Neonazis greifen Medienvertreter an

Rund 600 gewaltbereite Neonazis sind am 5. Juni 2010 durch die Hildesheimer Nordstadt marschiert. Die Personen aus der extrem rechten Szene folgten einem Aufruf der sog. „Initiative Zukunft statt Überfremdung“, die bereits zum zweiten Mal einen Aufmarsch zum „Tag der deutschen Zukunft“ angemeldet hatte. Am Rand der Veranstaltung kam es wiederholt gezielt zu gewalttätigen Übergriffen auf Journalisten, auch Gegendemonstranten wurden bei ihrer Abreise von Neonazis angegriffen.

Von Kai Budler für NPD-BLOG.INFO

Der nördliche Teil der Hildesheimer Innenstadt bot einen gespenstischen Anblick: Wasserwerfer, Reiterstaffeln der Polizei und ein Hubschrauber, der über dem Stadtteil kreist, in dem viele Menschen mit Migrationshintergrund leben. Lediglich drei Straßen waren für die Route Neonazi-Aufmarschs vorgehen, der von Dieter Riefling , einem der führenden Köpfe der Neonazi Szene Niedersachsen, angemeldet worden war. Mit einem starken Aufgebot hatte die Polizei das Gebiet um die Strecke weiträumig abgeriegelt, nur Anwohner durften die Sperren passieren.

Polizeikontrollen warteten auch auf die Neonazis an der Nordseite des Bahnhofs, dabei stellten die Beamten einen Schlagring und einen Totschläger sicher. Erst ca. 90 Minuten nach dem geplanten Auftakt um 12.00 Uhr verlas die NPD- und RNF-Funktionärin Ricarda Riefling die polizeilichen Auflagen. Unterdessen war die Menge der wartenden Neonazis auf etwa 550 angewachsen, die u.a. aus Niedersachsen, Schleswig Holstein, Nordrhein Westfalen, Sachsen- Anhalt und den Niederlanden angereist waren. Unter dem Hinweis auf das Verbot eines schwarzen Blockes in den Auflagen hatte es auf der Homepage der Neonazis zwar noch geheißen „Wir können aus diesem Grund bestimmte Aktionsformen nicht ausüben und hoffen auf Euer Verständnis“. Doch nur ein Blick auf die Teilnehmer aus dem extrem rechten Kameradschaftsspektrum ließ erkennen, dass sich ihr Verständnis in Grenzen hielt. Und so kam es schon vor der Rede von Dieter Riefling, zu einem offenbar organisierten Angriff vor den Durchsuchungszelten auf die verhasste „Systempresse“. Ein Kamerateam und Journalisten wurden gezielt tätlich angegriffen, ein Camcorder ging zu Bruch. Die Kameradschaft Hildesheim halluzinierte eine Provokation „Linker Medienvertreter“ herbei und merkte zynisch an: „wir wissen uns zu wehren“. Kurz vor dem Angriff hatte Einsatzleiter Uwe Ippensen noch angekündigt, die Polizei werde das Recht auf Pressefreiheit durchzusetzen. In der Situation selbst jedoch mussten die Beamten in dem Zelt erst auf die Übergriffe aufmerksam gemacht werden, bevor sie eingriffen. Ein Verhalten, das die Neonazis in ihrem Verhalten bestärkte, wie ein Eintrag in einem extrem rechten Internetforum zeigt: „Finde halt manchmal das wir mit der Feindpresse nicht zu zimperlich sein sollten“. Dementsprechend kam es auch während des Aufmarschs immer wieder zu gewalttätigen Attacken gegen Medienvertreter. Beispielsweise zeigt ein Video des NDR, wie Neonazis aus Nordrhein Westfalen aus der Demonstration heraus das Kamerateam des Senders angreifen. Nach der ursprünglichen Anmeldung von etwa 300 Personen ermutigte die hohe Zahl der Teilnehmer aus dem militanten Kameradschaftsspektrum die Neonazis immer wieder zu Übergriffen. Während die Polizei erklärt, „seitens rechter Teilnehmer soll es mehrere Handgreiflichkeiten gegenüber Journalisten gegeben haben“, kam es nach Angaben des NDR auch bei der Abreise der Gegendemonstranten zu Angriffen auf vermeintlich politische Gegner. Zuvor hatten etwa 2.500 Personen an einer Demonstration des Hildesheimer „Bündnis gegen Rechts“ auf der Südseite des Bahnhofes teilgenommen.

Mit ihrem Aufmarsch in Hildesheim haben die Neonazis zu einer weiteren Etablierung ihres „Tages der deutschen Zukunft“ beigetragen. Auch wenn der Marsch in Hildesheim durch weitestgehend menschenleere Straßen zog, hatte er eine nicht zu unterschätzende Binnen- und interne Bindungswirkung in der gewaltbereiten Neonaziszene aus dem Kameradschaftsspektrum. Das beweist auch die Rednerliste mit prominenten und führenden Neonazis aus verschiedenen Bundesländern. Im kommenden Jahr soll der „Tag der deutschen Zukunft“ zum dritten Mal am ersten Juniwochenende in Norddeutschland stattfinden, der genaue Ort ist noch nicht bekannt. Doch vorher mobilisiert die extrem rechte Szene erst einmal zum nächsten Großevent in Niedersachsen. Schon rund acht Wochen vorher warb Dieter Riefling bei seiner Rede in Hildesheim für den geschichtsrevisionistischen Neonaziaufmarsch am 14. August in Bad Nenndorf.

8 thoughts on “Neonazis greifen Medienvertreter an

  1. Nach kurzem Anschauen des Videos fällt es schwer, gewalttätige Szenen zu finden. Ein Rempler mit einem Banner als Gewalt zu bezeichnen, da haben wir wohl die sprichwörtliche Mücke und den daraus folgenden Elefanten. Der angebliche Gewaltätigkeit der Demoteilnehmer spricht auch das Ergebnis der polizeilichen Durchsuchung entgegen, bei über 600 Personen wurden lediglich ein Totschläger und ein Schlagring gefunden. Schaut man sich mal die Gewalttätigkeiten bei linken Demos an, wo sogar Menschen angezündet werden, so kann muss man die Gewaltbereitschaft dieser Demo wohl eher gering einschätzen.
    Leider sind auch die interviewten Personen der Gegendemo recht schwach, mehr als ein paar rausgestotterte Gründe hatten die nicht.

    So kann man eben auch nur diesen Beitrag als sehr schwach bezeichnen.

    mfg Sonata

  2. „lediglich ein Totschläger und ein Schlagring“
    Ja, da kann von Gewaltbereitschaft natuerlich keine Rede sein.

    Und was man nicht im Fernseher sieht, existiert auch nicht. Und selbst dann kann man ja noch umschalten. Sonata, sind sie zufaellig Buergermeister in Muegeln?

  3. Mar52, wahrscheinlich haben die Nazis ihre Waffen – wie üblich – „nur zur Selbstverteidigung“ dabei. Schließlich droht man auf einer „nationalen Demonstrationen“ ja in erhöhtem Maß Opfer von „Ausländerkriminalität“ zu werden.
    Und dass bei Linken auf Demonstrationen „Menschen angezündet werden“, ist natürlich verkürzt dargestellt. Sie werden erst gesteinigt, dann zerlegt und als Wurfgeschosse gegen die Polizei genutzt – aber nur, wenn sie rein deutsch aussehen. Was von Ihnen übrig bleibt, wird verbrannt und damit anschließend zur Trinkwasservergiftung in die Kanalisation gespült. So ist das bei linken Demonstrationen.

  4. Die Anzahl von verbotenen Gegenständen pro Demoteilnehmer ist kein geeigneter Indikator für die durchschnittliche Gewaltbereitschaft der Demoteilnehmer, da zur Gewaltausübung keinerlei Hilfsmittel benötigt werden.
    Ich persönlich schätze die Gewaltbereitschaft rechtsextremer Demonstranten als sehr hoch ein, da Gewalt als anerkanntes Mittel ein zentrales Kennzeichen ihrer Weltanschauung darstellt.

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