„Sizilianische Methoden“ beim Kampf um Rechtsrockspektakel

Eigentlich wollte die neonazistische Vereinigung „Bündnis Zukunft Hildburghausen“ (BZH) am 24.07. mit dem „Nationalen-sozialen-Thüringer-Arbeiter-Tag“ in ihrer Stadt eine Demonstration und ein Rechtsrock-Festival veranstalten. Die NPD vereitelte diesen Versuch und warb die Bands für eigene Zwecke ab.

Laut der Mobilisierungsseite der Hildburghausener Neonazis wollen sie zunächst von 13 bis 15 Uhr unter dem Motto „Wir wollen keine Asylantenheime“ durch die 12.000-Einwohner-Stadt marschieren, um direkt im Anschluss bis 22 Uhr auf dem Marktplatz ein Rechtsrock-Festival namens „Bildung statt Freibad“ mit Bands und Rednern zu veranstalten.

“Rock für Deutschland” in Gera mit “Lunikoff” - Bildrechte liegen bei: recherche(at)infothek-dessau.de
Rechtsrock-Festival in Thüringen mit "Lunikoff" (recherche(at)infothek-dessau.de)

Angekündigt waren hierfür bis gestern noch die Bands „Endless Pride“ (Schweden), „Nordglanz“ (Niedersachsen), „Kinderzimmerterroristen“ (Raum Suhl, Thüringen) und „Untergrundwehr“ (Würzburg) sowie der rechte Liedermacher Sebastian Döhring alias „Fylgien“ aus Berlin.

Als am vergangenen Samstag ein Flyer auftauchte, welcher Auftritte der drei größten für Hildburghausen angekündigten Bands für den „Raum Pößneck“ unter dem Motto „Sommer – Sonne – Freiluft“ in Aussicht stellte, war die Verwunderung der südthüringer NPD-Dissidenten groß. „Es wurde erst für einen bösen Scherz gehalten.“, schreibt das BZH in seiner am Dienstag erschienen Stellungnahme.

Beiträge des Vorsitzenden des NPD-Kreisverbandes Kyffhäuserkreis, Patrick Weber, im rechten Internetforum „Thiazi“ ließen vermuten, woher der Wind weht: Die Organisator_innen des ursprünglich geplanten Events waren der NPD anscheinend nicht konform genug, weshalb man die Bands kurzerhand abwarb, um sie auf dem Grundstück des NPD-Domizils „Schützenhaus“ im mittelthüringischen Pößneck spielen zu lassen. Weber scheint sich dafür verantwortlich zu zeichnen. Er kündigte die Alternativveranstaltung als erster an und betreibt die Infonummer dafür.

Mittlerweile ist das Gros der Ankündigungen auf der Mobilisierungsseite des BZH verschwunden. Auch nur noch „einige Info- und Verkaufsstände“ sollen den Weg nach Hildburghausen finden. Schenkt man den Beiträgen im „Thiazi“-Forum Glauben, so waren diese, darunter das rechte Monatsmagazin „Zuerst!“, lediglich angefragt, jedoch nie bestätigt worden. Ob mit den Band-Ankündigungen ähnlich verfahren wurde, lässt sich nur vermuten. Das BZH behauptet, alle Bands bis auf den Headliner „Endless Pride“, welcher durch einen Mittelsmann bestätigt worden sei, selbst angefragt zu haben. Sogar die 450€ für den Flug habe man überwiesen, schreibt das wütende BZH in Hinblick auf ihre zerschlagene Veranstaltung.

Die Streitigkeiten zwischen den braunen „Kameraden“ in Thüringen sind dabei nicht neu. Die Organisator_innen der Veranstaltung in Hildburghausen sind allesamt Kreisen zuzurechnen, die sich mit der NPD zerstritten haben. Die Mitglieder des BZH um das Hildburghausener Kreistagsmitglied Tommy Frenck traten im vergangenen Jahr geschlossen aus der NPD aus, nachdem ihnen von der Landesführung untersagt worden war, zur Kommunal anzutreten.

Frencks Vertrauter Kai-Uwe Trinkaus, der als Anmelder der Versammlung auf dem Hildburghausener Marktplatz auftritt, wurde bereits 2008 aus der Partei ausgeschlossen, als er nach einer gescheiterten Kandidatur für den Partei-Landesvorsitz den NPD-Kreisverband Erfurt-Sömmerda kurzerhand in „Nationale Plattform Deutscher Erfurter“ (NPDE) umtaufte. Seitdem ist Trinkaus Vorsitzender der Thüringer DVU und des „PRO Thüringen e.V.“.
Als Redner verpflichteten die Veranstalter_innen indes den früheren NPD-Bundesvorsitzenden Günther Deckert, der schon 2007 aus der Partei ausgeschlossen wurde.

Grund genug für NPD-Sympathisant_innen, das Marktplatz-Spektakel zu boykottieren. Es ist zu erwarten, dass am 24. Juli die Mehrheit der Neonazis aus Thüringen und Umgebung den Weg nach Pößneck finden wird, allerdings werden auch Stimmen laut, beide Veranstaltungen auslassen zu wollen. Angeblich hat sich der schwedische Headliner laut einem der Hildburghausener Veranstalter schon für diese Strategie entschieden und wird auf keiner der beiden Veranstaltungen spielen.

Der Protest des Hildburghausener „Bündnis gegen Rechtsextremismus“ wurde unterdessen vom Landratsamt erschwert und eine Gegenkundgebung auf dem Markplatz ebenso wie die Benutzung von Vuvuzelas untersagt. So werden die verbleibenden Neonazis, deren Anzahl aufgrund der weit reichenden Kontakte Frencks nicht zu unterschätzen ist, wohl ihren Aufzug weitgehend ungestört veranstalten können.

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