Kitas in MVP: Zunehmend Kinder aus rechtsextremen Elternhäusern

„Der Kita-Erlass der Sozialministerin Schwesig in Schwerin kann nur ein erster Schritt sein“, so Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung: Es bürfe weiterer Schritte. Pädagoginnen und Pädagogen müssten geschult und unterstützt werden. „Lola für Lulu“, ein Projekt der Amadeu Antonio Stiftung im Landkreis Ludwigslust, beobachtet seit zwei Jahren, dass Kita-Erzieherinnen zunehmend mit Kindern arbeiten, die in rechtsextremen Elternhäusern aufwachsen. „Die Pädagoginnen sind mit Müttern konfrontiert, die langfristig versuchen, den Kita-Alltag in ihrem Sinne ideologisch zu gestalten“, erklärt Sandra Pingel, Projektmitarbeiterin in Ludwigslust. Dabei gehen rechtsextreme Frauen strategisch vor. „Es gibt Eltern, die ihr rechtsextremes Gedankengut und Handeln zunächst verschleiern, um sich dann durch Tatendrang beliebt zu machen. Sie nehmen zum Beispiel die Renovierung von Spielplätzen in die Hand“, so Pingel. Wenn sie einmal anerkannt sind, verlangen sie dann die Anpassung an ihre ideologische Welt – etwa Bilder von der Wand zu nehmen, die Migrantenkinder zeigen.

Zum Kindergeburtstag bei der NPD-Familie

Es handelt sich hierbei nicht um ein spezifisch ostdeutsches Problem. Auch aus westlichen Bundesländern erreichen die Stiftung Anfragen. Pädagoginnen und Pädagogen müssen zum Beispiel Eltern beraten, deren Kinder zum Kindergeburtstag in eine NPD-Familie eingeladen werden. „Wie würden Sie mit einer Elternvertreterin umgehen, die verhindern will, dass eine Schule den Titel „Schule ohne Rassismus“ verliehen bekommt oder die privat Backrezepte für Hakenkreuz-Kuchen online stellt?“, fragt Pingel.

„Will man einer Mutter, die sich Sorgen macht über den Stil der Kindergärtnerin die freiheitlich demokratische Grundordnung in die Hand drücken?“, fragt Kahane. Verschiedene Berufsgruppen sind in ihrem Arbeitsalltag mit Nazi-Familien konfrontiert und müssen einen Umgang damit finden. „Sehr viel hilfreicher wäre es, die Kinderrechte zum Standard öffentlich geförderter Bildungsträger zu machen und dies auch zu begleiten“, erklärt Kahane. Hier setzt „Lola für Lulu“ an: Für 2010 sind weitere Fortbildungen mit diesen Zielgruppen geplant.

Das Projekt „Lola für Lulu“ veranstaltet seit 2009 im Landkreis Ludwigslust Fortbildungen mit Kita-ErzieherInnen und GrundschulpädagogInnen. In Workshops wird Wissen über rechtsextreme Erscheinungsformen vermittelt und die Wahrnehmung der Pädagoginnen geschult; darüber hinaus werden Ansätze der Demokratieerziehung vorgestellt und erprobt sowie konkrete Fallberatungen angeboten.

Siehe auch: Rechtsextreme Jugentrainer und Kita-Leiter