NPDVU-Treffen ohne Parteichef: Faust schlägt zurück

NPD und DVU versuchen ihre angestrebte Vereinigung voranzutreiben. Daher traf man sich am 04. August 2010 in der NPD-Zentrale in Berlin. Einer war nicht dabei: DVU-Chef Faust. Seine Widersacher in der Partei hatten ihm per Gericht verbieten lassen, an der Sitzung teilzunehmen. Nun schlägt das klägliche DVU-Imperium zurück. Die Parteirebellen sollen ausgeschlossen werden.

Von Stefan Schölermann NDR Info

Eigentlich fehlte an der Tür des Sitzungszimmers in der NPD-Zentrale in Berlin gestern Mittag nur ein Schild: „Ich muss leider draußen bleiben.“ Zumindest virtuell hing das Schild da – und es galt dem DVU-Bundesvorsitzenden Matthias Faust: Er durfte nicht dabei sein, als der DVU-Bundesvorstand in der Seelenbinderstraße die nächste Runde in der DVU-Schlammschlacht einläutete. Per Gericht hatten ihm seine Widersacher die Teilnahme an der Sitzung verbieten lassen. Dennoch brauchte man n eine halbe Stunde, um zum Gegenschlag auszuholen.

Auch bei der DVU in Ungnade gefallen, schreibt dafür jetzt Leserbriefe bei dubiosen Provinz-Portalen aus seiner neuen Heimat: Christian Worch (Foto: Marek Peters)

Jetzt stehen die Parteirebellen Ingeborg Lobocki (Schleswig- Holstein), Hans- Gerd Wiechmann (Niedersachsen) sowie Max Branghofer (Nordrhein-Westfalen) im Visier der DVU-Spitze. Gegen alle drei Landesvorsitzenden laufen seit gestern Parteiausschlussverfahren – mit unterschiedlichen Begründungen. Lobocki wird vor allem vorgeworfen, dass sie im Parteiausschlussverfahren gegen Matthias Faust eine unrühmliche und einseitige Rolle gespielt habe. Außerdem habe sie dem Rechtsextremisten Christian Worch Gelegenheit gegeben, Beiträge auf der Internetseite ihres DVU- Landesverbandes einzustellen. Worch gilt in Kreisen des DVU- Bundesvorstandes mittlerweile als „persona non grata“.

Gleiches gilt wohl auch für den DVU-Landeschef in Niedersachsen, Hans-Gerd Wiechmann, der die DVU-Internetpräsenz benutzt haben soll, um Faust mit einer verbalen Schimpfkanonade zu belegen. Branghofer hingegen habe widerrechtlich Spitzengremien der Partei zu Sitzungen eingeladen und sich dabei nicht an die üblichen Vorgehensweisen gehalten. Und weil man beim DVU- Vorstand überzeugt davon ist, dass das Trio seine „Zersetzungsbemühungen“ weitertreiben werde – versetzte das DVU- Spitzengremium den „dirty three“ dann noch einen verbalen Faustschlag: Es untersagte ihnen, von ihren Rechten als Parteimitglied Gebrauch zu machen.

Dass die DVU- Spitze im Haus der NPD tagte, hatte übrigens gute Gründe: Die DVU- Spitze präsentierte sich als „Volks“-Partei ohne Raum : Für die Anmietung einer geeigneten Tagungsstätte fehlte es offenkundig am nötigen Kleingeld . Außerdem wollte man das Vereinigungsvorhaben vorantreiben: Die Spitzen der beiden braunen Parteischwestern sind bei ihren Verschmelzungsbemühungen offenbar mittlerweile über die Flirtphase hinaus: Man sprach mit Anwälten juristischen Voraussetzungen der braunen Hochzeitsnacht. Angesichts des schleichenden Siechtums der beiden Parteien, wäre der Rat eines Testamentsvollstreckers sicherlich auch nicht unpassend gewesen – aber soviel Weitblick wollte man in der NPD- Parteizentrale dann offenbar doch nicht an den Tag legen.

Siehe auch: Machtkampf geht weiter: DVU ohne Kopf?, Mitgliederbefragung: DVU will sich selbst abschaffen

6 thoughts on “NPDVU-Treffen ohne Parteichef: Faust schlägt zurück

  1. Die Spannung steht und fällt immer noch mit der Frage: Wer kommt in Zukunft für wessen Schulden auf? Angesichts zweier finanziell ruinierter Bundesparteien und sinkender Mitgliederzahlen (und -beiträge) steckt hier noch DIE gefährliche Stolperfalle – zumal man die Schulden auch bei der Mitgliederbefragung ausgeklammert hat. Ohne eine Lösung an dieser Stelle aber kann man die Ergebnisse der Befragung als rein hypothetisch einstufen.
    Treibt man die Fusion trotzdem voran, dann riskiert man erhebliche Proteste von der Basis, die nicht nur die Fusion, sondern auch zumindest eine Partei mit in den Abgrund reißen könnte. Sehen wir freudig entspannt in die Zukunft…

  2. Die NPD meldet inzwischen den „Start der Verschmelzung von DVU und NPD“. Angesichts des erst jüngst zerbrochenen „Deutschlandpaktes“ muss man bemerken: Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. Man arbeite schon an den Verträgen. Allerdings immer noch kein Wort über die finanzielle Frage. Möglichweise wird „die soziale Heimatpartei“ auch in dieser Frage die Abstimmung der Mitglieder sehr großzügig auslegen.

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