Standortantifa scheitert: Facebook auch für Nazis

Im Frühling 2010 war in den Medien der Aufstand der Anständigen im Netz abgefeiert worden. Zuvor war die Gruselgeschichte verbreitet worden, die NPD unterwandere gezielt soziale Netzwerke. Wie man allerdings mit einigen hundert Leuten endlose Netzwerke ohne klare Strukturen mit Millionen von Mitgliedern „unterwandern“ soll, blieb unklar. Doch schon bald gründete sich bei Facebook die Gruppe „Kein Facebook für Nazis„.

Von Patrick Gensing

Innerhalb von einer Woche schlossen sich 200.000 Menschen dieser an. Ein mächtiger Flash-Mob sollte die NPD aus Facebook verjagen – erfolglos. Eine anschließend angekündigte „virtuelle Lichterkette“ blieb aus – und die NPD ist weiter bei Facebook vertreten.

Warum passiert hier eigentlich nix mehr?

Die Facebook-Gruppe hat sich bis heute auf rund 350.000 Freunde vergrößert. So mächtig diese Zahl, so wirkungslos die Standortantifa-Politik, welche dahinter steckt. Denn hier haben sich viele Leute versammelt, die erst „aktiv“ wurden, nachdem die Neonazis das schöne Spielzeug Facebook für sich entdeckten. Zuvor dürften sich die wenigsten der 350.000 Unterstützer überhaupt mal mit der NPD beschäftigt haben – wie auch die Pinnwand eindrucksvoll zeigt. Die Debatten drehten sich zumeist darum, ob man nun auch die Linkspartei aus Facebook schmeißen sollte – und immer wieder wurden die selben Videos mit Anti-Rassismus-Songs gepostet. Von einer inhaltlichen Auseinandersetzung war wenig zu lesen. Die Gesetze des Netz 2.0 sollten es richten – aber die Power reicht eben nicht, um mal kurz eine rechtsextreme Bewegung in der realen Welt wegzufegen.

Lesetipp: Revolution im Web: Hier kommen die Nazis 2.0

Ohnehin werden Neonazis auch weiterhin das Web 2.0 nutzen, genau wie sie Mobiltelefone gebrauchen. Darin liegt auch nicht das Problem. Es ist sicherlich nicht falsch, den Menschenhassern das Leben im Netz 2.0 so schwierig wie möglich zu machen, doch sind solche symbolischen Aktionen allein viel zu wenig. Für eine erfolgreiche Strategie gegen menschenfeindliche Einstellungen im First und Second Life bedarf es einen langen Atem. Mit ein paar Anti-NPD-Parolen auf einer Facebook-Pinnwand ist es nicht getan. Leider.

Siehe auch: NPD bei Facebook wieder da: “Heil Euch, G[r]üSSe”, Flash-Mob legt NPD-Seiten bei Facebook lahm, Soziale Netzwerke: Widerständige Struktur, Online-Flashmob gegen die NPD bei “Gesichtsbuch”, Facebook: NPD mobilisiert Hunderttausende

4 thoughts on “Standortantifa scheitert: Facebook auch für Nazis

  1. So ist das halt im Internet, langfristiges Engagement ist da kaum zu erreichen.
    Nur kurzfristiger Aktionismus und Opportunismus.

Comments are closed.