Hansa-Fans schmeißen NPD-Delegation aus dem Stadion
Gerne spielt sich die NPD als Anwalt von kriselnden Traditionsvereinen auf. Diese werden dann als vermeintliche Opfer von Globalisierung und Kommerzialisierung dargestellt – jahrelange Misswirtschaft wird hingegen einfach verschwiegen. Die Vereine sind zumeist wenig glücklich über den braunen Support - und auch Fans des FC Hansa Rostock haben den Neonazis nun gezeigt, was sie von deren Erscheinen im Stadion halten: nämlich nichts. Rund 150 Hansa-Fans drängten die etwa 25 Mann starke Abordnung um den NPD-Fraktionsvorsitzenden Udo Pastörs beim Drittliga-Heimspiel gegen TuS Koblenz aus dem Stadion, berichtet das Juso-Projekt Endstation Rechts.
Für Hansa Rostock interessiere man sich im Umfeld der rechtsextremen Partei schon seit längerer Zeit, schreibt ER weiter. Auf dem NPD-nahen Nachrichtenportal MUPINFO finde sich seit dieser Saison nach jedem Spiel, ob zuhause oder auswärts, ein kurzer Spielbericht. Und vor kurzem fragte Michael Fischer in einem Beitrag: „Hansafans auf linken Abwegen?“ Er meinte demnach festgestellt zu haben, dass die „politische Ausrichtung vom vermeintlichen ,Nazispektrum‘ in die linke Ecke“ gedriftet sei. Der übliche Spielbericht auf dem Portal fiel allerdings nicht aus, wie Endstation Rechts schreibt, sondern steht mittlerweile auf den Seiten. Zu der Aktion gegen die NPD schreibt MUPInfo (der Stil erinnert etwas an längst vergangene “Fantreff”-Artikel aus den 1980iger Jahren):
Vor dem Spiel kam es zu unschönen Auseinandersetzungen im Stadion infolge derer Nationalisten an der Beiwohnung der Partie gehindert wurden. Hierzu werden wir noch gesondert berichten. Im Übrigen ist es sicher keine Schande mit 25 Personen, darunter eine schwangere Frau, gegen 150 zu unterliegen.
Etwas erstaunlich erscheint es allerdings, dass Endstation Rechts die Aktion der Hansa-Fans gegen die NPD offenbar durchweg gutheißt, da ein solches Vorgehen anderen Argumentationsmustern der Sozialdemokraten aus Mecklenburg-Vorpommern zufolge den Neonazis einen Anlass für Gewalt bieten könnte – so zumindest eine Argumentation bei friedlichen Blockaden.
Hoffentlich kommen “diese Idioten” nie wieder
Auch im Hansa-Forum wurde die Aktion gegen die NPD lauthals begrüßt. Einer bilanziert:
Hoffen wir, dass sich diese Idioten nie mehr bei uns sehen lassen. Hansa ist nicht das Mittel mit dem sie ihre menschenverachtende Ideologie verbreiten können.
Angriff auf St.Pauli-Fans
Unklar ist derweil noch, was hinter einem Angriff von 40 bis 50 vermummten Personen auf eine Fan-Party des FC St. Pauli steckt. Wie zu vernehmen war, könnte es sich bei den Angreifern um Ultras aus Nordostdeutschland gehandelt haben. Das Freundschaftsspiel zwischen den “Skinheads St. Pauli” und USP fand trotz des Zwischenfalls statt.
Siehe auch: “Rechtsradikale Hansa-Fans”: Der Ball liegt in Rostock, “Gewaltfreie (Sitz)blockaden dürfen nicht kriminalisiert werden!”, Fußball, identitärer Lokalpatriotismus und Gewaltfetisch, Heimatschutz in Mecklenburg-Vorpommern

[...] This post was mentioned on Twitter by NPD-BLOG.INFO and Frank Widdel, Jugendnetz Wetzlar. Jugendnetz Wetzlar said: RT @npdblog: Hansa-Fans schmeißen NPD-Funktionär Pastörs aus dem Stadion http://npd-blog.info/2010/08/08/hansa-npd-200/ [...]
“Gerne spielt sich die NPD als Anwalt von kriselnden Traditionsvereinen auf. Diese werden dann als vermeintliche Opfer von Globalisierung und Kommerzialisierung dargestellt – jahrelange Misswirtschaft wird hingegen einfach verschwiegen.”
Es ist nicht zu leugnen das gerade Traditionsvereine aus der Regionalliga durch die Kommerzialisierung stark betroffen sind. Durch verschiedene Vereine und Fanprojekte wurde deshalb die Initiative “Pro-Regionalliga” gegründet die sich für eine Reform dieser Liga ausspricht um die Zuschauerzahlen in dieser Liga wieder nach oben zu bringen und den fairen Wettstreit wieder vor kommerzielle Interessen zu stellen.
Jedem Fußballfan und jedem Ultra dürfte klar sein das gerade Nazis mit ihren rassistischen Äußerungen im Stadion gegen diesen gewollten fairen Wettstreit sind. Wer Spieler aufgrund ihrer Herkunft oder Hautfarbe beleidigt, dem geht es nicht um den Sport, im Gegenteil, er verdirbt allen Sportsfreunden die Lust am Fußball. Nazis haben im Stadion nichts verloren – übrigens auch nirgendswo anders!
Anstatt aber die Tatsache zu leugnen das es eine perverse Kommerzialisierung des Fußballs gibt sollte mensch lieber aufzeigen worum es den Nazis wirklich geht – worum es ihnen bei allem geht was sie tun – nämlich durch soziale Demagogie die Menschen gegeneinander auszuspielen um so ihren Führerstaat zu errichten.
Aufwachen DFB!
Regionalligareform 2012!
Nazis raus aus den Stadien!
Alerta! Antifascista!
Sehen Sie Herr Gensing, der “Anlass zu Gewalt” wird auch als Konfrontationsgewalt bezeichnet. Hier handelt es sich um eine Reaktion von Rechts auf Links oder eben umgekehrt. Gestern im Stadion wurde die NPD aber nicht nur von Linken rausgeschmissen. In dem Block standen kahlköpfige Stiernacken mit Thor-Steinar-Pullis und dass die alle die Grünen wählen, ist nicht anzunehmen. Es ging m.E. nur darum, zu zeigen, dass Politik im Stadion nichts zu suchen hat. Gut möglich, dass man hier im Osten nach einer staatlich gesteuerten DDR-Oberliga empfindlicher auf Versuche reagiert, den Fußball politisch zu vereinnahmen. Dies ist im Übrigen auch der Grund für die Fehde mit Pauli!
Mit der Unterbindung von Grundrechten hat dieser Stadionrausschmiss aber rein gar nichts zu tun. Insofern ist es auch nicht “erstaunlich”, wie sie schreiben, dass ich die Aktion auf ER gutheiße. Bei der Aktion ist niemand sichtbar verletzt worden und die NPD konnte mit Polizeieskorte das Stadion gesittet verlassen.
Lieber Herr Scholz,
das habe ich nicht verstanden.
Wenn es sich also um eine “unpolitische” Aktion (was es in meinen Augen nicht gibt, aber das ist ein anderes Thema) handelt, dann ist das Rausschmeißen von Nazis okay? Wenn aber Antifaschisten eine Nazi-Demo friedlich blockieren, dann ist das nicht okay?
Nicht dass Sie mich falsch verstehen: Ich halte es für begrüßenswert, Nazis aus dem Stadion zu schmeißen. Offenbar gab es dabei aber durchaus Verletzte, zumindest laut (angeblichen) Augenzeugenberichten im Hansa-Forum.
Zudem bezog sich mein Erstaunen ja auch auf Ihre, bzw. Brodkorbs Argumentation bezüglich gewaltfreien Blockaden. Wären Blockaden denn in Ihren Augen künftig zulässig, wenn Sie von “unpolitischen” Bürgern durchgeführt werden, die einfach nur “alle Extremisten” aus dem jeweiligen Städtchen vertreiben wollen?
Grüße
Patrick Gensing
Es ist keine unpolitische, sondern eine apolitische Aktion gewesen. In meinen Augen besteht da ein Unterschied. Die Auseinandersetzung war nicht links gegen rechts, sondern gegen Politik im Stadion. Wahrscheinlich wäre ich mit Endstation Rechts-Fahne genauso aus dem Block verjagd worden, wie die NPD.
Demonstrationen sind per se politisch und sind durch das Grundgesetz geschützt. Die Unterbindung einer genehmigten Demonstration bedeutet, sich über die Verfassung zu erheben und zu entscheiden, was Recht ist und was nicht. Das halte ich für fatal.
Wen Sie in ihr Wohnzimmer lassen, entscheiden Sie aber selbst. Und in das neue Wohnzimmer der Hansafans auf der Südtribüne soll nun mal keine Politik. Das ist nur die Durchsetzung des “Hausrechts”.
Zu den Verletzten: Ich habe den NPD-Tross gesehen. Da hat niemand geblutet, da wurde niemand gestützt und die Leute wurden nicht von Sanitätern begleitet, sondern von der Polizei. Die Schwangere, von der berichtet wird, habe ich auch nicht gesehen. Eine Hochschwangere war also nicht mit dabei. Mal abgesehen von der Lautstärke halte ich es von der werdenden Mutter bei dem Gedränge, der im Fanblock herrscht, ohnehin für verantwortungslos ausgerechnet diesen Teil des Stadions aufzusuchen.
Lieber Herr Scholz,
ich habe übrigens noch einen zweiten Punkt, den ich für diskussionwürdig halte. Sie schreiben:
“Gut möglich, dass man hier im Osten nach einer staatlich gesteuerten DDR-Oberliga empfindlicher auf Versuche reagiert, den Fußball politisch zu vereinnahmen. Dies ist im Übrigen auch der Grund für die Fehde mit Pauli!”
Dies ist aus meiner Sicht falsch. Eigentlich dachte ich, die Legende, St. Pauli habe “die Politik” ins Stadion gebracht, sei mittlerweile erledigt. Offenbar ist dem nicht so. Daher ein kleiner Rücksprung in die 1980iger und 1990iger, als viele Kurven fast No-Go-Areas waren (auch wenn Kollegen wie P. Köster diese Zeit gerne verklären).
Rassismus und Agitation von Neonazi-Gruppen waren in mehreren Stadien normal. Die antifaschistische Fanbewegung bei St. Pauli war eine Gegenbewegung – die im Übrigen, Ironie der Geschichte, den heutigen kommerziellen Erfolg des Fußballs wohl erst möglich gemacht hat. Denn eine rassistische Hass-Atmosphäre hätte sich wohl deutlich schwieriger vermarkten lassen können.
In dem NDR-Film Mythos FC St. Pauli, den ich mit Kristopher Sell gemacht habe, beschreibt Slime-Sänger Dirk Jora sehr eindrücklich, warum er in den 1980igern vom HSV zu St. Pauli gewechselt ist (und den Verein wechselt man nicht wie eine Unterhose!). Siehe dazu hier ab Minute 03:00
So, und in den 1990igern war es bei Hansa-St. Pauli ein rechter Mob, der im und ums Stadion gewütet hat. Alles nur, weil St. Pauli politisch “steuern” wollte? Da machen Sie es sich aber ein bisschen zu einfach.
Grüße
Patrick Gensing
Herr Scholz, ich verstehe Ihre Argumentation nicht. Wenn Herr Pastörs sich jetzt das Spiel privat ansehen wollte, dann wäre der Rausschmiss nach Ihren Worten also nicht in Ordnung, als Politiker darf man ihn aber rausschmeißen? Wie wollen sie das trennen? Das wird man in der Praxis kaum durchführen können, oder ist er eindeutig mit Parteiabzeichen, Werbematerial usw. aufgetreten?
So unpolitisch kann die Hansa-Menge in der Situation auch gar nicht gewesen sein, wenn sie “Nazis raus” gerufen hat – und nicht etwa “Politiker raus”. Insgesamt ein sehr schönes Zeichen, dass die braunen Provokationen der letzten Jahre nicht für alle Fans stehen. Denn der Kommentator “Jürgen Schwab” kontert auf ER gleich mit einer anderen, Nazi-typischen Argumentationsstrategie, der kollektiven Vereinnahmung:
“Dann noch 150 Mann. Wie viele waren im Stadion? Mehre Tausend wahrscheinlich, die sich nicht rührten. Da wählen nächstes Jahre sicherlich viele NPD.”
Nach dem Prinzip: Wenn sich nicht gegen uns wehrt, ist für uns, sieht man sich ja gerne in der “Mitte des Volkes”.
Lieber Herr Scholz,
okay, keine Verletzten, gut.
Ob a- oder unolitisch – solche Einstellungen sind bestenfalls konservativ und stärken den Status Quo.
Die dem Obrigkeitsstaat zugrunde liegende politische Idee, dass alle Macht dem Staat übertragen wird, dieser die Sicherheit gewährleiste und der Bürger als Untertan apolitisch und rein privat handle, ist auf die politischen Philosophie von Thomas Hobbes zurückzuführen.[7]
“↑ Die kommunale Zivilgesellschaft als Ort der Integration. Eine Skizze moderner Bürgerschaft. GRIN Verlag, München 2008, S. 11, ISBN 3-640-16660-4; Richard Saage: Faschismus. Konzeptionen und historische Kontexte. Eine Einführung. VS Verlag, Wiesbaden 2007, S. 78, ISBN 3-531-15387-0.”
Ein Fußballstadion ist übrigens ebenfalls ein öffentlicher Raum, wenn auch mit bestimmten Regeln, die durch den Veranstalter vorgegeben werden. Dennoch hat man auch Grundrechte – beispielsweise auf körperliche Unversehrtheit oder nicht von anderen Stadionbesuchern am Zuschauen gehindert zu werden. Genau darüber gab es vor einigen Monaten einen heftigen Streit in der St. Pauli-Fan-Szene (auch hier ging es um Hansa, bzw. die Rechte der Hansa-Fans).
Grüße
Patrick Gensing
… übrigens erinnere ich mich an einen NPD-Werbefilm, wo Pastörs vor streikenden Werftarbeitern der IG Metall steht und seine Plattitüden in die Kamera labert. Als die ihn entdecken, kommt es ebenso zu Nazis-raus-Rufen. War wohl auch ganz unpolitisch, wie?
Lieber Herr Gensing, Erkenntnis ist manchmal ein langer Weg. Für Entwickungen in den 1980ern wird Hansa sicher nicht als Beispiel dienen können und dass nach der Wende einige Nazis hier den Weg ins Fußballstadion gefunden haben, ist kein Geheimnis. Das werden aber zunehmend weniger. Die hiesige Fanszene positioniert sich zunehmend apolitisch. Ich formuliere meine These dann dahingehend um, dass in meinen Augen die Politisierung des Sports durch St. Pauli der Grund dafür ist, dass die Fehde weiter anhält. Kommen Sie doch mal zu einem Spiel nach Rostock (vielleicht ohne Pauli-Shirt)! Hier hat sich wirklich etwas entwickelt, Sie werden sehen.
“Ob a- oder unolitisch – solche Einstellungen sind bestenfalls konservativ und stärken den Status Quo.”
Reden wir noch über Fußball?
Lieber Herr Scholz,
wir reden nicht explizit über Fußball, sondern über eine Aktion gegen die NPD, welche in einem Fußballstadion stattgefunden hat. Also weichen Sie bitte nicht aus.
“dass nach der Wende einige Nazis hier den Weg ins Fußballstadion gefunden haben, ist kein Geheimnis”
Wirklich eine Erkenntnis…
Es ging aber eigentlich darum, wer die Politik ins Stadion brachte. Und da haben Sie St. Pauli vorgeschlagen – und so die “Fehde” begründet. Ich habe entgegnet, dass Politik durchaus schon im Stadion war, als St. Pauli die ersten Male nach Rostock kam. Die “Deutsche wehrt Euch Schals” wurden ja wohl nicht in der Halbzeit schnell hergestellt.
Würden Sie es denn eigentlich auch begrüßen, wenn jemand mit einer ER-Fahne aus dem Stadion geworfen wird, weil ein Fanblock apolitisch sein will?
Grüße
Patrick Gensing
“Demonstrationen sind per se politisch und sind durch das Grundgesetz geschützt. Die Unterbindung einer genehmigten Demonstration bedeutet, sich über die Verfassung zu erheben und zu entscheiden, was Recht ist und was nicht. Das halte ich für fatal.”
Wenn Neo-Nazis marschieren und “Nationaler Sozialismus – Jetzt, Jetzt, Jetzt!” skandieren, ist das nicht vom Grundgesetz gedeckt. Das ist ne´glatte Fehleinschätzung.
“Wen Sie in ihr Wohnzimmer lassen, entscheiden Sie aber selbst. Und in das neue Wohnzimmer der Hansafans auf der Südtribüne soll nun mal keine Politik. Das ist nur die Durchsetzung des “Hausrechts”.”
Wer nun mehr Hausrecht hat, Fans auf der Tribüne oder “Wölfchen”(Wolfgang Thierse) im Prenzlauer Berg, das ist nun auch Ansichtssache.
Nicht´s für Ungut…
Ich habe nicht gesagt, dass St. Pauli die Politik ins Stadion gebracht hat. Ich habe gesagt, dass die Politik im Stadion bei St. Pauli der Grund für die Fehde ist, dann aber auch schon wieder zurückgerudert und behauptet, dass die Politik bei St. Paul der Grund für das Anhalten der Fehde ist.
Zudem lenke ich nicht ab: Wir reden nicht über eine Aktion gegen die NPD, die zufällig im Stadion stattfand. Meine These ist doch gerade, dass Politik IM STADION unerwünscht ist. Wenn Sie dies nun zu einer Aktion gegen die NPD verallgemeinern, führt das am Kern der Aktion vorbei. Und dass ich es daher auch begrüßen muss, wenn jemand mit einer Endstation-Rechts-Fahne (wenngleich wir uns als parteioffenes Projekt verstehen) aus dem Stadion gedrängt wird, versteht sich von selbst.
Am Ende geht es aber allein um den Verein. Und da frage ich, was schädlicher für das Ansehen ist, eine NPD-Delegation oder eine ER-Fahne?
Ein Fußballstadion ist ein eng umgrenzter Bereich, aus dem die Öffentlichkeit ausgeschlossen ist. Demnach handelt es sich nicht um öffentlichen Raum.
Grundrechte sind Abwehrrechte des Bürgers gegenüber dem Staat. Nur Amtsträger können durch Verwaltungsakte oder schlichthoheitliches Handeln in Grundrechte eingreifen.
Sehr geehrter Herr Scholz,
ihr Argument, dass die ER-Fahne genauso aus dem Stadion befördert werden würde wie die NPD-Fraktion widerspricht ihrer Behauptung, dass die gestrige Aktion un- oder a-politisch sei vollkommen. Es ging gestern einzig und allein um Macht – um die Macht in der Kurve bzw. im Stadion. Da Macht (auch in der Fankurve) immer etwas mit Politik/ dem Politischen zu tun hat (Zum Begriff des Politischen empfehle ich ihnen die genaue Lektüre der Schriften von Hannah Arendt), war der Rauswurf alles andere als un- oder a-politisch.
Viele Grüsse
trotzdem… gute Aktion!
“Am Ende geht es aber allein um den Verein. Und da frage ich, was schädlicher für das Ansehen ist, eine NPD-Delegation oder eine ER-Fahne?”
Tja, wir kommen definitiv nicht zusammen. Ich finde eine NPD-Delegation im Stadion unhaltbar, weil es eine NPD-Delegation ist – und nicht weil es schlecht für das Ansehen des Vereins ist.
Ansonsten haben “Quarktasche” und “ist egal…” für mich wichtige Punkte genannt.
Danke für den Meinungsaustausch,
Grüße
Patrick Gensing
@ist egal…
Erklären sie mir bitte, wo da der Widerspruch liegt, ich kann ihn nicht finden!
Es ist eine unzulässige Verallgemeinerung Politik auf Machtstrukturen zurückzuführen. Wenn man dem folgen würde, hätten Sie ein rein instrumentelles Verständnis von Politik und könnten allenfalls Strukturen bloßlegen, aber keine Inhalte. Und da — wie Sie sicher wissen – Arendt ja zwischen Macht und Gewalt unterscheidet, weiß ich ehrlich gesagt auch gar nicht, was ihr Arendt-Exkurs an dieser Stelle bezwecken soll.
Sie und wie mir scheint auch Herr Gensing hantieren mit einem zu umfassenden Politikbegriff. So betrachtet wird jede Äußerung zu einer politischen. Selbst wenn jemand sagt: Ich will nicht über Politik reden, wäre das politisch. Mehr ist gestern nicht gesagt worden, wenn Sie das als Politik interpretieren wollen, bitte. Aber führten Sie diese Äußerung auf ihren Inhalt zurück, richtet sich diese Aktion gegen alle Politik, war folglich antipolitisch. Dass unter diesen Umständen auch eine ER-Fahne nichts im Stadion zu suchen hat, versteht sich doch von selbst, oder?
Tja, wir kommen definitiv nicht zusammen, was daran liegen könnte, dass Sie von der ursprünglich aufgeworfenen Frage, inwieweit sich die Zustimmung zum Stadionrauswurf mit der Ablehnung der Unterbindung von Grundrechten verträgt, zunehmend entfernen. Schade, das wäre sicher spannend gewesen…
Ansonsten hat “Demokrat” den für mich wichtigen Punkt genannt.
Sehr geehrter Herr Scholz,
ihr “Problem” ist, dass Sie eine äußerst begrenzten Vorstellung von “Politik” oder “dem Politischen” haben. Da für Sie Politik per se und ausschließlich etwas mit Parlamenten, Grundrechten oder Parteien zu tun hat, reden wir beide auf unterschiedlichen Ebenen. Wenn Sie Hannah Arendt auch mal lesen würden und nicht nur eine verkürzte Version der Totalitarismus-Theorie wiedergeben würden, würden Sie auch verstehen was ich meine. Im Übrigen habe ich nicht gesagt, dass “Politik” etwas instrumentelles ist um “Macht” zu produzieren bzw. reproduzieren. Sondern habe die These in den Raum geworfen, dass es bei der gestrigen Aktion (genauso wie bei einem Rauswurf einer ER-Fahne oder einer x-beliebigen Gruppe/ Person) um die Frage der “Macht” auf der Südtribüne ging. Da die Produktion/ Reproduktion von Macht im auch ein politischer (politisch im Sinne von Hannah Arendt und nicht im Sinne von Robert Scholz) Moment ist, war die Aktion weder un- noch a-politisch. Dort wo politische Momente sind/ entstehen, kann defacto kein a- oder un-politischer Raum sein.
Ich dachte eigentlich immer, dass ER ein progressives/ fortschrittliches Projekt ist, aber irgendwie werde ich den Eindruck nicht los, dass die Macher dahin im Herzen erz-konservativ sind. Wie Herr Scholz mit seinem kleinbürgerlichen Glauben an das Märchen vom un- oder a-politischen Stadion einmal mehr beweist.
Viele Grüsse
Lieber Herr Scholz,
mein Problem ist, dass ich mit Ihrem a-, anti- oder unpolitischen Ansatz nichts anfangen kann – und will. Ähnliche Diskussionen habe ich schon etliche Male im Zusammenhang mit einer bestimmten Subkultur geführt. Und warum es unpolitisch sein soll, “Nazis raus!” zu rufen und eine NPD-Delegation aus dem Stadion zu drängen, erschließt sich mir weiterhin nicht.
Gruß
Patrick Gensing
Herr Scholz, Sie wollen anscheinend auf keinen Fall anerkennen, dass sich eine Menschenmenge hier explizit politisch gegen Nazis positioniert hat (“Nazis raus!”) und verallgemeinern dies als grunsätzliche Abneigung gegen Politik. Den Beweis dafür bleiben Sie bisher aber schuldig. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand mit SPD-Anstecker aus dem Stadion gedrängt worden wäre. Ihre Thor-Steinar-Träger mögen einfach militante Nazis sein, die mit der NPD manchmal ebenso wenig konform gehen wie Demokraten – nur aus anderen Gründen. Obwohl die NPD dort ja hauptsächlich aus dieser Szene besteht.
Die Diskussion über die Politisierung des Fußballs von Hansa oder St.Pauli geht vor diesem Hintergrund am Thema vorbei. In der Hauptsache versuchen Sie, St.Pauli den Schwarzen Peter zuzuschieben und Hansa in die defensive Opferrolle zu bringen. Aus den Erfahrungen der letzten Jahre ist das aber irrsinnig.
Die Kommentare bei ER fantasieren inzwischen übrigens über angebliche “linke Gewalt” im Stadion. Anscheind löst sich die Diskussion zunehmend von den Fakten und entwickelt Eigendynamik.
Wo ist denn jetzt der Widerspruch, den Sie ausgerechnet bei der ER-Fahne ausgemacht haben? Ich habe kein Wort von der Totalitarismustheorie verloren, sondern mich allenfalls auf Hannah Arendts Aufsatz “Macht und Gewalt” berufen, den Sie offenbar nicht gelesen haben. Während ich versuche Ihnen klar zu machen, dass ein Begriff des Politischen, der sich in der Analyse von Machtsituationen ergibt, zwangsläufig instrumentell bleibt, wiederholen Sie Ihre These, nur noch einmal. Sie beschreiben Strukturen, die Sie für politisch halten. Bei Ihnen wäre selbst ein Furz Gesellschaftskritik. Und wenn Sie merken, dass Sie sich in eine Sackgasse argumentieren, kommt das Totschlagargument: ich sei in meinem Herzen erz-konservativ.
Konzentrieren Sie sich doch auf die Inhalte: Eine Gruppe Hansa-Fans schmeißt die NPD aus dem Stadion, in einer Erklärung dazu appellieren die Suptras: “Haltet die Politik aus dem Spiel – sowohl rechts, als auch links!” Und Sie erzählen mir nun was von einer politischen Aktion. Das ist lächerlich. Sie wollen besser über die dem Handeln zugrunde liegenden Motive bescheid wissen als die Akteure selbst. Das ist Avantgarde-Denken! Mit diesem Denken entwerfen Sie Gesellschaftsmodelle für eine Mehrheit, die Sie gleichzeitig für unmündig erklären. Und das ist nichts anderes als totalitär. Wenn sie nun alle Leute, die vor diesem Totalitarismus warnen, als “konservativ” brandmarken, dann sollte das als Ehrentitel betrachtet werden.
Robert Scholz vertritt in der Tat offenbar genau die Linie der Rostocker Suptras, die folgende Erklärung veröffentlicht haben:
09.08.10
Politik & Fußball!
Auch gestern ließ uns das Thema Politik beim Fußball nicht in Ruhe. Es nervt und schadet nur noch. Diese Sache ist schon oft thematisiert worden, da sie heutzutage einfach in sehr vielen Fußballszenen unseres Landes zum Alltag gehört und vielerorts einfach falsch mit umgegangen wird. Um unseren Standpunkt nocheinmal deutlich zu machen, gerade auch in Anbetracht des gestrigen Tages, möchten wir uns hierzu erneut kurz äußern:
Jede Politik, erst recht von extremistischer Art, hat bei Hansa Rostock nichts zu suchen!
Und nochmal an alle Erbsenzähler, Klugscheißer und politisch motivierten Spalter: damit sind links- und rechtsaußen gemeint! In Dinge, die aus unserer Sicht unsere Vereinspolitik und uns als Fußballszene betreffen , mischen auch wir uns ein.
Jeder Hansafan und Besucher unserer Tribünen kann und soll denken und meinen, was er will. Jeder Versuch, unseren Verein und seine Fanszene politisch zu beeinflussen oder komplett zu missbrauchen, ist allerdings zum Scheitern verurteilt! Jede Personengruppe, die entsprechendes versucht, hat die Konsequenzen zu tragen!
Dass es uns allen hiermit ernst ist, hat gestern eine Gruppe Rechtsextremisten der NPD zu spüren bekommen. Der Auftritt dieser Personen ohne jeglichen Bezug zu Hansa Rostock stellte schlicht und ergreifend eine dreiste und dumme Provokation dar und fand ein dementsprechend schnelles Ende.
Das entschlossene Handeln gegen diese Leute kann man überdies nicht zuletzt auch auf eine kürzlich begangene Dummheit derer zurückführen, denn kein tätlicher Angriff auf einen unserer Mitstreiter, egal aus welchem Grund, bleibt ohne Antwort.
Zum Schluss erneut der Appell an alle: Haltet die Politik aus dem Spiel – sowohl rechts, als auch links! Es ist offensichtlich, wozu alles andere führt. Ob es nun ein plumper Aufmarsch oder ein unterschwellig verpackter Manipulationsversuch ist – es ist und bleibt mit Hansa Rostock nicht zu vereinbaren!
SUPTRAS ROSTOCK
Demnach hat es sich also auch um eine Racheaktion gehandelt.
Aus antifaschistischer Sicht ist es natürlich zu begrüßen, wenn Xxxxxxxxxx Xxxxxx aus dem Stadion geprügelt wird.
Olaf Meyer ist ratlos – mir geht es ähnlich.
http://ostfussball.com/fc-hansa-politisch-unpolitisch-im-stadion-447/
“Ob a- oder unolitisch – solche Einstellungen sind bestenfalls konservativ und stärken den Status Quo.”
Bestenfalls konservativ? Sie implizieren, dass Konservativität etwas schlechtes ist? “konservativ” heißt nicht “rechtsradikal” – es bedeutet lediglich, dass man alte Werte vor dekadenter Liberalität bzw. Progressivität schützt. Denn die Begriffe “Fortschritt” und “Verbesserung”, sind nicht zwangsläufig synonym zu einander – ferner ist Fortschritt nur gut, wenn er denn Verbesserung bringt.
Gruß,
Sulamith Weinstock
Der FCH wird seit ca. 20 Jahren nicht als unpolitisch wahrgenommen. Ganz im Gegenteil. Jetzt ist die Mannschaft in der 3. Liga gelandet, das Image ist komplett ruiniert. Jetzt will der FCH auf einmal unpolitisch sein. Das erinnert in gewissem Sinne an Nazi-Schläger, die vor Gericht stehen und um die Strafe zu mindern, das Selbe von sich behaupten.
Bis der FCH wirklich als unpolitisch wahr genommen wird, muss wohl noch einiges passieren. Wird das intern diskutiert, was es wirklich heißt unpolitisch zu sein(!)? (Als Lippenbekenntnis ist eine solche Aussage wertlos und ist schon unter den unterschiedlichsten Vorzeichen getätigt worden) Oder sogar offiziell, vielleicht (oh Graus!
)mit einem Gast aus Hamburg auf der Bühne? Wird der FCH Stellung beziehen zu den Angriffen, die unter seinen Zeichen verübt werden? Dazu ist er verpflichtet, meiner Meinung nach…
Es ist nicht unmöglich ein Image abzulegen, es müssen dafür nur die richtigen Schritte getan werden. Der “Rausschmiss” war ein guter Anfang. Ist aber ein sehr drastisches Mittel.
Die regionale Führung einer Partei rauszuwerfen, die während Demonstrationen den NS propagiert, die nur nicht verboten ist, weil sie von VS-Spitzeln durchsetzt ist und den Fussball auf regionaler Ebene für ihre Politik missbrauchen will, ist in so fern unpolitisch, als das es einfach dem gesunden Menschenverstand entspricht.
Vielleicht kann die Mannschaft mit neuer Hoffnung aus dieser Talsohle rauskommen, es wäre ihr zu wünschen. Es funktioniert, andere haben das auch geschafft…
amen
[...] via npd-blog.info: Hansa-Fans schmeißen NPD-Delegation aus dem Stadion [...]
[...] Siehe auch: Hansa-Fans schmeißen NPD-Delegation aus dem Stadion [...]
Hier die nächste unpolitische Aktion von Hansa-Fans – dieses Mal aber deutlich weniger Aufmerksamkeit:
Ausschreitungen vor Drittligaspiel in Bremen
Bremen (dpa) – Vor dem Drittliga-Fußballspiel zwischen Werder Bremen II und Hansa Rostock ist es in der Nacht zum Samstag in Bremen zu Ausschreitungen gekommen. Dabei hätten einige der 20 bis 25 Randalierer mit Baseball-Schlägern auf ihre Kontrahenten eingedroschen, sagte ein Polizeisprecher.
Zunächst hatte die Polizei eine höhere Zahl von Beteiligten genannt. Zwölf Rostocker Fans seien in Gewahrsam genommen worden. Ein weiterer Hooligan wurde zunächst auch in Gewahrsam genommen, musste aber dann wegen einer Kopfverletzung im Krankenhaus behandelt werden.
Zudem wurde die Spielstätte für die Partie nach Angaben der Polizei mit Farbe beschmiert. Um weitere Schlägereien bei der An- und Abreise zu verhindern, war die Polizei auch mit zahlreichen Einsatzkräften am Bremer Hauptbahnhof vertreten. Nach dem Auswärtssieg der Rostocker (2:0) sei aber alles friedlich geblieben, sagte der Polizeisprecher.
Verfeindete Fußballclubs bestreiten gemeinsam Aktion gegen Rechts
http://www.ostseeblick-nienhagen.de/news/1282570936-verfeindete-fussballclubs-bestreiten-gemeinsam-aktion-gegen-rechts/
[...] des eigenen Engagements gegen Nazis als apolitisch erinnert an die Rostocker Suptras, die im August eine größere NPD Delegation aus ihrem Block geprügelt haben. In ihrer Erklärung zum Vorfall [...]
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