WM-Viertelfinale: NPD bejubelt blutigen „Wirkungstreffer“

Neonazis haben ein gespaltenes Verhältnis zur deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Die Blutsbrüder mögen die deutschen Spieler Özil, Khedira, Cacau, Podolski, Klose, Marin und weitere nicht, da sie aus Sicht der Völkischen nicht „deutsch“ genug sind. Daher tat sich NPD-Pressesprecher Klaus Beier gegenüber dem Politmagazin Panorama sehr schwer mit einer einfachen Frage: „Freuen Sie sich, wenn Özil ein Tor für Deutschland schießt?“

Von Patrick Gensing

Dennoch sind viele Neonazis ganz offenbar weiter für Deutschland. So auch die NPD in Hamburg, die nach dem Viertelfinalspiel Deutschland gegen Argentinien betonte, die Partei „steht zur BRD-Mannschaft!“ Allerdings mit völkischen Beschränkungen, denn die Mannschaft dürfte „ruhig ein wenig nationaler sein“. Deswegen meldet sich die NPD-Hamburg aber nicht zu Wort, sie will von einer Heldentat auf der Hamburger Reeperbahn nach dem 4:0-Triumph berichten. Denn dort seien „offensichtlich linksradikale Bewohner“ eines Hauses aufgefallen. Diese provozierten, so die NPD weiter, die „feiernden Fußballanhänger mit einem Transparent „Deutschland verrecke“ an der Hausfront“. Und das geht natürlich nicht, alle haben mitzufeiern! Und so schreibt die NPD weiter:

„Gegen diese antideutsche Hetze formierte sich sofort ein spontaner Protest mit etwa 100 Teilnehmern. Deutschland-Rufe und die 3. Strophe des Deutschlandliedes hallten durch die Friedrichstraße zwischen Hans-Albers-Platz und Davidstraße. Die Linksextremisten beantworteten den friedlichen Protest der Fußballanhänger mit Flaschenwürfen aus dem Fenster. Das ließen sich die Protestierer nicht gefallen und beendeten den Angriff mit zielgerichteten Flaschenwürfen in das Fenster der Provokateure. Blut am Fensterrahmen deutete auf einen Wirkungstreffer hin. Und nur mit Mühe konnte die Polizei verhindern, daß aufgebrachte Patrioten die Angreifer aus dem zweiten Obergeschoß unmittelbar in ihrer Wohnung festnahmen. Jedoch verfehlte der patriotische Protest sein Ziel nicht: Das antideutsche Hetztransparent wurde von den offensichtlich verunsicherten Bewohnern eingeholt. Der Empörung der Fußballanhänger war damit jedoch nicht Einhalt geboten. Aber da in der Hamburger Polizei wenig Verständnis für patriotischen Protest herrscht, wurde letztendlich mit 2 Zügen der 5. Hundertschaft die Straße vor dem Haus von Fußballanhängern geräumt. Neben ausländischen jungen Männern, die kein Interesse am Verrecken ihres Wirtslandes zeigten, beteiligte sich auch der Hamburger NPD-Landesverband in den Farben des Lützowschen Freikorps auf Funktionsträger-Ebene am Protest gegen antideutsche Hetze.“

Für die NPD offenbar ein Tag nach ihrer Vorstellung: Im deutschen Mob ein Haus angreifen, an dem ein Transparent hängt, welches einem nicht passt; Flaschenwürfe mit blutigen „Wirkungstreffern“ – und dann kann man auch noch Migranten als Parasiten („Wirtsland“) bezeichnen. Im Überschwang ist hier möglicherweise schon die Grenze zur Volksverhetzung überschritten worden.

Ellenlanges Vorstrafenregister

Wäre auch nicht das erste Mal, dass NPD-Funktionäre in Hamburg mit dem Gesetz in Konflikt gerieten. Zwei Tage nach dem Viertelfinalspiel führte der Landesverband der Neonazi-Partei, der seit dem Tod der Gallionsfigur Jürgen Rieger öffentlich kaum noch in Erscheinung tritt, seinen Landesparteitag durch. Nach Angaben des Hamburger Bündnisses gegen Rechts nutzten die braunen Kameraden dafür das Vereinshaus eines Kleingartenvereins im Stadtteil Bramfeld. Aus diesem Stadtteil rekrutiere sich auch „ein guter Teil der Kader“ der NPD-Hamburger, der fest in der Hand einer Truppe sei, die „sich früher mal „Bramfelder Sturm“ nannte“, so das Bündnis.

Angemeldet war der Parteitag in der Kleingartensiedlung als „Sommefest“ – sonst hätte man wohl keine Genehmigung bekommen. Anmelder war demnach Willi Wegner, der nach Angaben des Bündnisses am 13. Dezember 2009 am selben Ort eine „private Weihnachtsfeier“ veranstaltet hatte. Weiter erklärte  Felix Krebs für das Bündnis:

„Hätten die Gartenfreunde das ellenlange Vorstrafenregister des ehemaligen Offiziers der Feldjäger Wegner gekannt, dann wäre ein Vertrag erst recht nicht zustande gekommen. Angefangen bei einer Wehrsportgruppe Neumann wurde Wegner 1976 wegen Schmieraktionen, dem Überfall auf einen linken Buchladen und dem Raub von mehreren Maschinenpistolen zu 39 Monaten Haft verurteilt. 1982 folgte die Verurteilung wegen Beihilfe am Fememord an seinem ehemaligen Nazikameraden Johannes Bürger. Zündel-Willi, so sein Spitzname in Nazikreisen, musste 1986 erneut hinter Gitter wegen Widerstand, Aufstachelung zum Rassenhass und anderen Propagandadelikten, im gleichen Jahr war er Spitzenkandidat der inzwischen verbotenen FAP in Hamburg. 1990 folgte die letzte bekannte Verurteilung wegen Sprengung einer Antifaveranstaltung. Wegner ist einer der personifizierten Beweise für die Integration brutaler Gewalttäter in die Hamburger Naziszene.“

Siehe auch: Wahre Liebe: Nazis gegen Deutschland, Löblich: Die NPD-Hamburg will lernen! , Neonazis rüsten zur Fußball-WM in Südafrika

14 thoughts on “WM-Viertelfinale: NPD bejubelt blutigen „Wirkungstreffer“

  1. Weitere Nazi-Gewalt beim Fußball:

    In der Magdeburger Innenstadt randalieren nach der deutschen Niederlage rund 200 Neonazis. Sie skandieren faschistische Parolen, setzen Mülltonnen in Brand und greifen die anrückende Feuerwehr an. Die Polizei nimmt rund 80 Personen in Gewahrsam, gegen ein Dutzend von ihnen wird Strafanzeige erstattet.

    Quelle: Stern.de

    In Regensburg (Bayern) zieht eine Gruppe Skinheads Naziparolen rufend durch die Innenstadt. Anschließend randalieren sie in einer Gaststätte und schlagen den Barkeeper zusammen. Die herbeigerufene Polizei nimmt fünf Verdächtige fest, von denen einer bei der Festnahme unablässig „Heil Hitler!“ brüllt.

    Quelle: „Abendzeitung“, Radio IN

    In Düsseldorf werden feiernde Spanier mit dem Ruf „Raus aus Deutschland!“ angepöbelt.

    Bereits vor dem Spiel Spanien-Deutschland greifen rund 50 Neonazis die Bewohner des Bauwagenplatzes Kommando Rhino in Freiburg mit Faustschlägen, Flaschen- und Steinwürfen an. Dabei skandieren sie nationalistische und homophobe Sprechchöre.

    Quelle: Autonome Antifa Freiburg

    In der Frankfurter Commerzbank-Arena zeigt eine Gruppe offen auftretender Neonazis beim „Public Viewing“ während des Spiels Argentinien-Deutschland den Hitlergruß. Die Polizei schreitet nicht ein. Bereits beim „Public Viewing“ auf dem Frankfurter Rossmarkt bei einem vorangegangenen Deutschland-Spiel wurde nach Auskunft eines Polizisten ein Mann festgenommen, der sich ein großes Hakenkreuz auf den Körper gemalt hatte. Die Polizei war nach eigenen Angaben von einem Pressevertreter darauf aufmerksam gemacht worden, niemand der Feiernden hatte auf das Zeigen des Nazisymbols reagiert beziehungsweise war dagegen eingeschritten.

    Quelle: Störungsmelder

    Vor dem Spiel Ghana-BRD greifen in Berlin zwei Deutsche gezielt einen Schwarzen in einer U-Bahn an, prügeln auf ihn ein und beleidigen ihn rassistisch, nachdem sie sich über das anstehende Spiel ebenfalls rassistisch unterhalten haben. Sie fügen dem 31jährigen eine Platzwunde im Gesicht und Prellungen am Kiefer zu, bis er sich mit einer zerbrochenen Flasche zur Wehr setzt. Die herbeigerufene Polizei leitet nicht nur Ermittlungen gegen die Angreifer ein, sondern auch gegen das Opfer.

    Quelle: „Tagesspiegel“

    Vier deutsche Fußballfans greifen in Saarbrücken eine Gruppe Schwarzer an, nachdem sie eine überdimensionale Deutschlandfahne über die Gruppe ziehen. Auf den Protest der Schwarzen hin zieht einer der Deutschen ein Messer und sticht auf drei Männer ein. Er verletzt sie leicht und flüchtet mit seinen Kameraden.

    Quelle: DDP

    Weil der BRD-Nationalspieler Ballack sich bei einem Foul von dem Schwarzen Fußballer Kevin Boateng massiv verletzte, wird er in TV und Printmedien rassistisch angegriffen. Sein Bruder Jerome Boateng, beklagt sich über rassistische E-Mails und Kommentare in Internetforen: „Es kann nicht sein, dass so viele Menschen im Internet Seiten gründen und rassistisch werden. Was meinen Sie, wie viele E-Mails mein Berater erhalten hat, deren Inhalt gegen mich gerichtet ist und rein nichts mit Fußball zu tun hat“, sagte Jerome Boateng, „das kann ich nicht verstehen, da werde auch ich wütend“.

    Quelle: „Die Zeit“, Laut gegen Nazis

    … und zahlreiche weitere Gewalttaten von „nur“ patriotischen Deutschen, die nicht offen als Nazis benannt werden hier:

    http://www.konkret-verlage.de/kvv/txt.php?text=a1

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