NPD-Pressefest: 1500 Neonazis im Regen

Die NPD hat ihr jährliches Pressefest im „Niederschlesischen Feriendorf“ am Quitzdorfer Stausee bei Niesky in Sachsen veranstaltet – und „nur“ 1500 Neonazis waren dabei. Nach dem Fest der NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“ kam allerdings Kritik an der Veranstaltung in der rechtsextremen Bewegung auf. Grund: Das Hochwasser in Görlitz. In einem bekannten Neonazi-Forum schreibt ein Kommentator zu dem „Pressefest“:

„Wie kann man ruhigen Gewissens feiern, wenn an anderer Stelle Deutsche Hand in Hand gegen die Wassermassen kämpfen? Und vor allem, wie kann man sich maßlos betrinken wenn die Menschen in Not sind, die von der NPD gewonnen, angesprochen und überzeugt werden sollen? Es äußern sich Stimmen, das man das Fest nicht hätte abbrechen können, da die Partei pleite sei und im Vorfeld schon zuviel Geld in das Pressefest investiert wurde. Aber wenn eine selbsternannte, völkische Partei nicht in der Lage ist anderen Volksgenossen in Not zu helfen und aus Profitgründen ein Fest feiern muß, dann kann man nur noch feststellen, das diese Partei absolut handlungsunfähig ist. Wenn aus finanziellen Gründen keine Volksgemeinschaft möglich ist, dann ist das ein Trauerspiel und man muß sich fragen warum diese Partei anscheinend künstlich am Leben gehalten wird.“

Die „Volksgemeinschaft“ ist also offenbar finanziell abgebrannt. Überhaupt scheint die Verbitterung über die NPD recht groß. Und so schlägt ein anderer Kommentator, der sich offenbar als „Autonomer Nationalist“ versteht, vor, einfach mal schnell eine neue Partei zu gründen:

Schau dir doch mal die Piratenpartei an. Das Ding ging auch wie eine Welle durch’s Land und hat in kurzer Zeit zahlreiche Anhänger gefunden. […] Ich weiß das es ohne Kapital nicht geht. Aber wie gesagt einfach weiterfeiern wenn anderen schlimmes widerfährt. Und dann Sozialismus prädigen?

Nach dieser Zwischen“prädigt“ wird der Plan zum Helfen beim Hochwasser schließlich verworfen, denn die Neonazis rechnen nur mit wenig öffentlicher Aufmerksamkeit – lohnt sich also nicht:

Glaubst du tatsächlich, daß die Zeitungen oder das Fernsehen darüber berichten würden, wenn 1000 „pöse Nazis“ Sandsäcke befüllen würden?

Aber ja, möchte man einwerfen, denn schon der berühmte Reissack in China hat es bekanntlich weit gebracht. Aber die Einwohner von Görlitz werden sich bedanken, wenn eine Horde verkaterter Neonazis in das Flutgebiet einfällt, um im Kameraschein und Blitzlichtgewitter ein paar Sandsäcke zu füllen.

1500 Neonazis im Dauerregen

Laut taz wäre dies auch auf dem Pressefest selbst angesagt gewesen, da es viel Regen gab.  Laut Veranstalter mit 1.500 Menschen. Kerstin Köditz von der sächsischen Linksfraktion betonte, das Fest sei vor allem vom militanten Spektrum besucht worden.

Erstmals verlieh die Deutsche Stimme den Angaben zufolge auch ihren „Widerstandspreis“. Preisträger 2010: Das Gedenkbündnis Bad Nenndorf. Seit fünf Jahren richten sie eine Marsch gegen die „alliierten Kriegs- und Nachkriegsverbrecher in der niedersächsischen Stadt aus. Teilnehmerzahl steigend. Am 14. August hoffen sie auf 1.000 Neonazis.

„Zensur“ bei Altermedia?

Einen netten Fauxpas erlaubte sich einmal mehr die Neonazi-Hetzseite Altermedia aus Stralsund, wo die Nerven offenbar zunehmend blank liegen. Zum NPD-Pressefest hatte man keine aktuellen Informationen vorliegen – und verlinkte daher auf einen Bericht bei Telepolis. Allerdings wurde in dem Beitrag beispielsweise Jürgen Rieger als Redner auf dem Pressefest erwähnt. Tatsächlich stammt der Artikel aus dem Jahr 2006, was den Altermedia-Vollzeithetzern Hohn und Spott des Mobs einbrachte.

Mossad? Gensing? Oder doch nur die Schriftleitung? Bei den "Regime-Kritikern" und aufrechten Kämpfern gegen die "Zensur" ist ein Artikel samt Kommentaren verschwunden. (Dank an Tom Waurig, Aktion Zivilcourage e.V.)

Mittlerweile wurden Beitrag inklusive aufschlussreiche Kommentare allerdings vollständig gelöscht. Das ist dann wahrscheinlich keine „Zensur“?! Nun können Fehler selbstverständlich passieren, aber wie schon mehrere Protagonisten aus der rechtsextremen Bewegung bemerkten, halten sich die Altermedia-Betreiber für unfehlbar…

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7 thoughts on “NPD-Pressefest: 1500 Neonazis im Regen

  1. „…die Neonazi-Hetzseite Altermedia…“

    Dieses Schriftgut zum Thema „Pressefest“ würde natürlich kein gestandener möchtegernlinker als Hetze beschreiben. Sehr witzig, wo bleibt da die Intelligenz, die stetig in selbstbeweihräuchender Manier über sich selbst ausgegossen wird?

    Ich würde euch „betriebsblinde Glashausbewohner mit einer gehörigen Portion Unfähigkeit zur Selbstreflexion“ nennen.

    In Erwartung von Zensur meiner Meinung verbleibe ich

    MfG

  2. @ Christian:
    Wie wuerdest du denn Altermedia nennen?

    Ansonsten versteh ich nicht mal, wo in deinem verschwurbelten Satz ( der dich wohl als Moechtegern (mit grossen „M“) -Intelektuellen outet) der Punkt ist, der mich interessieren koennte.

    Gruesse aus dem Glashaus (hier ist wenigstens die Aussicht schoen)!

  3. erschreckend, wieviele nazis es gibt. diesen menschen kann man nicht zuhören, da wird einem ja schlecht „wenn deutsche hand in hand kämpfen“. wir sollten uns fragen wo das hinführen wird. mit unserer sozialpolitik und unserer finanzpolitik stehen wir bald wieder dort wo wir kurz vor hitler standen, wenn sich nichts ändert. und wenn es jetzt schon dermaßen viele nazis gibt, wieviele werden es dann sein? selbst eine bröckelnde NPD hält solche leute nicht auf.
    aber ein bisschen hat mich das ganze ja doch amüsiert: ein so stolzer deutscher schreibt doch tatsächlich „prädigen“ – kann seine eigene sprache nicht sprechen, ist aber nazi – dämlich oder idiotisch???
    im übrigen, wenn die nazis die todestrafe für unmenschliche verbrechen fordert, wäre ich an ihrer stelle mal ganz leise 😉

  4. Heisst das nicht
    „Immer lustig und vergnuegt,
    bis der Ar**h im Sarge liegt,
    ballerst du durch diese Welt,
    Peter Maffay ist dein Held!“ ?

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