Geithain: Neonazis belagern Informationsveranstaltung

Am 14. Juli 2010 hat im Geithainer Bürgerhaus eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung unter dem Motto „Mut gegen Nazis“ stattgefunden. Die „Initiative für ein weltoffenes Geithain“ wollte mit der Veranstaltung über neonazistische Aktivitäten in der Kleinstadt informieren. Seit Jahresbeginn häufen sich in der Kleinstadt Übergriffe gegen nicht-rechte Jugendliche. Trauriger Höhepunkt war die Gewaltattacke gegen einen Jugendlichen am 7. Mai auf dem Vorplatz der Geithainer Total-Tankstelle.

von Patrick Limbach

Der 15-Jährige war zuvor auf einer neonazistischen Website „geoutet“ worden. Der 19 Jahre alte Neonazi-Aktivist Albert R. aus Lunzenau soll seinem Gegenüber so heftig ins Gesicht geschlagen haben, dass der aufgrund einer Nebenhöhlenfraktur vorübergehend in Lebensgefahr schwebte. Sein Opfer wird ein Leben lang unter den Folgeschäden leiden. Der mutmaßliche Täter sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft. Die Chemnitzer Staatsanwaltschaft legt ihm schwere Körperverletzung zur Last.

Dass Geithain ein Problem mit Neonazis hat, war auch an dem Abend der Diskussionsveranstaltung offensichtlich. Während zwei Referenten den rund 80 Besuchern einen umfassenden Überblick über die Aktivitäten der regionalen Neonazi-Szene boten, belagerten 23 Neonazis die Veranstaltung. Schon weit vor Veranstaltungsbeginn postierten sie sich auf dem Parkplatz vor dem Bürgerhaus. Unter ihnen befanden sich mehrere Angehörige des militant auftretenden „Freien Netz Borna-Geithain“ um den Geithainer Stadtrat Manuel Tripp. Der Jura-Student sitzt seit der Kommunalwahl – obwohl parteilos – für die NPD im städtischen Entscheidungsgremium. Die Veranstalter verwiesen außerdem vor Beginn ein junges Pärchen, dass sie der rechten Szene zuordneten, des Raumes. Bernd Uwe Hubmann, Herausgeber der rechtsgerichteten Satire-Zeitschrift „Der Buchheimer“, erhielt erst gar keinen Zutritt zum Bürgerhaus. Auf seiner Homepage beschwert sich Hubmann über seinen Ausschluss:

„Sie reden von Freiheit, Tolleranz, Frieden, Weltoffenheit, Antifaschismus und ähnlich abgedroschenen Parolen, um im gleichen Atemzug all dass was sie fordern, durch eigenes Verhalten über Bord zu schmeißen. (…) Pressevertreter oder Regionalpolitiker die nicht im Sinne einer Neo-Kommunistischen Weltordnung ,,funktionieren,, sich entsprechend ,,positionieren,, oder gar unabhängig bleiben wollen und im schlimmsten Fall sogar kritisch hinterfragen, werden zu Neo-Nazis erklärt und permanent mit Lügen und sonstigen Unterstellungen diffamiert. Eine neutrale Haltung wird nicht geduldet.“
Dass die politische Haltung des Bad Lausicker Publizisten offenbar keineswegs so neutral ist, wie er sie darstellt, zeigte sich, als er sich wie das junge Paar zu den übrigen Anhängern rechter Ideologien auf den Parkplatz gesellte, um Manuel Tripp wie einen alten Bekannten zu begrüßen.

Erst als die Neonazis nach fast zwei Stunden realisierten, dass man sie nicht länger beachtete, lösten sie die gespenstische Szenerie auf und verließen den Parkplatz. Seine Wirkung hatte ihr provokantes Auftreten nicht verfehlt. Aus Sicherheitsgründen hatten die Veranstalter vorsorglich die Eingangstür von innen verschlossen, um das gewaltsame Eindringen der Rechtsradikalen zu verhindern. Diese wollten von einer Provokation allerdings nichts wissen. „Die Geithainer Linken und Alt-Punks haben mit unserem Anführer von hier einen Nichtangriffspakt geschlossen“, erklärte ein Bornaer Neonazi. Wie dieser angebliche „Nichtangriffspakt“ in Neonazi-Augen aussieht, wurde am 7. Mai an der Total-Tankstelle deutlich.

6 thoughts on “Geithain: Neonazis belagern Informationsveranstaltung

  1. Die Gegend zwischen Chemnitz und Leipzig ist wahrlich mit Nazis reich bespickt. Noch ein Grund mehr dagegen aktiv zu werden!
    An der ehemaligen Güterabgfertigungshalle am Bahnhof Geithain prangen nun schon seit Wochen Nazi-Parolen; ebenso in Burgstädt an der Autobahnbrücke A71….

  2. Passend zum Thema.

    „Ernest Hemingway auf Rügen unerwünscht..!“

    ——– Original-Nachricht ——–
    Datum: Fri, 23 Jul 2010 03:02:23 +0200
    Von: „axel mylius“
    An:
    kreistag@landkreis-ruegen.de
    Betreff: Fwd: (informative Weiterleitung) Mutmaßlich geplante Überfälle, Einschüchterungen, Belästigungen oder Störungen durch NS-Aktivisten während der Aufführung eines Hemingway-Stückes in Putgarten auf Rügen (M.V.) – Anfrage/Prüfungserbitten.

    ——– Original-Nachricht ——–
    Datum: Fri, 23 Jul 2010 03:01:11 +0200
    Von: „axel mylius“
    An:
    office@amt-nord-ruegen.de
    Betreff: Fwd: (informative Weiterleitung) Mutmaßlich geplante Überfälle, Einschüchterungen, Belästigungen oder Störungen durch NS-Aktivisten während der Aufführung eines Hemingway-Stückes in Putgarten auf Rügen (M.V.) – Anfrage/Prüfungserbitten.

    ——– Original-Nachricht ——–
    Datum: Fri, 23 Jul 2010 02:59:55 +0200
    Von: „axel mylius“
    An:
    tourisverband@ruegen.org
    Betreff: Fwd: (informative Weiterleitung) Mutmaßlich geplante Überfälle, Einschüchterungen, Belästigungen oder Störungen durch NS-Aktivisten während der Aufführung eines Hemingway-Stückes in Putgarten auf Rügen (M.V.) – Anfrage/Prüfungserbitten.

    ——– Original-Nachricht ——–
    Datum: Fri, 23 Jul 2010 02:58:18 +0200
    Von: „axel mylius“
    An:
    bfvinfo@verfassungsschutz.de
    Betreff: Mutmaßlich geplante Überfälle, Einschüchterungen, Belästigungen oder Störungen durch NS-Aktivisten während der Aufführung eines Hemingway-Stückes in Putgarten auf Rügen (M.V.) – Anfrage/Prüfungserbitten.

    ——– Original-Nachricht ——–
    Datum: Fri, 23 Jul 2010 02:56:59 +0200
    Von: „axel mylius“
    An:
    info@bka.de
    Betreff: Mutmaßlich geplante Überfälle, Einschüchterungen, Belästigungen oder Störungen durch NS-Aktivisten während der Aufführung eines Hemingway-Stückes in Putgarten auf Rügen (M.V.) – Anfrage/Prüfungserbitten.

    Axel Mylius
    Schwarzmeerstr. 25/714
    10319 Berlin
    Tel.: (030) 513 87 82
    a.mylius@gmx.net

    Berlin, den 23.07.10

    An
    info@bka.de
    bfvinfo@verfassungsschutz.de

    Unter Weiterleitung an:

    tourisverband@ruegen.org
    office@amt-nord-ruegen.de
    kreistag@landkreis-ruegen.de

    Betreff:

    Mutmaßlich geplante Überfälle, Einschüchterungen, Belästigungen oder Störungen durch NS-Aktivisten während der Aufführung eines Hemingway-Stückes in Putgarten auf Rügen (M.V.)

    Bezug: http://www.ostsee-portal.info/index.php/tickets-mecklenburg-vorpommern/33-ruegen/142-der-alte-mann-und-das-meer-freilichtbuehne-in-putgarten-auf-ruegen.html

    Prüfungserbitten/Vorfeldanfrage

    __________________________________

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Angesichts der Aufhetzungen unter:

    http://freies-pommern.de/?p=1225
    http://freies-pommern.de/FP.Bau.Blog/wp-content/uploads/2010/07/20100608_flugi_hemingway.pdf

    …bitte ich zu prüfen, ob die Sicherheit von Touristen und Veranstaltern im Zeitraum vom 30. Juli bis zum 10. August 2010 gewährleistet ist. – Überdies bitte ich um die Auswertung des NS-Netzwerkes und ggf. um die Einleitung der erforderlichen Schritte.

    Hinweis und Anfrage gehen erstrangig an die Bundesbehörden. – Hinsichtlich der Aussagen und NS-Zielstellungen unter den aufgezeigten Fundstellen, bitte ich um einen Hinweis auf Kenntnisnahme.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Mylius

    ____________________________

  3. Zum Geithain-Bericht vom 21. Juli 2010

    Donnerwetter, ich bin erstaunt und angenehm überrascht, wie genau ihr Blog meine ,,Beschwerde,, aus meiner Web-Seite im vollem Wortlaut abgedruckt hat.
    Hätte ich nicht erwartet.
    Das ich später noch mal zum Bürgerhaus zurückgegangen bin, Herrn Tripp dort angetroffen habe und begrüßte, den ich ja wie 100 andere Stadt- und Kreisräte aller Parteien kenne, dürfte für mich, wie für jeden anderen lokalen Journalisten ein völlig normaler Vorgang sein.
    Als neutraler Berichterstatter habe ich keine idologischen Vorbehalte mit Menschen zu sprechen, mich zu informieren und zu hinterfragen.
    Bei Ihnen, bzw. in der Veranstaltung war das ja leider nicht möglich.
    Allein wie dieser mir noch unbekannte junge Mann vor dem Einlass zur Veranstaltung herumhüpfte und ständig rief; DAS IST DER BUCHHEIMER, war schon mehr als komisch, wenn auch ein wenig traurig anzuschauen.
    Na egal und wie dem auch sei, Respekt für den ,,Beschwerdeabdruck,, und ich hoffe sie bekommen nun keine Sinnkrise, von mir gelobt zu werden.
    Der Buchheimer

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