NPD-Verbot und Sommerloch: Danke Bahn!

Was haben NPD und Deutsche Bahn gemeinsam? Beide setzen in ihren Logos auf die Farben Rot und Weiß, beide haben ein Image, dass Marketing-Experten schlaflose Nächte bereiten dürfte – und beide taugen als Thema für das Sommerloch. In diesem Jahr besticht die Bahn – ausnahmsweise möchte man hinzufügen – dadurch, schneller zu sein als alle anderen. Sie hat das Rennen um das Sommerloch für sich entschieden.

Von Patrick Gensing

Die Zeitungen sind voll mit Berichten aus Sauna-Zügen und einmal mehr kann man sich als geneigter Beobachter schöne Verschwörungstheorien erspinnen, wonach die Bahn von der Auto-Industrie gesteuert werde.

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Auch die NPD setzt auf die Farben Rot und Weiß (Foto: M. Peters)

Wer die NPD eigentlich steuert, darum geht es auch beim potenziellen Sommerloch-Thema NPD-Verbot. In den vergangenen Jahren nutzten Gewerkschafter oder Politiker, oft aus der zweiten Reihe, die vermeintliche Gunst der Stunde und versuchten in der nachrichtenarmen Zeit einen Platz in den Medien für das Thema zu ergattern. Mehrmals war dies von Erfolg gekrönt; Nachrichten haben ein kurzes Gedächtnis – und ob eine Forderung bereits vor einem, zwei oder mehreren Jahren erhoben wurde, geht im aktuellen Betrieb zumeist unter. Aktuell ist es SPD-Vize-Chefin Manuela Schwesig, die ein NPD-Verbot fordert. Nach dem Rechtsempfinden der Bürger gehöre die Partei verboten, so Schwesig. Ein beliebtes Stilmittel, sich des vermeintlichen Volkswillens zu bedienen, um eigenen Forderungen Nachdruck zu verleihen. Aber warum gerade jetzt dir Forderung nach einem NPD-Verbot? War irgendetwas Besonderes? Eine Wahl? Rechte Überfälle, die die Öffentlichkeit ausnahmsweise mal interessieren? Nein, es ist einfach Sommerloch.

Aber das Sommerloch sollte nicht schlechter gemacht werden, als es ist. Im Sommerloch finden tatsächlich bisweilen Themen ihren Weg in die öffentliche Wahrnehmung, die sonst gerne im Nachrichtenwust untergehen. Und es ist auch überhaupt nicht falsch, über ein NPD-Verbot ernsthaft zu diskutieren. Doch bewegen sich die öffentlichen Debatten darüber zumeist auf einem höchst oberflächlichen Niveau: „Ich bin dafür“ oder „Ich bin dagegen“. Die Frage nach der Wirkung einer solchen staatlichen Intervention sowie dem Weg dorthin – Stichwort: das Problem mit den V-Leuten – wird zumeist einfach ausgeklammert. Ist aber auch ein kompliziertes Thema.

Daher gilt der Deutschen Bahn Dank, denn sie ist voll in das Sommerloch gerast und hat den Austausch von bekannten Positionen zum NPD-Verbot weit abgehängt. Und jeder, der schon einmal Fantasiepreise für eine Zugfahrt bezahlt hat und in einem überfüllten ICE von einem Bahn-Mitarbeiter mit Herrenmensch-Attitüde angepampt wurde, kann sagen: Zu Recht! Auch wenn es populistisch ist und man durch ein Plädoyer für die Bahn derzeit seinen kritischen Geist öffentlich beweisen könnte: Die Bahn hat es wirklich verdient und viel dafür getan, medial „gegrillt“ zu werden. Übrigens eine weitere Gemeinsamkeit mit der NPD.

Siehe auch: Verfassungsschutz: NPD etabliert sich im Osten, Oster-Loch: NPD-Verbotsdebatte mal wieder in den Medien, NPD-Verbot: Bayern will V-Leute abschalten, CDU-Innenminister fordert NPD-Verbot, Innenminister und NPD-Finanzen: Kalter Kaffee wird neu aufgebrüht, Hintergrund: Hickhack in der Union um V-Leute in der NPD, NPD-Dokumentation: CDU/CSU streiten über erneutes Verbotsverfahren, Kommentar: Wertvolle heiße Luft, SPD-Politiker fordern erneutes NPD-Verbotsverfahren, Dokumentation zum NPD-Verbot: Pastörs liefert weiteres Material und beleidigt Merkel und Schäuble, Angeblich erneut V-Mann des VS in NRW aufgeflogen, V-Mann an rechtsextremer Radio-Hetze beteiligt, Keine V-Leute bei NPD-Spitzen in Berlin und weiteren Bundesländern, Nazis im Staatsdienst – die V-Leute des Verfassungsschutz

7 thoughts on “NPD-Verbot und Sommerloch: Danke Bahn!

  1. Man sollte mit der Bahn nicht so unfreundlich umgehen, schließlich hat sie ständig damit zu kämpfen, dass ihr der kleine Gedenkzug nicht alle Gleise zu parkt … was ja gerade für die „Reichsbahn“ ein unhaltbarer Zustand ist … *lol* 😉

    In Berlin wird Spannendes zum Hetzen der NPD in öffentlichen Gebäuden erwartet; hoffentlich folgt die Justiz nicht der „Weisheit“: „Wo kein Parteiverbot ist, kann auch nicht gehetzt werden.“ *gröööl*

    http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0716/politik/0025/index.html

    … und „Nebenan“ marschiert dann gleich „Pro Köln“ auf … damit hat es dann die NPD nicht soweit zu ihren Freunden … aber vorgeblich haben die sich ja alle gegenseitig gar nicht lieb:

    http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0716/berlin/0065/index.html

  2. Ich meinte „so weit“, sorry, wird wohl die Hitze sein … nun ist es also soweit! *g* 😉

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