Neonazi kauft Immobilie – mit Rocker-Geld?

Der Tostedter Neonazi Sebastian Stöber, der bei der Bundestagswahl 2009 für die NPD kandidiert hatte, hat die frühere Gaststätte „Zur Symphonie“ in Wöhrden bei Stade gekauft. Unter Bezugnahme auf das Stader Tageblatt berichtet das Blatt Harburger Anzeigen und Nachrichten, Stöber habe die Immobilie am Wöhrdener Schwingedeich für 115.000 Euro bei einer Zwangsversteigerung vor dem Stader Amtsgericht erworben. Was er mit dem teilweise noch vermieteten Gebäude und dem rund 8000 Quadratmeter großen Grundstück vorhabe, sei offen. Stöber hatte den Angaben zufolge bei der Zwangsversteigerung mehrere Interessenten überboten.

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(Foto: Andre Lenthe)

In Tostedt war Stöber (Jahrgang 1977) demnach bisher nicht als Gastronom, sondern als Transportunternehmer mit „stramm rechter Gesinnung“ aufgetreten. Tostedt gehört seit Jahren zu den Hochburgen der rechten Szene.

Nicht kurz vor, sondern schon weit nach zwölf Uhr

Auch die taz-Nord berichtete über den Immobilien-Kauf. „Dieser Kauf wird die schon sehr starke Szene in der Region erneut stärken“, sagte Michael Quelle von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes in Stade dem Blatt. Immer wieder hätten in den vergangenen Monaten Anhänger der Kameradschaften „Nationaler Widerstand Tostedt“ und „Gladiator Germania“ Jugendliche angegriffen. Sogar in Häuser und Wohnungen von gegen Rechts Engagierten drangen sie demnach ein und schlugen brutal zu. Im niedersächsischen Landtag will laut taz der Grünen-Abgeordnete Helge Limburg nachfassen, weil die Polizei vor kurzem gegenüber der taz einräumte, einen rechtsextremen Überfall nicht öffentlich gemacht zu haben. Hinter vorgehaltener Hand sagen derweil selbst hochrangige Polizeibeamte: In Tostedt und Umgebung ist es, was die Neonazi-Übergriffe angeht, nicht kurz vor, sondern schon weit nach zwölf.

Für die Linksfraktion im Landtag sei unverständlich, so die taz weiter, dass die Sicherheitsbehörden im Land nicht von der Transaktion wussten, obwohl die Region eine Neonazi-Hochburg sei. „Einmal mehr zeigt sich, dass der sogenannte Beauftragte für Immobiliengeschäfte mit rechtsextremistischem Hintergrund im Innenministerium ein zahnloser bürokratischer Tiger ist“, sagte die innenpolitische Sprecherin der Fraktion, Pia Zimmermann.

Geld aus der Rocker-Szene?

Nach Recherchen des Stader Tageblatts sei jedoch fraglich, ob Stöber die „Symphonie“ tatsächlich als neuen Treffpunkt oder NPD-Schulungszentrum nutzen wolle, berichtet die HAN. Beim Landkreis Stade gebe es offenbar Erkenntnisse, der Tostedter könnte das ehemalige Tanzlokal auch als Clubhaus für die Rockergruppe MC Gremium ersteigert haben. Es sei schwer, an die Strukturen dieser Rockerbanden heranzukommen, sagt Wolfgang Müller, Leitender Oberstaatsanwalt der Zentralstelle, dem BLatt zufolge. Wenn gegen die Rockergruppen ermittelt werde, gehe es meistens um Delikte, die im Zusammenhang mit dem Rotlichtmilieu stehen: Prostitution, Rauschgift und Waffenschmuggel. Inzwischen gebe es auch Spekulationen darüber, ob das Geld für den Kauf der „Symphonie“ aus den Rockerkreisen stamme. Dass es zwischen Rechtsextremisten und Rockerclubs Kontakte gibt, ist bekannt. Mitglieder der NPD und der Freien Nationalisten sind bei den Hells Angels und den Bandidos aktiv.

Experten beobachten seit einiger Zeit eine gestiegene Affinität von Rechtsextremisten zur Rockerszene, die sich insbesondere durch Übereinstimmungen in den Verhaltensmustern der Szenen ergeben. Beiden Szenen ist ein ausgeprägtes Freund-Feind-Denken, ein Stärke vermittelndes ,Wir‘-Gefühl mit der Neigung zu gruppenorientierter Freizeitgestaltung und ein provokatives Verhalten bei übersteigerter Betonung der Männlichkeit eigen.

Siehe auch: Steigende Affinität zur Hooligan- und Rockerszene, Roßmüller steht zu Bandidos-Mitgliedschaft,

14 thoughts on “Neonazi kauft Immobilie – mit Rocker-Geld?

  1. Der Gremium MC Stade hat in Rockerkreisen tatsächlich den Ruf, von Nazis durchsetzt zu sein. Auf der Internetseite veröffentlicht man ein Schild in Frakturschrift:

    „Festungsgelände! Das Betreten, Abzeichnen und Photographieren dieser Anlagen ist verboten und wird nach §175 des Reichsgesetzes gegen den Verrat militärischer Geheimnisse vom 3. Juni 1914 bestraft.

    Der Reichswehrminister
    Der Festungskommandant“

    Darunter die Parole: „Einig und Treu – Stolz und Stark“ klingt schon sehr nach Nazis.

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