Drohungen gegen Journalisten: NPD-Gemeindevertreter vor Gericht

Am kommenden Dienstag muss sich der Löcknitzer NPD-Gemeindevertreter Dirk B. vor dem Amtsgericht Prenzlau wegen des Vorwurfes der Nötigung verantworten. Er soll den Journalisten Peter Huth im August 2009 in der uckermärkischen Kleinstadt Brüssow den Weg versperrt und ihm für seine journalistische Arbeit Prügel angedroht haben.

Peter Huth, der auch das Internetportal „gegenrede.info“ über Rechtsextremismus in der Uckermark betreibt, will sich nicht unter Druck setzen lassen und hatte deshalb Anzeige erstattet. Nach seiner Beschreibung hatte sich der glatzköpfige Löcknitzer (Mecklenburg-Vorpommern) zur Mittagszeit ihm mit einer Bierflasche in der Hand in den Weg gestellt. „Na du Judensau, war wohl nichts los gestern in Brüssow!“, spielte er laut Peter Huth auf einen am Vorabend misslungen Heß-Gedenk-Flashmob in Brüssow an. „Hättest mal nach Löcknitz kommen sollen. Da gab es eine Feier.“ Danach soll er ihn mit Worten wie Drecksack beschimpft und erneut als Judensau bezeichnet haben. „Er wirkte total aggressiv und trotzdem kontrolliert.“, beschreibt Peter Huth den Angreifer. „Sein Gesicht hatte er ganz nah an mich herangeführt, um nicht laut reden zu müssen. Auf der anderen Straßenseite hat ein zweiter Mann gewartet.“

Huth bewertet die Situation als eine versuchte Demütigung und Provokation, die darauf abzielte, ihn zum Zuschlagen zu bewegen. Als das nicht fruchtete, drohte ihm der heute 41-jährige NPDler mehrfach Prügel an, wenn er ihn noch einmal durch den Dreck ziehen würde. Der Satz, „Wir wissen genau, wo du wohnst“, durfte dabei natürlich auch nicht fehlen.

Obwohl der Kahlkopf auf den Heß-Flashmob anspielte, sieht Peter Huth für die Bedrohung eine andere Ursache. Im Rahmen des Kommunalwahlkampfes in Mecklenburg-Vorpommern war er am 23. Mai 2009 für die ZDF Sendung „Reporter“ unterwegs und hatte auf einer NPD Wahlkampfveranstaltung in Löcknitz versucht, Dirk B. zu interviewen. Peter Huth wollte von ihm wissen, wie es zusammen geht, dass er in Löcknitz gegen polnische Bürger hetzt und in Brüssow bei polnischen Bürgern sein Geld verdient. Der NPD Mann hatte damals keine rechte Antwort gefunden und sich wohl ziemlich geärgert. Als er dann doch einmal den Mund aufmachte, kam nur antisemitisches Geblubber heraus: „Ihr seid doch so ein Judenhaufen. Ihr könnt doch, ihr könnt doch noch nicht einmal eine vernünftige Berichterstattung machen.“

Gegenüber der Prenzlauer Zeitung bestritt Dirk B. die Vorwürfe, gab aber zu auf Peter Huth getroffen zu sein: „Es ist nicht so abgelaufen, wie Herr Huth es dargestellt hat, diese Äußerungen hat es von mir nicht gegeben.“ Als Konsequenz aus den Anschuldigungen hat der NPDler laut Prenzlauer Zeitung Anzeige wegen „Rufmord“ erstattet.

Termin: Dienstag 20.07.2010, 10:30 Uhr, Amtsgericht Prenzlau, Saal 110

Siehe auch: Löcknitz: Drohungen gegen Journalisten, Löcknitz – Polenfeindliche NPD-Plakate abgehängt, Die “Offenbahrungen” der NPD, Andrea Röpke mit Zivilcourage-Preis “Das unterschrockene Wort” ausgezeichnet, Attacke auf Fotografen: Neonazi Hasselbach muss ins Gefängnis, NPD-Sonderparteitag – Polizeischutz für Journalisten, NPD-Sonderparteitag: Anmerkungen vom Geschmeiß, NPD deckt nach eigenen Angaben Fehler bei Panorama auf…