„Trauermarsch“: Winnie Pooh und DGB vor Gericht

In der Literatur ist Winnie Pooh ein freundlicher Bär von überaus rundlicher Gestalt. Seine Entsprechung im wirklichen Leben ist ein Neonazi-Kader und kommt aus dem niedersächsischen Verden an der Aller. Er heißt Matthias Schulz und wird in Szenekreisen ebenfalls Winnie Pooh genannt – allerdings gewiss nicht, weil er für ein ähnlich freundliches Gemüt bekannt wäre, wie sein Ater Ego aus der Literatur.

Von Werner Ohsenroth für NPD-BLOG.INFO

Quelle: Recherche Nord

Dieser „echte Winnie Poh“ erweist sich als äußerst streitlustig – und diese Streitlust könnte er heute vor dem Verwaltungsgericht Hannover ausleben. Die Richter haben ihn nämlich zu einem Erörterungstermin mit seinen Widersachern eingeladen. Diese kommen zu großen Teilen aus Bad Nenndorf.

Dort will Schulz am Sonnabend als Anmelder des sogenannten „Trauermarsches“ mit bis zu 1000 braunen Freunden die Geschichte in seinem Sinn verdrehen und auf die angeblichen Verbrechen der Alliierten an Nazi- Schergen hinweisen. Weil man aber Winnie Pooh, seine Freunde und deren „Anliegen“ nicht schätzt, werden sich mindestens ebensoviele Menschen unter dem Banner von „Bad Nenndorf ist bunt“ entgegenstellen.

Und genau da beginnt das Problem: Denn die zuständige Versammlungsbehörde, der Landkreis Schaumburg, hat für beide Seiten strenge Auflagen erlassen – für Winnie Poh und seine braunen Freude aber sind diese Auflagen noch ein klein wenig strenger – und das bringt ab heute die Versammlungsbehörde selbst in juristische Schwierigkeiten.

Denn sie billigte den Neonazi-Gegnern doch Teile einer Aufmarschroute zu, die sie den Neonazis zuvor versagt hatte. Möglicherweise steht das in Widerspruch zur gängigen Rechtsprechung. Die hat für die Streckenauswahl bei Demonstrationen und Gegenveranstaltungen nämlich das sogenannte „Müller-Prinzip“ ersonnen: Wer zuerst kommt, der mahlt auch zuerst. Grundsätzlich erhält der Erstanmelder bei der Streckenauswahl den Zuschlag.

30 Jahre im Voraus angemeldet

Das wären in diesem Fall die Neonazis – sie hatten ihre „Trauermärsche“ für 30 Jahre im Voraus angemeldet. Das sieht man auch beim Verwaltungsgericht in Hannover so. Deshalb hat es beide Seiten zum Erörterungstermin gebeten. Für den DGB-Regionsvorsitzenden Niedersachsen Mitte, Sebastian Wertmüller, ein ebenso belastender wie ungewöhnlicher Termin: „Wir kooperieren gern mit den Versammlungsbehörden – aber wir kooperieren nicht mit Rechtsextremisten und ihren Rechtsvertretern“, sagt Wertmüller.

Zwar ist kaum anzunehmenden, dass die (aus Neonazi-Sicht) vorausschauende 30- Jahre-Anmeldung dem Kopfe von Winnie Pooh alias Matthias Schultz entsprungen ist. Doch der könnte heute vor Gericht seinen großen Auftritt haben. Doch auf den verzichtet er – offenbar hat er noch eine Ähnlichkeit mit dem Winnie Pooh aus der Literatur – der Bär gilt als ängstlich. Schultz schickt seinen Anwalt vor – und verzichtet auf die große Bühne.

Siehe auch: Auflagen für Proteste erleichtern Neonazi-”Trauermarsch”, Mit Blockaden gegen den Naziaufmarsch in Bad Nenndorf