Hansa-Fans schmeißen NPD-Delegation aus dem Stadion

Gerne spielt sich die NPD als Anwalt von kriselnden Traditionsvereinen auf. Diese werden dann als vermeintliche Opfer von Globalisierung und Kommerzialisierung dargestellt – jahrelange Misswirtschaft wird hingegen einfach verschwiegen. Die Vereine sind zumeist wenig glücklich über den braunen Support – und auch Fans des FC Hansa Rostock haben den Neonazis nun gezeigt, was sie von deren Erscheinen im Stadion halten: nämlich nichts. Rund 150 Hansa-Fans drängten die etwa 25 Mann starke Abordnung um den NPD-Fraktionsvorsitzenden Udo Pastörs beim Drittliga-Heimspiel gegen TuS Koblenz aus dem Stadion, berichtet das Juso-Projekt Endstation Rechts.

Für Hansa Rostock interessiere man sich im Umfeld der rechtsextremen Partei schon seit längerer Zeit, schreibt ER weiter. Auf dem NPD-nahen Nachrichtenportal MUPINFO finde sich seit dieser Saison nach jedem Spiel, ob zuhause oder auswärts, ein kurzer Spielbericht. Und vor kurzem fragte Michael Fischer in einem Beitrag: „Hansafans auf linken Abwegen?“ Er meinte demnach festgestellt zu haben, dass die „politische Ausrichtung vom vermeintlichen ,Nazispektrum‘ in die linke Ecke“ gedriftet sei. Der übliche Spielbericht auf dem Portal fiel allerdings nicht aus, wie Endstation Rechts schreibt, sondern steht mittlerweile auf den Seiten. Zu der Aktion gegen die NPD schreibt MUPInfo (der Stil erinnert etwas an längst vergangene „Fantreff“-Artikel aus den 1980iger Jahren):

Vor dem Spiel kam es zu unschönen Auseinandersetzungen im Stadion infolge derer Nationalisten an der Beiwohnung der Partie gehindert wurden. Hierzu werden wir noch gesondert berichten. Im Übrigen ist es sicher keine Schande mit 25 Personen, darunter eine schwangere Frau, gegen 150 zu unterliegen.

Etwas erstaunlich erscheint es allerdings, dass Endstation Rechts die Aktion der Hansa-Fans gegen die NPD offenbar durchweg gutheißt, da ein solches Vorgehen anderen Argumentationsmustern der Sozialdemokraten aus Mecklenburg-Vorpommern zufolge den Neonazis einen Anlass für Gewalt bieten könnte – so zumindest eine Argumentation bei friedlichen Blockaden.

Hoffentlich kommen „diese Idioten“ nie wieder

Auch im Hansa-Forum wurde die Aktion gegen die NPD lauthals begrüßt. Einer bilanziert:

Hoffen wir, dass sich diese Idioten nie mehr bei uns sehen lassen. Hansa ist nicht das Mittel mit dem sie ihre menschenverachtende Ideologie verbreiten können.

Angriff auf St.Pauli-Fans

Unklar ist derweil noch, was hinter einem Angriff von 40 bis 50 vermummten Personen auf eine Fan-Party des FC St. Pauli steckt. Wie zu vernehmen war, könnte es sich bei den Angreifern um Ultras aus Nordostdeutschland gehandelt haben. Das Freundschaftsspiel zwischen den „Skinheads St. Pauli“ und USP fand trotz des Zwischenfalls statt.

Siehe auch: “Rechtsradikale Hansa-Fans”: Der Ball liegt in Rostock, “Gewaltfreie (Sitz)blockaden dürfen nicht kriminalisiert werden!”, Fußball, identitärer Lokalpatriotismus und Gewaltfetisch, Heimatschutz in Mecklenburg-Vorpommern

35 thoughts on “Hansa-Fans schmeißen NPD-Delegation aus dem Stadion

  1. Hier die nächste unpolitische Aktion von Hansa-Fans – dieses Mal aber deutlich weniger Aufmerksamkeit:

    Ausschreitungen vor Drittligaspiel in Bremen
    Bremen (dpa) – Vor dem Drittliga-Fußballspiel zwischen Werder Bremen II und Hansa Rostock ist es in der Nacht zum Samstag in Bremen zu Ausschreitungen gekommen. Dabei hätten einige der 20 bis 25 Randalierer mit Baseball-Schlägern auf ihre Kontrahenten eingedroschen, sagte ein Polizeisprecher.

    Zunächst hatte die Polizei eine höhere Zahl von Beteiligten genannt. Zwölf Rostocker Fans seien in Gewahrsam genommen worden. Ein weiterer Hooligan wurde zunächst auch in Gewahrsam genommen, musste aber dann wegen einer Kopfverletzung im Krankenhaus behandelt werden.

    Zudem wurde die Spielstätte für die Partie nach Angaben der Polizei mit Farbe beschmiert. Um weitere Schlägereien bei der An- und Abreise zu verhindern, war die Polizei auch mit zahlreichen Einsatzkräften am Bremer Hauptbahnhof vertreten. Nach dem Auswärtssieg der Rostocker (2:0) sei aber alles friedlich geblieben, sagte der Polizeisprecher.

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