Steigende Affinität zur Hooligan- und Rockerszene

In Sachsen-Anhalt versucht die NPD nach Beobachtung des Verfassungsschutzes weiterhin, in der Mitte der Gesellschaft Fuß zu fassen. Innenminister Holger Hövelmann sagte bei bei der Vorstellung des VS-Berichtes, der Verfassungsschutz rechne dem rechtsextremen Spektrum in dem Bundesland etwa 1380 Personen zu. Allerdings habe es Verschiebungen innerhalb des rechtsextremistischen Gefüges gegeben. Bei allen internen Auseinandersetzungen und Widersprüchen unternehme insbesondere die NPD ernsthafte strategische Anstrengungen zur Verankerung in der ,Mitte der Gesellschaft‘. Der Versuch, Akzeptanz in bürgerlichen Kreisen zu gewinnen, gehe dabei mit einer inhaltlichen Radikalisierung, einer klaren ideologischen Ausrichtung am Nationalsozialismus Hand in Hand. Eine etwas widersprüchliche Aussage – oder kann man in Sachsen-Anhalt besonders mit NS-Inhalten in bürgerlichen Kreisen punkten?

Dem Landesverband Sachsen-Anhalt der NPD gehören laut Verfassungsschutz etwa 230 Personen an. Im Berichtszeitraum konnte die NPD demnach ihre Parteistruktur weder ausbauen noch festigen. Neben aktiven Kreisverbänden wie Magdeburg oder Halle existieren völlig inaktive Kreisverbände wie der Kreisverband Börde oder der Kreisverband Anhalt-Bitterfeld.

Subkulturell geprägte Rechtsextremisten

Nahezu unverändert sei die Anzahl der Neonazis in Sachsen-Anhalt. Zu diesem Spektrum würden rund 230 Personen gezählt, die sich mehrheitlich in losen, kameradschaftsähnlichen Strukturen zusammenfinden und denen ein vom historischen Nationalsozialismus geprägtes Weltbild eigen ist. Der neonazistischen Szene sind auch die Anhänger der NPD-Jugendorganisation JN zuzurechnen. Als eine neue Spielart im Bereich des Neonazismus beginnen sich auch in Sachsen-Anhalt die so genannten Autonomen Nationalisten herauszubilden.

Neben den ideologisch ausgewiesenen Neonazis gibt es laut Verfassungsschutz die Szene der subkulturell geprägten Rechtsextremisten, die kaum über einen gefestigten ideologischen Überbau verfügen. Mit rund 850 Personen (gegenüber etwa 800 Personen im Vorjahr) bilden sie den größten Anteil an den Rechtsextremisten in Sachsen-Anhalt. Rechtsextremistische Ideologieelemente wie Fremdenfeindlichkeit, Rassismus oder Antisemitismus prägen das Sozialverhalten dieser Rechtsextremisten, die durch eine hohe Affinität zu Straf- und Gewalttaten auffallen und als prinzipiell gewaltbereit gelten.

Affinität zur Hooligan- und Rockerszene

Polizei und Verfassungsschutz beobachten seit einiger Zeit eine gestiegene Affinität von Rechtsextremisten zur Hooligan- und Rockerszene, die sich insbesondere durch Übereinstimmungen in den Verhaltensmustern der Szenen ergeben haben dürfte. Beiden Szenen sei ein ausgeprägtes Freund-Feind-Denken, ein Stärke vermittelndes ,Wir‘-Gefühl mit der Neigung zu gruppenorientierter Freizeitgestaltung und ein provokatives Verhalten bei übersteigerter Betonung der Männlichkeit eigen. Daraus resultiere eine Verlagerung von Freizeitaktivitäten, insbesondere aber das Ausleben von Gewalttaten, auch in das Fußballumfeld.

In den kommenden Monaten werde die NPD alles daran setzen, 2011 auch in Sachsen-Anhalt den Einzug in den Landtag zu schaffen, sagte Hövelmann. „Wir sind optimistisch, dass die Chancen bei uns gut stehen, einen solchen Wahlerfolg zu verhindern“, betonte der SPD-Politiker. Das werde aber davon abhängen, wie groß die Bereitschaft gerade junger Menschen sein werde, sich bei der Wahl für die Demokratie zu engagieren.

Siehe auch: Trebnitz: Braune Schlosseigentümer

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