Burschenschaften verlassen Dachverband

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Burschenschafter in der Wartburg im Jahr 2001. (Quelle: DB)

Rund fünf Jahre nach den Enthüllungen rund um die Gießener Studentenverbindung Dresdensia Rugia, die aufgrund ihrer Nähe zur NPD zweitweise Beobachtungsobjekt des hessischen Verfassungsschutzes war, kommt aus der hiesigen Burschenschaftsszene eine interessante Nachricht. Die Verbindungen Frankonia, Alemannia und Germania haben den Dachverband »Deutsche Burschenschaft« verlassen. Das berichtet die Gießener Allgemeine. Einzig die Dresdensia Rugia sei als Gießener Burschenschaft jetzt noch Mitglied in der »DB«. Der Dachverband gelte seit vielen Jahren als Sammelbecken rechtsnational orientierter Studentenverbindungen.

Den Rückzug aus der »DB« gab die Frankonia in einer Presseerklärung aus Anlass ihres 138. Stiftungsfestes bekannt. In der Erklärung der Frankonia heißt es dem Blatt zufolge:

Die drei Gießener Traditionsburschenschaften, die früher dem Dachverband ›Deutsche Burschenschaft‹ angehörten, sind mittlerweile alle drei aus diesem Verband ausgetreten, weil sie im Spektrum der burschenschaftlichen Richtungen einen liberalen Standpunkt vertreten, der im Verband keinen Rückhalt mehr hat.

Wie ein Vertreter der Frankonia laut GA erläuterte, werde an der »DB« hauptsächlich kritisiert, dass sie sich nicht genügend von rechtsextremistischen Tendenzen in den eigenen Reihen abgrenzt und zudem einen »überholten und rückwärtsgewandten Vaterlandsbegriff« vertrete. Die Frankonia habe sich deshalb dem Verband »Neue Deutsche Burschenschaft« angeschlossen, der jede Form des politischen Extremismus ablehne und sich »klar zur Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland bekennt«.

NPD-Vertreter aus der Dresdensia Rugia

"Alter Herr" und für die NPD seit 2009 im Landtag: Arne Schimmer (Quelle: NPD-Fraktion Sachsen)
"Alter Herr" und für die NPD seit 2009 im Landtag: Arne Schimmer (Quelle: NPD-Fraktion Sachsen)

Die NPD, vor allem in Sachsen, versucht seit Jahren, extrem rechte Burschenschaftler für ihre Arbeit zu gewinnen. Besonders ist hier der Landtagsabgeordnete Jürgen Gansel zu nennen, der seine Partei intellektuell nach vorne bringen will. Daher war es für die NPD auch erwähnenswert, dass mit Arne Schimmer ein zweiter Burschenschaftler in den Landtag für die Partei einzog. Gansel schrieb zu diesem Anlass, die NPD hoffe nun “weit über Sachsen hinaus auf eine Sogwirkung im rechtsgerichteten Studenten- und Verbindungsmilieu und eine steigende Attraktivität der Partei für Akademiker, von denen fast 12.000 den Mitgliedsbünden der Deutschen Burschenschaft angehören”.

Besonders wies Gansel auf die Arbeit des NPD-nahen “Bildungswerkes für Heimat und nationale Identität e.V.” hin, für das die NPD ab 2011 staatliche Fördermittel bekommt. Dieses Bildungswerk soll rechte Kader von JN bis Blauer Narzisse erreichen.

Mehr als 10.000 Mitglieder

Die »Neue Deutsche Burschenschaft« hatte sich 1996 von der »DB« abgespaltet. Seitdem hatte sich der ältere Dachverband nach der Beobachtung von Kennern der Szene immer weiter radikalisiert. Die Burschenschaft Normannia Heidelberg ist Vorsitzende Burschenschaft der Deutschen Burschenschaft (DB), in dem akademischen Verband sind Studierende sowie bereits im Beruf stehende Mitglieder in über 120 Mitgliedsburschenschaften organisiert. Der Verband ist nach eigenen Angaben an über 50 Hochschulorten in Chile, Österreich und der Bundesrepublik Deutschland vertreten und zählt ca. 10.500 Mitglieder.

Kulturraum Europa

In einem Beschluss des Burschentages 2010 in Eisenach vom 28. Mai 2010 heißt es unter anderem:

In einer europäischen Ordnung müssen die Menschenrechte und die auch von Burschenschaftern erkämpften Grundrechte unwiderruflich verankert sein. Dazu zählen:

– Unantastbarkeit der Würde des Menschen,
– Freiheit und Gleichheit der Person,
– Glaubens-, Gewissens- und Religionsfreiheit,
– Meinungs- und Pressefreiheit,
– Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit,
– Freiheit der Wissenschaft, der Lehre und der Forschung,
– Berufsfreiheit,
– Freizügigkeit,
– ein Mindestmaß an sozialer Sicherheit und Chancengleichheit
– sowie das Recht auf Heimat.

Mitgliedsländer in Europa, die diese Grundrechte ganz oder teilweise verletzen oder missachten, sollen mit entsprechenden Sanktionen belegt werden.

Die geographischen Grenzen ergeben sich aus dem herkömmlichen Begriff Europa, der einen gemeinsamen, gewachsenen Kulturraum definiert. Insbesondere die Türkei gehört nicht zu diesem Kulturraum. Dementsprechend sind die bisher mit der Türkei geführten Verhandlungen mit dem Ziel einer entsprechend qualifizierten Partnerschaft zu beenden.

Das vereinte Europa soll ein Europa der Vaterländer sein, das auf einer strikten Trennung der drei Staatsgewalten fußt und das Subsidiaritätsprinzip konsequent beachtet. Nur ein freiheitliches, demokratisches, die nationalen und regionalen Identitäten und Unterschiede beachtendes und von gemeinsamen Wertvorstellungen getragenes Europa wird von den Bürgern akzeptiert werden und den europäischen Staaten eine gedeihliche Zukunft sichern. Die Deutsche Burschenschaft setzt sich für ein solches Europa ein.

Siehe auch: NPD-Fraktion Sachsen: “Alter Herr” in “Dresdner Schule”, NPD-Bildungswerk: Von JN bis Blauer Narzisse