Jetzt sind die Nazis da. Wieder da. In Neukölln.

Inzwischen haben sie die Räume blau gestrichen. Es stehen Sofas überall, die kleine Bar drängt sich links hinten ins Eck, an den Wänden hängen bunte Gemälde. Mittwochs ist Filmeabend, donnerstags Lesung, hin und wieder finden hier Vernissagen und Konzerte statt. Es ist eine Art Wohnzimmer für den Kiez, kuschelig und liebevoll eingreichtet, Kaffeemaschine und Flaschenbier. Es ist ganz einfach, sich hier wohlzufühlen.

Bis eines Tages jemand die Jalousie besprüht hat. Zwei Keltenkreuze, ein Satz: „C4 for reds“. C4 ist ein Sprengstoff, mit „reds“ sind Linke gemeint. Blaue Wände, bunte Gemälde, Lesungen, liebevolle Konzerte: Linke. Schwarze Farbe, Keltenkreuze, C4: Rechte. Das war im März diesen Jahres.

Nazi-Sprühereien in Neukölln
Nazi-Sprühereien in Neukölln (Foto: The Express Art)

Der Laden findet sich in der Friedelstraße, Nordneukölln. Früher wollte man uns einreden, dass von hier aus die islamische Weltrevolution stattfindet. Hier habe man, sagt Broder, „die Freiheit schon aufgegeben“, hier wird das Grundgesetz zur Scharia umgearbeitet. Später schreibt man den Kiez zum neuen In-Bezirk rauf, Kreativkiez, heißt es, Cafés eröffnen, es gibt plötzlich vegetarische Burger und französisch-vietnamesische Küche. Neukölln wird zur Spielwiese von Künstlern, sagen die einen, und die anderen, dass, wenn alle schreiben, Neukölln werde zur Spielwiese der Künstler, Neukölln aufhören werde, eine Spielwiese für Künstler zu sein. Leute mit Hut auf dem Kopf zogen zu, Gentrifizierungsforscher entwarfen Fragebögen. So war das.

Jetzt sind die Nazis da. Wieder da. In Neukölln.

Im August und im November 2009 bewerfen Nazis das chilenische Freundschaftszentrum „Salvandor Allende“ mit Steinen, Scheiben gehen zu Bruch. Anfang Dezember zerstören Nazis die Glasfront der Galerie Olga Benario, drei Gehminuten von meiner Wohnung entfernt. Im Dezember wird das Tristeza – bester Kickertreff im Kiez – mit Naziparolen besprüht, einem Gewerkshafter wird eine Morddrohung an die Haustür geschrieben.

Am neunten März 2010 wurden erneut die Scheiben des „Salvador Allende e.V.“ eingeschlagen. Im gleichen Monat entern NPDler eine Diskussionsveranstaltung mit Heinz Buschkowsky, Bürgermeister von Neukölln. Am 14. Mai wird in der Boddinstraße ein Antifa-Aktivist von Nazis erkannt und bedroht, er kann fliehen.

Es ist so: der Naziszene in Berlin geht es momentan nicht so gut. Die NPD-Führung waren jahrelang unfähige Witzfiguren, und auch wenn es in manchen Stadtteilen eine sehr aktive Basis gibt, hat die übers letzte Jahr an Elan verloren. Deswegen wollen sie wieder aus der Defensive kommen – „vom nationalen Widerstand zum nationalen Angriff“, wie letztes Jahr eine komplett misslungene Demo hieß.

Angriff. Besonders Nordneukölln. Warum hier koordiniert Übergriffe stattfinden, weiß man nicht. Vielleicht,

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