Die Aufwertung des Faschismus im heutigen Italien

Ebenso wie in Deutschland der Gebrauch von Symbolen der Nazi-Zeit verboten ist, darf man auch in Italien Zeichen aus der Ära des Faschismus nicht verwenden. Eigentlich. Stattdessen wurde Ministerpräsident Berlusconi im letzten Wahlkampf von Teilen seiner Anhänger als neuer „Duce“ gefeiert, stattdessen reckte die derzeitige Tourismusministerin Brambilla im vergangenen Jahr den rechten Arm zum „römischen Gruß“, stattdessen haben einige Souvenirläden im Land hin und wieder Büsten oder Kalender von Mussolini im Angebot.

Rechtsextreme gab es immer schon, vor allem in den italienischen Fußballstadien. Doch inzwischen gibt es in den Stadien keine großen Gewaltexzesse der Rechten mehr. Die Vereine greifen hart durch, die Fans werden streng kontrolliert. Deshalb haben sich die rechtsextremen Auswüchse verlagert: auf Italiens Straßen. Viele Jugendliche identifizieren sich mit rechtsextremen Ideen, verehren Benito Mussolini und Adolf Hitler. Gewalt ist ein fester Bestandteil ihres Lebens.

In Silvio Berlusconis Italien sind öffentliche Bekenntnisse zum Faschismus salonfähig geworden. Das hat großen Einfluss auf die rechtsradikale Jugendbewegung. Im gesamten öffentlichen Italien werden die faschistischen Kämpfer inzwischen wieder als Helden stilisiert. Von den Verbrechen des Regimes ist im Italien Berlusconis jedenfalls nicht mehr viel die Rede. Die Aufwertung des Faschismus kommt nicht vom Rand, von den Extremisten, sondern aus der Mitte der Gesellschaft. Ein positives Bild der faschistischen Zeit ist längst salonfähig geworden – auch weil die Vergangenheit in Italien nur unzureichend aufgearbeitet wurde.

Den meisten Anhängern der rechtsextremen Gruppen geht es auch gar nicht um Geschichte. Oftmals haben sie nur eine eher diffuse Vorstellung davon, was Faschismus und Nationalsozialismus bedeutet haben. Sie verwenden die alten Zeichen und Rituale vor allem, um sich abzugrenzen, um sich als „anders“ zu definieren.

Ein Hörfunkfeature von Jan-Christoph Kitzler. Mit den besten Grüßen und bis bald!

Nahaufnahme – Neofaschistische Tendenzen in Rom, Mittwoch, 7. Juli 2010, 15.30 Uhr und 22.30 Uhr (Wdh.) – auch zum Herunterladen.

3 thoughts on “Die Aufwertung des Faschismus im heutigen Italien

  1. Massimo Scaligero, der bekannteste Italienische Anthroposoph, der auch ins Deutsche übersetzt wurde, wird von Anthroposophen nach wie vor als „Spirituelle Autorität“ verehrt, obwohl bekannt ist, dass Scaligero Faschist, Antisemit und Rassist war. Zur Einordnung von Scaligero in die neo-faschistische Bewegung:

    Antonio Carioti, „Gli orfani di Salò“, http://www.sehepunkte.de/2008/06/14596.html

    „(…) Überdies bedienten sich die jungen Neofaschisten einer idealistischen Esoterik, die an die antidemokratisch-aristokratischen Ideen von Julius Evola und MASSIMO SCALIGERO anknüpften. Für diese beiden umstrittenen Intellektuellen, die sich der RSI [Repubblica Sociale Italiana] angeschlossen und zu den wichtigsten Fürsprechern eines rassistischen Antisemitismus in Italien gezählt hatten, war mit der Demokratie das Maximum der Dekadenz erreicht, während sie – nach mittelalterlichem Vorbild – für ein streng hierarchisch organisiertes und von einer aristokratischen Leistungselite autoritär geführtes Gemeinwesen als politisches Ideal eintraten. Die RSI blieb für viele junge Neofaschisten der Referenzpunkt ihrer Identität. Sie verherrlichten den Krieg, der zwischen 1943 und 1945 in Italien geführt wurde, als den Kampf weniger Idealisten für eine verlorene, aber ihres Erachtens nach edle Sache – den Kampf gegen Demokratie, Bolschewismus und Judentum. (…)“

    Folgend Zitate aus 2 Original-Texten von Scaligero, meine Übersetzung wurde von der Italienischen Botschaft durchgesehen:

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    Massimo Scaligero, „Coscienza del sangue“ in „La Difesa della Razza“, 20. August 1942, S. 4

    Massimo Scaligero, „Bewusstsein des Blutes“ in „Die Verteidigung der Rasse“:

    „Wenn eine essentielle Zielsetzung der rassistischen Doktrin [i.e: der Rassen-Lehre] existiert, dann besteht diese notwendigerweise in einer ethisch-wissenschaftlichen Praxis, die die Werte der Rasse richtigstellt, gemäss eines Modells, das nicht erfunden werden muss, sondern das bereits existiert. Dies kann nicht nur durch eine Reihe von Normen der Eugenik und der Gesundheit erreicht werden, sondern auch indem eine rassistische Sensibilität und ein rassistisches Bewusstsein [i.e.: ein Rasse-Bewusstsein] erweckt wird, so dass das Volk nicht passiv die Resultate einer rassistischen Aktion aufnimmt, sondern selbst bewusster Mitwirkender dieser Aktion wird.“

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    Massimo Scaligero, „Fronte unico ario“ in „La Difesa della Razza“, 20. Februar 1941, S. 22

    Massimo Scaligero, „Arische Einheitsfront“ in „Die Verteidigung der Rasse“:

    „Die anti-jüdische Bewegung muss heute richtigerweise eine übernationale Größe erlangen, bis sie zu einem Übereinkommen aller Länder wird. Gerade weil man von einem Ideal der Universalität bewegt [i.e.: angetrieben] ist, das die hierarchischen Differenzierungen nicht abschafft, sondern beibehält und harmonisiert, kann man die Aktion einer ethnisch-kulturellen Gruppe mit internationalistischem Charakter, wie die der jüdischen, nicht zulassen; diese Unzulässigkeit für die Völker erlangt lebende [auch: lebendige] Bedeutung vor allem sobald mit der Konzeption einer neuen arischen Universalität das Erwachen [auch: Wiederaufleben] jenes ethnisch-spirituellen Elementes übereinstimmt, das ursprünglich diesem Ideal der Humanität den Impuls gab. Jetzt ist eine Einheitsfront unentbehrlich, um der Universalität des arischen Ideals ein positives Instrument auf der Ebene des Handelns zu geben, insofern es nicht darum geht, gegen eine Nation zu kämpfen, sondern gegen eine »Internationalität«, die Nation in den Nationen ist, und sich nicht nur unter dem Aspekt der Rasse präsentiert, sondern auch unter dem Aspekt der Religion, Kultur, der Denkweise, des Erkennens, des Handelns.“

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    Dem Anthroposophen Michael Eggert sind diese Texte bekannt, trotzdem zitiert er weiter Massimo Scaligero als „Spirituelle Autorität“, z.B. hier:

    “Die Kraft des Lebens”, http://www.egoisten.de/files/kraft_des_lebens.html

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