NPD-Strategieparteitag: Von Verrätern, Volksverrätern und Hartz-IV-Abtreibungen

Am zweiten und letzten Tag des NPD-Strategieparteitags in Bamberg haben die Neonazis einmal mehr demonstriert, wie ihre Identitätsbildung funktioniert: Über gemeinsame Feindbilder. Auf dem NPD-Treffen wurden bevorzugt Medien, Zionisten sowie ehemalige Kameraden, wie beispielsweise Andreas Molau, als Verräter – oder sogar Volksverräter gegeißelt. Trotzdem war von Einigkeit nur wenig zu sehen. Die geplante Fusion mit der DVU sorgt nur bedingt für Begeisterung – und auch um den NPD-Kandidaten für die Wahl des Bundespräsidenten, den Neonazi-Barden Frank Rennicke, gab es Streit.

Von Alexander Hacker und Stefan Schölermann (NDR)

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Feindbild: Juden (Foto Marek Peters)

„Die Macht der Medien muss gebrochen werden, wenn unser Volk gerettet werden soll!“ Es sind Sätze wie diese, mit denen die NPD bei ihrem Bamberger Parteitag deutlich macht, dass ihr Kurs der „Erneuerung“ offenkundig nichts anders ist, als eine hohle Phrase. Man ist Neonnazi und will das auch bleiben. Ein Delegierter aus Bayern machte das deutlich, als er sagte: „Die Zionisten haben das Ziel, alle Völker zu zerstören.“ Gern hätte der Mann wohl weitergeredet – die Parteitagsleitung aber sah sich genötigt, zu intervenieren. Im Präsidium weiß man, an welcher Stelle die Grenze zur Strafbarkeit überschritten ist.

Wie bei „aufrechten Nationalen“ nicht anders zu erwarten, war auch wieder einmal viel von Verrat die Rede – zum Beispiel, als Parteichef Udo Voigt seinen einstigen Kronprinzen und Hoffnungsträger, den ehemaligen Waldorflehrer Andreas Molau als „Verräter Molau“ abkanzelt und damit auf die Liste der politischen Todfeinde setzt. Molau, der sein politisches Heil mittlerweile bei der Pro-Bewegung sucht, war Spitzenkandidat der NPD in Niedersachsen und galt als möglicher Nachfolger des NPD- Bundesvorsitzenden.

Faust und die „wahren Volksverräter“

Von Verrat sprach auch DVU- Chef Matthias Faust, der als Gastredner die Vereinigungsbgehrlichkeiten seiner Gruppierung den NPD-Delegierten nahe zubringen versuchte. Seine Kritikaster in den eigenen Reihen geißelte er mit dem wohl schlimmsten Wort, das einen „aufrechten Nationalen“ treffen kann: „Es sind immer die gleichen Personen – auch Sie haben sie ja in ihren Reihen kennen gelernt. Sie sind die wahren Volksverräter an der deutschen Sache!“

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In der Mitte: Der "Verräter" Andreas Molau, rechts DVU-Chef Faust, der seine Kritiker als "wahre Volksverräter" bezeichnete, links Udo Voigt.

Dass auch Matthias Faust in Kreisen der NPD nicht nur von Freunden umstellt ist, wurde am späteren Abend am Rande des NPD-Parteitages klar: Ein Bundesvorstand raunte: “Der Mann ist für mich ein politischer Bankrotteur. Und mit dieser Meinung stehe ich im Vorstand nicht allein.“

Kriegsverbrecher Priebke als Kandidat?

Lieber verschweigen hätte man in NPD- Kreisen wohl auch, das die Nominierung des „NPD-Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten“ nicht ohne Debatten verlaufen ist. Zwar einigte man sich am Ende auf den rechtsextremen Barden, Frank Rennicke, andere aber hätten lieber den verurteilten Kriegsverbrecher Erich Priebke auf den Schild des NPD-Bundespräsidenten-Kandidaten gehoben.

Mancher Delegierte machte mit seinen Redebeiträgen deutlich, dass er oder sie selbst die von der NPD selbst gesetzten Grenzen der Volksverhetzung noch nicht so ganz verinnerlicht hat. In der Programmdebatte um die Grenzen des Abtreibungsrechts zur „Sicherung des deutschen Volkes“, verstieg sich eine Delegierte nach Angaben von Sitzungsteilnehmern zu der Überlegung, man müsse für sozial schwache Familien die Grenzen des Abtreibungsrechts lockern, da Kinder aus solchen Familien doch eine so schlechte Sozialprognose hätten. Das war dann einigen Delegierten wie auch Führungspersonen der NPD deutlich zuviel der „Sorge um die Volksgesundheit“. Eiligst bemühte man sich, dies als missverständliche Äußerung zu deklarieren, die nicht die Meinung der Partei wiedergebe. Ein Beobachter geißelte des Vorfall sarkastisch: „Als ob es darauf ankommt.“

Alle Meldungen zum NPD-Parteitag in Bamberg.

5 thoughts on “NPD-Strategieparteitag: Von Verrätern, Volksverrätern und Hartz-IV-Abtreibungen

  1. wieso heißt das bei denen nicht „Gesichtsbuch“ und „Zwitscher-Nachrichten“?

  2. Ein paar Sichtweisen aus dem Braunen….

    „Ich will keine rechte CDU werden“, rief ein Redner aus Mecklenburg-Vorpommern dem Saal entgegen. Die NPD sei keine normale Partei und werde das nie sein. Dafür bekam er viel Applaus.

    „Die Auflösung des Staates und seiner Institutionen ist die unmittelbare Folge seiner antideutschen Grundhaltung und perversen Politik.“

    „Der Staat ist der organisierte Wille des Volkes. Seine Aufgaben sind, fremde Staaten, fremde Organisationen und fremde Kulturen abzuwehren, die Sicherheit, die Identität und den Wohlstand des deutschen Volkes zu mehren und es biologisch zu erhalten.“

    http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/der-neue-kurs-spaltet-die-npd-0912

  3. Die Meinung vom Ex-Funktionär Molau zur NPD:

    „Mit dem unreflektierten NS-Hang und mit dieser Jugendszene wird man nie Erfolg haben.“

    „Die guten Leute, die es auch gibt, werden zu nichts kommen, weil irgendwelche Blut-und-Boden-Spinner immer wieder alles kaputtmachen.“

    In der NPD gebe es „bekennende Nationalsozialisten“.

    http://www.bnr.de/content/molaus-abrechnung

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