Rostock im Nazi-Sumpf? Ein Nachrichtenportal sieht braun

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Viele Vorwürfe – kaum Indizien: MV Regio über Rostocks OB Methling.

Das Nachrichtenportal MV Regio hat in den vergangenen Tagen über eine angebliche Verbindung des Rostocker Oberbürgermeisters ins Nazi- und Rotlichtmilieu berichtet. MV Regio schreibt, Roland Methling habe indirekt Verbindungen zu dem rechtsextremen Verleger Munier, Herausgeber des Magazins „Zuerst“. Allerdings könnte sich die Geschichte als Bumerang erweisen.

Von Patrick Gensing

Denn Munier behauptet nun, die Macher von MV Regio pflegten engste Kontakte zur NPD-Fraktion in Mecklenburg-Vorpommern. Eine Behauptung, die angesichts von NPD-Pressemitteilungen auf den Seiten von MV Regio sowie Beobachtungen von Journalisten im Zusammenhang mit NPD-Veranstaltungen zumindest nicht ganz abwegig erscheint.

In dem Gedächtnisprotokoll von Munier, welches (vorübergehend) auf den Seiten von MV Regio veröffentlicht wurde, heißt es:

Im Frühjahr 2010 nahm ein Mitarbeiter von MVregio, Herr Klaus Böhme, mit dem Redakteur zweier von mir herausgegebener Zeitschriften, Herrn Manuel Ochsenreiter, Kontakt auf. Er bot seine journalistischen Dienste an und verwies als Referenz auf eine frühere Tätigkeiten bei div. Medien an. Herr Ochsenreiter beauftragte Herrn Böhme versuchsweise mit einer Recherche im Wahlkreis von Angela Merkel. Herr Böhme lieferte jedoch kein verwertbares Ergebnis, bat aber um ein Zusammentreffen.

Am 27. April hatte ich einen Termin in Rostock. Darauf schlug Herr Ochsenreiter vor, mich zu begleiten, um im gemeinsamen Gespräch Herrn Böhme persönlich kennenzulernen. Das Treffen fand in den Geschäftsräumen von MVregio in der Industriestr. 14 statt. Wir wurden von einem uns bis dahin unbekannten Herrn Uwe Schröder * empfangen, der uns berichtete, er sei auf uns aufmerksam geworden, weil ihm ein Herr Peter Marx, Geschäftsführer der NPD-Landtagsfraktion in Schwerin, eine unserer Zeitschriften empfohlen habe. Herr Marx sei ein enger Freund von ihm und Herrn Böhme. Herr Marx habe ihm bereits mehrfach das Amt des Pressesprechers der NPD-Fraktion angeboten und er erwäge, das Angebot anzunehmen, wenn es weiter wirtschaftlich mit MVregio so abwärts ginge wie bisher. Allerdings wolle er denen von der NPD dann mal richtig zeigen, wie man Propaganda macht, und zu diesem Zweck in einer Original SA-Uniform mit Stiefeln, die er besitze, in den Landtag marschieren.

Im Verlauf dieses befremdlichen Gespräches war Herr Böhme immer noch nicht erschienen, und wir drängten mit Hinweis auf unseren Anschlusstermin. Herr Schröder klopfte deshalb an dessen Bürotür und machte uns feixend auf ein DINA4-Blatt, das an der Bürotür von Herrn Böhme klebte, aufmerksam. Das Blatt zeigte einen vergrößerten NPD-Mitgliedsausweis (JN) des Herrn Böhme*. Auf dem Foto des Mitgliedsausweises war auf das Konterfei von Herrn Böhme ein Hitler-Seitenscheitel und -Bärtchen gemalt, was Herr Schröder und Herr Böhme, der dann herauskam, ungeheuer lustig fanden.

Wir versuchten uns dieser peinlichen Situation zu entziehen, indem wir große Eile vorschützten und uns noch nach einem Supermarkt in der Nähe erkundigten. Darauf erklärten beide Herren, uns persönlich dorthin begleiten zu wollen, was wir schlecht abschlagen konnten. Herr Böhme lud uns, nachdem wir unseren Einkauf getätigt hatten, noch auf fünf Minuten zu einem kalten Imbiss ein, der an einem Werbestand ausgegeben wurde. Während des Verzehrs unterhielten wir uns über Hansa Rostock und Fußball im Allgemeinen. Auf die Frage von Herrn Schröder, was für einen Termin wir jetzt hätten, antwortete ich, dass wir mit einem Anwalt verabredet seien. Auf erneute Nachfrage nannte ich den Namen Beecken. Darauf polterte Herr Schröder los, da seien wir ja mit dem größten Arschlosch und Gangster verabredet, der in Rostock herumliefe. Ich wies dies mit der Bemerkung zurück, Herr Beecken sei mir als seriöser und sachkundiger Anwalt bekannt. Als Herr Schröder darauf seine Ansichten über Herrn Beecken vertiefen wollte, lehnte ich ein Gespräch darüber unter Hinweis auf meine Zeitnot ab, und wir verließen diesen Ort des Schreckens. Weder von Herrn Schröder noch von Herrn Böhme habe ich jemals wieder gehört.

MV Regio behauptete im Gegenzug, es habe „kein Gesprächsansinnen gegenüber „Zuerst“ Herrn Murnier und Ochsenreiter von Seiten MVregio gegeben. Es gab auch kein Angebot der journalistischen Zusammenarbeit zwischen den Redaktionen „Zuerst“ und MVregio oder Mitarbeiter von MVregio.“ Dafür habe es aber „die Bitte von Seiten „Zuerst“ bei einer Recherche in Sachen Wahlkreis Merkel“ gegeben, der MVregio nicht entsprochen haben will. Und weiter: „Der Gesprächstermin zwischen Munier und MVregio kam auf Bitten von diesen am 27. April zustande. Es gab zu keiner Zeit ein Angebot der NPD Fraktion an MVregio oder Mitarbeiter von MVregio für die NPD Pressearbeit zu machen.“

Dann schlägt MV Regio mal wieder in Sachen Verdi aus, in dem Medienmagazin M war kritisch über das Nachrichtenportal berichtet worden:

Die besagte und manipulierte Kopie eines Ausweises der JN (Junge Nationale) mit dem reinkopierten Foto des Herrn Böhme, stammt aus dem Umfeld von Verdi „Menschen machen Medien“ und sollte Herrn Böhme als angebliches NPD Mitglied entlarven. Linke bei Verdi (mmm) versuchten des Öfteren die Berichterstattung von MVregio in die rechte Ecke zu stellen. Die Redaktionsmitarbeiter machten sich ein Spaß daraus und karikierten das Foto entsprechend.

Mit Marx von der NPD will man zudem nur wenig zu tun haben:

Herr Schröder ist nicht mit dem Geschäftsführer der NPD Landtagsfraktion Peter Marx befreundet noch hat Herr Schröder von Herrn Marx ein Angebot erhalten Pressesprecher der NPD zu werden. Auch eine SA Uniform befindet sich nicht im Besitz von Herrn Schröder weder bei sich zu Hause oder woanders. Lediglich Gummistiefel für die Gartenarbeit befinden sich diesbezüglich bei Herr Schröder.

MV Regio könnte also damit erneut juristischer Ärger ins Haus stehen – möglicherweise von mehreren Seiten. Munier, OB Methling, RA Beeken. Der Artikel über die angeblichen Verbindungen des Bürgermeisters in „Nazi- und Rotlichtmilieu“ wurde bereits vom „Netzt“ genommen, wie MV Regio schreibt. Den Angaben zufolge wegen einer Einstweiligen Verfügung des Landgerichts in Kiel. Aber auch bei verdi dürfte man wenig begeistert über die Unterstellung von MV Regio sein, man habe einen JN-Ausweis von Herrn Böhme gefälscht (wozu auch immer?!).

Echt, aber gekürzt

Manuel Ochsenreiter von „Zuerst“ bestätigte auf Anfrage die Echtheit des Gedächtnisprotokolls. Allerdings habe MV Regio einige Stellen herausgekürzt, bzw. abgeändert, so Ochsenreiter. So hieß es bezüglich der Anfrage Böhmes an „Zuerst!“: „Er bot seine journalistischen Dienste an und verwies als Referenz auf eine frühere Tätigkeit“ bei einem bekannten Nachrichtenmagazin – zu dem MV Regio übrigens offenbar noch immer Kontakte pflegt.

Siehe auch: Einstweilige Verfügung gegen MVRegio bestätigt