Tänzer nach Neonazi-Angriff berufsunfähig

Zwei Jahre und acht Monate Haft wegen gefährlicher Körperverletzung: So lautet nach NDR-Angaben das Urteil des Amtsgerichts Kiel gegen einen mutmaßlichen Neonazi. Das Gericht sah es demnach am 06. Juli 2010 als erwiesen an, dass der 26-Jährige im April 2009 vor dem Kieler Opernhaus den Balletttänzer Claudiu C. niedergeschlagen hatte. Der Mann habe dem Opfer einen gezielten Schlag auf den Hinterkopf versetzt, so die Richter laut NDR. Mit ihrem Urteil entsprach die Kammer den Angaben zufolge der Forderung der Staatsanwaltschaft. Der Tänzer ist seit dem Vorfall auf einem Ohr taub und hat Gleichgewichtsstörungen. Er ist daher unfähig, seinen Beruf auszuüben.

Der Verteidiger bezeichnete seinen Mandanten laut NDR als einen der führenden Köpfe der rechten „Aktionsgruppe Kiel“. Von dieser habe er sich längst gelöst, widersprach der Angeklagte. Sein Schlag sei damals eine Reflexhandlung gewesen. Ein als Zeuge befragter Kollege des Opfers sprach dagegen von einem gezielten Angriff. Diese Auffassung bestätigte das Gericht mit seinem Urteil.

„Die Augen nicht länger verschließen!“

Zu der Attacke auf den Balletttänzer erklärte die Sprecherin für Strategien gegen Rechtsextremismus der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Luise Amtsberg, rechtsextreme Gewalt werde in Schleswig-Holstein immer alltäglicher: Pflastersteine durch Kinderzimmerfenster des alternativen Wohnprojektes „Dampfziegelei“ und Schüsse auf das alternative Zentrum „Alte Meierei“ in Kiel zeigten, dass das von Neonazis ausgehende Bedrohungspotenzial ein bisher ungeahntes Maß an Brutalität und Intensität erreicht habe. Sie verwies auf offizielle Zahlen, wonach die rechte Gewalt im Jahr 2009 im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Drittel gestiegen sei. Zudem betonte sie, Claudiu C. habe „unsere volle Solidarität“. Doch nichts von dem, was Claudiu erlebt und durchgemacht habe, könne rückgängig gemacht werden.

Amtsberg forderte die Landesregierung auf, „endlich aktiv zu werden und das Thema Rechtsextremismus wieder in den Fokus zu rücken“. Innenminister Schlie dürfe die Augen vor rechtsextremer Gewalt nicht verschließen. Die aktuelle Lage zeige, dass man im Kampf gegen Rechts keinen Cent einsparen dürfe, sondern in mobile Opferberatungsteams und AusteigerInnenprogramme investieren müsse.

Siehe auch: Schleswig-Holstein: Spektrum aktivistischer geprägt, Razzia gegen Neonazis: Sechs Maschinenpistolen beschlagnahmt, Brandanschlag auf “Feuerschloss”