Süddeutsche Zeitung verkauft rechtsextreme Literatur

corel
Literatur aus dem rechtsextremen Winkelried-Verlag bei der SZ

Die Süddeutsche Zeitung vertreibt über ihre Internet-Seite rechtsextreme Literatur. Unter anderem werden in dem Shop auf sueddeutsche.de Bücher aus dem „Winkelried“-Verlag angeboten. Dieser gehört einem NPD-Funktionär. Außerdem bietet die SZ in ihrem Online-Shop unter anderem Werke des NS-Helden und späteren rechtsextremen Funktionärs Hans Ulrich Rudel an. Das Unternehmen teilte auf Anfrage mit, man vertreibe die Angebote, da diese nicht indiziert seien.

Eine Sprecherin der SZ räumte aber ein, man habe bereits mehrfach Beschwerden über die rechtsextremen Angebote erhalten. Allerdings wolle man „keine Zensur“ ausüben, sagte sie auf Anfrage des Autors. Zu dem Einwand, ein Nicht-Anbieten von frei zugänglichen Werken in einem privaten Shop sei keine „Zensur“, äußerte sich die Sprecherin nicht. Auch zu der größeren Reichweite sowie der Aufwertung der rechtsextremen Literatur durch die Einbindung in den SZ-Shop gab die Sprecherin keine Kommentar ab. Sie verwies auf eine Stellungnahme des SZ-Vertragspartners „Libri“, wonach man „grundsätzlich […] Titel aus dem gesamten politischen Spektrum“ aufnehme. Dieser Position schließe sich die SZ an.

Daher vertreibt die SZ nun Bücher wie die des ehemaligen Offiziers der Waffen-SS Leon Degrelle, dessen Schriften auch im rechtsextremen Grabert-Verlag erscheinen – oder sogar auf dem Index stehen („Die verlorene Legion“). Auch das „Kriegstagebuch“ von Hans Ulrich Rudel, einem bekannten NS-Fliegerhelden, der sich auch nach dem Krieg in Nazi-Kreisen bewegte, wird auf den Seiten der Süddeutschen angeboten. Ein Leser von NPD-BLOG.INFO, der von der SZ auf seine Beschwerde hin gar keine Antwort erhalten hatte, kündigte mittlerweile sein Abo.

Hintergrund: Der Winkelried-Verlag, dessen Werke über den SZ-Shop angeboten werden, gehört nach Angaben im Impressum Eric Kladen. Kaden (Jg. 1976) ist nach Angaben des Netz gegen Nazis (Stand 2007) Versandbuchhändler, Mitarbeiter der NPD-Landtagsfraktion in Schwerin und war Aktivist der mittlerweile verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ). Mittlerweile wird Kaden nicht mehr als Mitarbeiter der NPD-Fraktion geführt.

Proteste gegen Bauer in Hamburg (Foto: Kein Bock auf Nazis)
Proteste gegen Bauer in Hamburg (Foto: Kein Bock auf Nazis)

Auch andere große Pressehäuser möchten offenbar nicht auf die Einnahmen aus den Geschäften mit Rechtsextremen verzichten. Seit dem Dezember 2009 gibt es die rechtsextreme Zeitschrift „ZUERST“; diese soll als „Deutsches Nachrichtenmagazin“ auf dem Markt etabliert werden. Verleger des Magazins ist der langjährige Nazi-Aktivist Dietmar Munier aus Schleswig-Holstein. Organisiert wird der Vertrieb dieses braunen Blatts durch eine Tochter des Hamburger Bauer-Verlags. Die „Verlagsunion“ sorgt dafür, dass „ZUERST“ bundesweit an Kiosken ausliegt. Dagegen protestierten bereits mehrfach Antifaschisten, zudem forderte der Gesamtbetriebsrat der Bauer Media Group, die Kooperation zu beenden. Bislang erfolglos.

Eine Unternehmenssprecherin des Bauer-Verlages erklärte hinsichtlich des braunen Geschäftspartners: „Für den Fall, dass „ZUERST!“ gegen geltendes Recht verstoßen sollte, wird die VU die vertraglichen Bedingungen umgehend kündigen.“ Mit dieser Begründung könne der Verlag „auch den Vertrieb der Deutschen Stimme, dem Parteiorgan der NPD rechtfertigen“, kritisiert Jan Jetter, „da sich Nazi-Zeitschriften natürlich rechtlich absichern, offene NS-Bezüge stets in deutlichen Andeutungen formulieren und ihre Hetze von Anwälten prüfen lassen“. Jetter, der in der Arbeitsgemeinschaft freier Jugendverbände (AGfJ) in Hamburg regelmäßig Aktionen und Veranstaltungen gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus organisiert, meint,  der „finanzielle Profit durch den Vertrag mit Munier scheint momentan noch größer zu sein, als das schlechte Image durch den Vertrieb brauner Propaganda“.

Indizierte Nazi-Literatur frei zugänglich

Während sich die SZ und der Bauer-Verlag also darauf berufen, sie täten nichts Verbotenes und daher sei es überflüssig, über die Verbreitung von brauner Hetze durch angesehene Unternehmen zu diskutieren, können via Amazon sogar indizierte Bücher bestellt werden. Beispielsweise die „Deutschen Annalen 1995“ aus der Verlagsgesellschaft Berg, welche bundesweit nach §130 StGb beschlagnahmt und eingezogen wurden. Dieses Buch bringt es bei Amazon auf fünf Treffer. Auch das Buch über die „Siegerjustiz in Dachau“ von Joseph Halow kann via Amazon problemlos bestellt werden – obwohl es ebenfalls nach §130 StGB eingezogen wurde. Auch hier stößt man übrigens auf den Altnazi Rudel, dessen bereits seit 1971 indiziertes Buch „Adler der Ostfront“ via Amazon angeboten wird. Nicht-indizierte Propaganda des Altnazis gibt es dann bei der SZ.

Siehe auch: Der Bauer-Verlag und das rechtsextreme Magazin “Zuerst!”, Amazon beendet Partnerprogramm mit der NPD

36 thoughts on “Süddeutsche Zeitung verkauft rechtsextreme Literatur

  1. Nö, @Nordkorea … mußt du natürlich nicht. – Aber für Jemanden der Himmlers Rede vor seinen SS-Adepten gelesen hat, ist deine Argumentation im Blog nun noch „Scheißiger“ als Vorher, nebst Nick … 😉

    So, ich bemühe micht jetzt die Sommerpause zu respektieren. *lol* :)

  2. „Genauso ist es. In einer wirklich demokratischen Gesellschaft dürfen überhaupt keine Publikationen verboten sein.“

    Demokratie heißt Volksherrschaft. Wenn das Volk, wie in Deutschland, der Meinung ist, dass gewisse Meinungen nicht straffrei öffentlich geäußert werden dürfen, dann ist das Demokratie.

  3. Nordkorea, Ihre Aussagen sind wieder völlig unqualifiziert:

    „In einer wirklich demokratischen Gesellschaft dürfen überhaupt keine Publikationen verboten sein.“

    Selbstverständlich müssen die Grenzen des Strafrechts eingehalten werden. Wer gegen andere hetzt und historische Lügen verbreitet, kann sich nicht selbst auf seine uneingeschränkten Grundrechte berufen. Die Rechte des Einzelnen enden dort, wo andere beeinträchtigt werden.
    Und nur weil die Grenzen bei uns dahingehend sehr großzügig ausgelegt werden, darf auch eine Bild-Zeitung überhaupt noch erscheinen.

    Außerdem muss der Jugendschutz natürlich berücksichtigt werden. Leider sind auch viele Erwachsene derart naiv und unreif, dass man sie eigentlich nach dem Jugendschutzgesetz behandeln müsste.

    Ihre „Bücherverbrennungen“ folgen argumentativ einem bekannten wie dummen Schema: Setze Nazi-Gegner mit Nazis gleich und diskreditiere sie so:
    Da werden Demokraten oder Linken Nazi-Methoden vorgeworfen (siehe mein Kommentar oben), da stilisierten sich Nazis sogar schon als „die neuen Juden“, weil man ihnen bestimmte Dinge verbot. Geschmackloser geht es nicht mehr.
    Wer wie Sie solche Vergleiche zieht, der verbreitet nicht nur historischen Blödsinn, sondern macht sich auch über die wahren Opfer der Vergangenheit lustig.
    Die simple Argumentation von Ihnen wie von Nazis lautet: Wenn ich nicht Täter sein darf, dann bin ich Opfer von Unterdrückung.

Comments are closed.