Schuldspruch nach Überfall auf Dönerläden

Rechte Hooligans hatten am 25. Juni 2008 mehrere Dönerläden in der Dresdner Neustadt überfallen – im Anschluss an das EM-Spiel Deutschland-Türkei. Daher wurde nun Ronny B. verurteilt – zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten wegen schwerem Landfriedensbruchs. Die Strafe wurde nach Angaben der Sächsischen Zeitung für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Nach Überzeugung des Schöffengerichts unter Vorsitz von Richter Roland Wirlitsch hatte B. am Überfall auf Dönerläden am 25. Juni 2008 in der Neustadt teilgenommen. Ob er jemanden verletzt oder Sachen zerstört hatte – sei auch in dem Indizienprozess offengeblieben, schreibt das Blatt. Niemand hatte B. am Tatort gesehen. Verräterisch allein waren seine SMS-Kurznachrichten. So soll er seiner Freundin nach dem Überfall mit dem Handy „Nach Sturm alle heilgeblieben“ gesimst haben.

Mob prügelt nur acht Minuten

Kurz nach dem Halbfinal-Spiel Deutschland – Türkei der Fußball-EM zogen mehrere Dutzend schwarz gekleideter, vermummter Männer prügelnd durch die Alaunstraße. Sie verwüsteten ein Dönerlokal, schlugen Mitarbeiter und Gäste krankenhausreif, stürmten weiter, sodass auch in drei anderen Lokalen Scheiben zu Bruch gingen und Menschen niedergeschlagen wurden. Der Spuk dauerte acht Minuten. Als die Polizei kam, war der Mob längst weg.

Als Drahtzieher des Angriffs wurde Willi K. bereits vor einem Jahr am Landgericht Dresden zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt, die er noch immer verbüßt. Der 23-Jährige hatte mehrfach SMS-Nachrichten an etwa 60 mögliche Mittäter geschickt – angeblich, um aufmüpfigen türkischen Jugendlichen einen Denkzettel zu verpassen.

Ermittlungen gegen kriminelle Vereinigung

Weiter schreibt die SZ: Wer aber geglaubt hatte, K. müsste nach seiner Verurteilung als Zeuge die Mittäter nennen, der wurde eines Besseren belehrt. K. musste nicht, denn gegen den ehemaligen Türsteher wird wieder ermittelt – wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, den sogenannten „Hooligans Elbflorenz“. Einige der rund 50 Beschuldigten sollen auch hinter den Döner-Überfällen stecken: Neues Verfahren, neues Auskunftsverweigerungsrecht.

Die Ermittler sprachen im Zusammenhang mit der Vereinigung von einem Mix aus unpolitischen, gewaltbereiten Männern und erklärten Rechtsextremisten.

Siehe auch: Dynamo Dresden: “Faschos passen hier nicht rein!”, “Very Important Pühse”: Doch keine VIP-Tickets für die NPD, Sachsen: Razzia wegen Krawallen nach EM-Halbfinale, nachgetreten: Dutzende Vermummte greifen Döner-Laden an, NPD als “der parlamentarische Arm dieser Verbrecher”, WM 2006: Die Welt zu Gast bei Feinden?

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