Verbot von „Frontbann 24“ bestätigt

Das Verbot der Neonazis-Kameradschaft „Frontbann 24“ durch den Berliner Innensenator ist am 10. Juni 2010 vom Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg bestätigt worden. Die Revision zum Bundesverwaltungsgericht gegen die Entscheidung sei nicht zugelassen worden, berichtet redok. Seit Anfang 2009 war die Nazikameradschaft in Berlin durch ihre Herkunft (Ex-NPDler) und durch ihr Auftreten (Uniformierung) im öffentlichen Raum auffiel. Am 13. August 2009 ließ der Berliner Innensenator Wohnungen von “Frontbann 24″-Mitglieder in ganz Berlin durchsuchen. Am 05. November 2009 wurde die Neonazi-Kameradschaft verboten.

20090601_Frontbann-24.com_Homepage_Ortsgruppen“Frontbann 24″ stand in der Tradition der nationalsozialistischen Wehrbewegung Frontbann, der im August 1924, nach dem gescheiterten Hitlerputsch, von Ernst Röhm als Ersatz- und Dachverband für die SA und anderer paramilitärischer Gruppierungen gegründet worden war. Der Frontbann verstand sich als ein – wie Röhm es ausdrückte – “kampffähiges Instrument der Bewegung”. Wie andere Ersatzverbände auch, stand diese politische und straff militärische Organisation “auf dem Boden der nationalsozialistischen Weltanschauung” und bekannte sich “bedingungslos zu Hitler, Ludendorff und Graefe”.[*]

Kurz nach seiner Gründung bekam es der Frontbann mit repressiven Maßnahmen des Staates zu tun. Die bayerische Polizei verhaftete am 17.9.1924 die Führer der Münchener Verbände und beschlagnahmte nahezu das gesamte Aktenmaterial. Man befürchtete, dass der Frontbann die Bestrebung verfolgte, “die verfassungsmäßig festgestellte republikanische Staatsform des Reiches und der Länder zu untergraben”.

Trotz dieser Repressalien, die letztendlich im Sande verliefen, schien sich der “ausschließliche Träger der nationalsozialistischen Idee” (Zitat Röhm) durchzusetzen. Bis zur erneuten Legalisierung der SA im Frühjahr 1925 gehörten der Ersatzorganisation Frontbann bis zu 30.000 Mann an.[*]

Vier Ortsgruppen in Berlin

Seit seiner Gründung Anfang 2009 entstanden in Berlin mindestens vier “Frontbann 24″-Ortsgruppen, so in Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf, Neukölln, Schöneweide und Hohenschönhausen. Außerhalb Berlins sollen sich nach nicht verifizierbaren Informationen zwei weitere Ortsgruppen gebildet haben. Die Mitgliederzahl lag nach Einschätzung des Berliner Verfassungsschutzes derzeit bei etwa 40 bis 60 Personen. Der Altersschnitt lag bei über 30 Jahre – für Kameradschaften ungewöhnlich hoch.

Nach außen hin zeigte sich “Frontbann 24″ aktionsorientiert und uniformiert. Erstmals sah man die Gruppe “Frontbann 24″ mit ihren Fahnen am 14. Februar 2009 auf der Dresdener Nazidemo anlässlich der Bombardierung der Elbmetropole zum Ende des 2. Weltkriegs. Anfängliche Höhepunkte im Bestehen der Kameradschaft waren im März 2009 ein von “Frontbann 24″ organisierter Aufmarsch in Oranienburg mit rund 30 Kameraden gegen eine zeitgleich laufende antirassistische Demonstration sowie eine Kundgebung am Berliner Kriminalgericht gegen “Kinderschänder”, bei der sich ca. 35 Nazis beteiligen.

Beim Aufmarsch im brandenburgischen Luckenwalde am 23. Mai 2009 traten Mitglieder von “Frontbann 24″ erstmalig uniformiert auf. Größtenteils trug man schwarze Hosen und Hemden, letztere mit einer aufgestickten “24″ am Kragen sowie einem stilisieren Reichsadler und den Schriftzug “Frontbann 24″ auf der Brust.

Nachdem “Frontbann 24″ bereits kurz Thema im Verfassungsschutz-Ausschuss des Berliner Abgeordnetenhaus war, der Landesverfassungsschutz eine eigene Meldung zur “Gründung der rechtsextremistischen Kameradschaft ‘Frontbann 24′” veröffentlichte, berichteten einige Printmedien über diese neue Kameradschaft. In Folge dieser Ereignisse legte die Polizei ihre anfängliche Zurückhaltung gegenüber den Mitgliedern der Nazigruppierung ab und reagierte beim öffentlichen Auftritt von “Frontbann 24″ zu Beginn des NPD-Aufmarsches in Storkow (4.7.2009) konsequent, in dem der Truppe das offene Tragen der Hemden mit angebrachten Kameradschaftsinsignien verboten wurde.

Ähnlich verfuhr die Polizei – allerdings mit anderer Begründung – bei einem Naziaufmarsch am 1. August im niedersächsischen Bad Nenndorf. Zusammen mit anderen Nazis blieb “Frontbann 24″ in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes zurück, um dort “für die Sicherheit” der sichergestellten Kleidungsstücke zu sorgen.

Namenszusatz als Schutz vor Verbot?

Die Auswertung des Bildmaterials der Storkower sowie der Luckenwalder Nazidemo ergab, dass sich “Frontbann 24″ direkt auf den SA-Ersatzwehrverband Frontbann bezieht und der Namenszusatz “24″ lediglich ein mögliches Verbot vorbeugen soll. Mindestens zwei Mitglieder hatten sich auf ihre Unterarme den Schriftzug “Frontbann” eintätowieren lassen – ohne die Zahl “24″. Diese öffentlich getragenen Tätowierungen erfüllen den Straftatbestand der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und begründeten zudem möglicherweise ein Verbot.

Die Abschaltung der ersten Homepage http://frontbann-24.npage.ch/ (vermutlich durch den Provider), beantworte “Frontbann 24″ mit dem Umzug (http://www.frontbann-24.com) auf einen in den USA registrierten und somit geschützten Server (server-widerstand.com), der mutmaßlich von einem NPD-Kader aus Kiel gemietet wurde.

[*] Ernst Röhm, “Der Frontbann”, in: “Die Geschichte eines Hochverräters”, 5. Auflage, Verlag Franz Eher Nachf., München 1928, Seite 321-346

Die Informationen zu Frontbann 24 wurden von Horst Mühle zusammengestellt.

Siehe auch: Neonazi-Trachtengruppe “Frontbann 24″ verboten, Hintergrund: “Frontbann 24″, Razzien gegen Neonazis: “Frontbann 24″ vor dem Verbot?, Körting: NPD schwächelt, Verbot von “Frontbann 24″ wird geprüft

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