiert er auf der NPD-Landesliste für die Landtagswahl im kommenden Jahr.

Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Hövelmann nannte die Entscheidung des Sportklubs laut MDR überfällig. Auch der Deutsche Olympische Sportbund äußerte sich demnach erleichtert. Schon vor Wochen hatte er von Sachsen-Anhalts Landessportbund gefordert, dafür zu sorgen, dass der Trainer den Verein verlassen muss.

Der BSC 99 Laucha war in die Schlagzeilen geraten, weil einer seiner Spieler im April einen israelischen Jugendlichen überfallen und misshandelt haben soll. Im Juli wurde Anklage gegen den 20-Jährigen erhoben. Vom Spielbetrieb wurde er suspendiert. Forderungen, den rechtsextremen Trainer zu entlassen, hatte der Verein aber abgelehnt.

Der rechtsextreme Jugendtrainer beim BSC 99 Laucha war kein Einzelfall. Nach Recherchen des MDR spielen oder trainieren auch in anderen Fußballvereinen der niederklassigen Ligen verurteilte Neonazis oder bekannte NPD-Kader. So stürmt demnach beim Landesligisten ASG Vorwärts Dessau ein polizeibekannter rechter Gewalttäter. Ein weiterer verurteilter rechter Gewalttäter trainierte eine Jugendmannschaft bei dem Verein. Selbst der Verfassungsschutz ist schon aufmerksam geworden. Hilmer Steffen vom Landesverfassungsschutz in Magdeburg sagt: “Wir können im Zusammenhang mit den Aktivitäten des Sportvereins in Dessau feststellen, dass Rechtsextremisten in diesem Sportverein tätig sind, im Fanbereich und auch als aktive Spieler.”

Für Thomas Hahnel vom Verein Miteinander, der sich gegen Rechtsextremismus engagiert, ist die Strategie der NPD klar: “In einer Kleinstadt ist es natürlich ein ganz wichtiger Punkt, in so einem Fußballverein präsent zu sein”, sagt er. “Da hat man Einfluss und den nutzt die NPD, wenn es ihr durchgelassen wird.”

In Mecklenburg-Vorpommern soll unterdessen verhindert werden, dass Neonazis schon im Kleinkindalter Einfluss auf den Nachwuchs übt. Daher müssen alle privaten Träger, die einen Kindergarten im Land betreiben wollen, sich zum Grundgesetz bekennen. “Mich treibt die Sorge um, Rechtsextreme könnten Träger von Kindergärten werden”, sagte Sozialministerin Manuela Schwesig laut taz. In der Erklärung heißt es: “Ich erkläre, dass ich nicht Mitglied in einer Partei oder einer sonstigen Gruppierung mit einer der Verfassungsordnung widersprechenden Zielsetzung bin.” Schwesig zufolge dürfe niemand eine Kita übernehmen, wer sich nicht zweifelsfrei zum Grundgesetz bekenne. Hintergrund des Erlasses sind mehrere Bewerbungen von Rechtsextremen um Kita-Trägerschaften. So hatte sich in Bartow (Kreis Demmin) ein NPD-Mitglied angeboten, die von Schließung bedrohte Kita zu leiten. Der Gemeinderat verhinderte in letzter Minute das Vorhaben.

Siehe auch: Rechtsextremer Kaminkehrer und Trainer sollen gehen, Angriff auf Nachkommen von Holocaust-Opfer: Das Trauma bleibt, Sachsen-Anhalt: NPD-Bezirksschornsteinfeger darf vorerst weiter kehren

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